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Röhrenverstärker FA

Röhrenverstärker: Fragen zu Aufstellung, Betrieb und Wartung

Röhrenverstärker sind kein Hexenwerk, sondern stellen bewährte Technik dar, die heutzutage so gut ist wie nie zuvor. Einsteiger-Bedenken sind überflüssig, wenn man ein paar Faustregeln im Umgang mit Röhrengeräten beachtet.

  1. Röhrenverstärker: Fragen zu Aufstellung, Betrieb und Wartung
  2. Röhrenverstärker: Ruhestrom, Lautsprecher-Kombination, Röhrentausch
Röhrenverstärker Novalsockel

© stereoplay

In unserem Artikel finden Sie unsere Antworten auf die häufigsten Fragen zum Thema Röhrenverstärker.

Wo stelle ich meinen Röhrenverstärker auf? 

Röhrenbestückte Geräte produzieren je nach Typ (Endstufe oder Vorstufe) mehr oder weniger Abwärme. Eine gute Ventilation ist wichtig, weil die Röhren über die Luftzirkulation gekühlt werden. Omas altes Röhren-Küchenradio, das bisweilen fünf Jahrzehnte ohne Wartung Dienst tat, sieht wegen seiner gelochten Pressholz- Rückwand daher im Inneren aus wie ein voller Staubsaugerbeutel. Es versteht sich deshalb von selbst, einen Röhrenverstärker nicht in einen Schrank oder ein enges Regal zu stellen. Und zwischen Bücher gehört ein solcher Amp ebensowenig wie auf den Boden oder gar auf einen tiefen Teppich.

Frei auf dem Rack oder auf einem Tischchen positionieren und sauber halten, lautet daher die Regel. Auch vermeintlich nur handwarm laufende Vorverstärker gehören nicht zwischen zwei eng anliegende Rackböden. Eine Staubschicht auf den Röhren entfernen wir mit einem Pinsel, Reiniger sind zu vermeiden. Während ein Röhrenverstärker läuft, bewegen wir ihn auch nicht, denn die Heizfäden der Glaskolben sind in heißem Zustand mechanisch empfindlicher. Und noch etwas: Röhrenverstärker sind auch empfänglich für Mikrofonie, also für mechanische Anregung der Röhren durch Luftschall und Vibrationen. Sie sollten daher im Optimalfall raus aus dem Schall- und Vibrationsfeld der Lautsprecher, und sie sollten – wie jede vernünftige Anlage – möglichst nicht zwischen den Boxen aufgebaut werden. 

Zwangskühlung ist nicht notwendig, aufgeheizte Röhren mögen am liebsten sanfte Warmluft-Zirkulation. Und noch etwas: Schutzhauben über den Röhren lassen wir dort, wo sie hingehören, nämlich über den Röhren!

Ein- und ausschalten 

Einige clever designte Röhrengeräte verfügen über ein Ein- und Ausschalt-Management, das den Einschaltstrom begrenzt, die Röhrenheizungen sanft hochfährt und die Anodenspannung verzögert zuschaltet. So wird Stress für bestimmte Bauteile, etwa die Siebkondensatoren im Netzteil, vermieden und Einschaltknackser im Lautsprecher werden abgemildert. Dennoch ist es immer vernünftig, gerade bei weniger ausgefuchsten Verstärkern, nicht schnell hintereinander ein- und auszuschalten. Will man eine Röhre nach dem Ausschalten wieder aktivieren, ist es also besser, damit einige Minuten zu warten.

Ein kurzes Aufleuchten der Röhrenheizungen beim Start ist normal und überhaupt nicht schädlich. Röhren leuchten konstruktiv bedingt auch nicht alle gleich hell.

Prinzipiell sollten bei Röhren-Endstufen und -Vollverstärkern auch die Lautsprecher vor dem Einschalten angeschlossen sein. Wichtig: Ohne angeschlossene Lautsprecher dürfen Röhrenverstärker nicht angesteuert werden, da sie nur ungern ohne Last laufen. Ist die Lautstärke hingegen auf null gestellt, ist ein kurzes Wechseln der Lautsprecherkabel oder Abklemmen gefahrlos möglich.

Eingeschaltet lassen? 

Definitiv: nein. Während die Unsitte, eine Anlage dem guten Klang zuliebe stets eingeschaltet zu lassen, immer weiter um sich greift, gilt bei Röhrenverstärkern das genaue Gegenteil. Ohnehin hat ein HiFi-Gerät, das mehr als eine halbe Stunde benötigt, um gut zu klingen, kein Temperaturverhalten, sondern ein Temperaturproblem. Röhrenverstärker sind da erfahrungsgemäß klar im Vorteil, erreichen sie doch fast immer schon nach zehn bis 15 Minuten ihr vollständiges klangliches Niveau. Schachtelneue Geräte benötigen dagegen oft mehr Zeit, da in den Bauteilen anfangs Formierungseffekte stattfinden und die Röhren „Einbrenn“-Effekten ausgesetzt sind.

Röhren sind Verschleißteile mit endlicher Lebensdauer. Wer sie permanent aktiviert lässt, verschwendet nicht nur Energie, sondern auch Geld, weil die Kosten pro Hörstunde ansteigen. Insbesondere gilt dies natürlich für die etwas teureren End- oder Leistungsröhren. Manche Röhrenverstärker verfügen deshalb über eine Standby-Schaltung, die die Anodenspannung bei Nichtbenutzung wegnimmt.

Dennoch gilt die Faustregel: Wer eine Röhre länger als anderthalb oder zwei Stunden nicht benutzt, sollte sie ausschalten. Genau deshalb gehören Netzschalter – eine weitere Unsitte – auch nicht auf die Rückseite, sondern auf die Frontplatte. Ausnahme: Netz-Hauptschalter auf der Rückseite, Aktivierungsschalter auf der Front. Hier darf man getrost davon ausgehen, dass sich der Hersteller um alles gekümmert hat. Den Hauptschalter auf der Rückseite betätigen wir daher nur, wenn wir in Urlaub fahren.

Vierpolige Triode

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Bei den echten vierpoligen Trioden mit direkter Heizung gibt es nur vier Stifte am Sockel. Zur Orientierung in der Vierpol-Fassung dienen die zwei etwas dickeren Heizungsanschlüsse, die bei einer echten Triode ja auch die Kathodenkontakte darstellen.

Wie lange halten Röhren? 

In Röhren werden von den Kathoden, genauer gesagt von deren Beschichtung, negativ geladene Elektronen emittiert, die von der positiven Anodenspannung zur Anode hin angezogen werden. Mit der (Betriebs-) Zeit büßt die Kathode diese Fähigkeit immer weiter ein und gibt weniger Elektronen ab – die Röhre altert.

Solche Alterungseffekte können übrigens auch durch chemische Degeneration der Beschichtung entstehen, weshalb nicht alle „NOS“-Röhren („New Old Stock“) in Form womöglich Jahrzehnte alter Lagerware noch über volle Emission verfügen. Das kommt häufiger vor, als es die Verkäufer klanglich hoch bewerteter, teurer Uraltröhren wahrhaben wollen. 

Wie Omas eingangs erwähntes Röhrenradio schon zigtausendfach bewiesen hat, laufen Röhren trotz täglicher Benutzung auch schon mal für Jahrzehnte störungsfrei und altern dabei auf weniger als 50 Prozent Emission herunter, ohne große Probleme zu bereiten.

Auch die kleinen Eingangsund Treiberröhren in unserem Röhrenverstärker sind gewöhnlich für mehr als 10.000 Betriebsstunden gut, wobei Ausnahmen – oder besser: Ausreißer – vorkommen können. Den deutlich härter beanspruchten Endröhren von HiFi-Verstärkern werden in der Regel zwischen 3000 und 5000 Stunden zugesprochen. Das hängt auch davon ab, ob die Röhren zur Erzielung möglichst hoher Leistung hart an ihren Grenzwerten betrieben werden oder ob sie schonender eingestellt sind.

Beispielsweise können vernünftig betriebene Trioden vom 300B-Typ durchaus ein (Zuhörer-) Leben lang halten... In der Praxis ist aber auch von Extremfällen zu hören: Wenn ein Verstärker täglich zwölf Stunden läuft, wird ein neuer (End-) Röhrensatz schon nach einem Jahr fällig.

Wo kaufe ich Ersatzröhren?

Im Normalfall über den Händler beim Hersteller oder Vertreiber des Verstärkers. So geht man auf Nummer sicher, exakt die richtigen und auch vorgeprüften Röhren für das jeweilige Gerät zu bekommen. Im Optimalfall nimmt auch der Service des Herstellers oder Händlers den Röhrenwechsel fachgerecht vor. Wer sich das selbst zutraut (dazu gleich mehr), der kann auch neue Röhren bei einem Röhren-Fachhändler erwerben und dort geprüfte Exemplare erhalten. Von bisweilen obskuren Internet-Händlern sei hier abgeraten, das bleibt Spezialisten vorbehalten, die sich mit dem Thema genau auskennen. Anerkannt gute Adressen für Röhren sind beispielsweise BTB in Nürnberg (www.btbelektronik. de), Tube-Town (www.tube-town.net) und Jac van de Walle (www.jacmusic. com).

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