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Interview zu Smart Home mit Martin Vesper, digitalSTROM

Vernetzung ist für Martin Vesper nur der Anfang. Der CEO des Systemanbieters digitalSTROM und Branchenvordenker sieht die Zukunft im Smart Home in Bots, künstlicher Intelligenz und Robotik.

Interview mit Martin Vesper von digitalStrom

© connect

Wirtschaftsmathematiker Martin Vesper kam von Yello Strom und treibt seit 2011 als CEO das Smart-Home-Geschäft von digitalSTROM voran.

Wie können wir uns das Leben im Smart Home künftig vorstellen? 

Martin Vesper: Mit Komfort dank intelligenter Technik. Fakt ist: Viele Geräte lassen sich zunächst nur fernsteuern. Aber wenn sie vernetzt sind, können sie auf die besten Algorithmen der Welt zugreifen wie etwa beim PC, mit dem wir auf Google Informationen suchen. Das nennen wir dann Bots. 

Ein gutes Beispiel hierfür ist der Wasserkocher iKettle. Dank seiner Vernetzung kann ich programmieren, wann er das Wasser erhitzen soll. Mithilfe der Bots lernt er jedoch, gleich die richtigen Einstellungen vorzunehmen, wenn ich ihm etwa vorgebe, grünen Tee zuzubereiten. 

Die Algorithmen lernen durch verschiedene Nutzer auch: Wie lange dauert das eigentlich? Wenn ich diese Rückmeldung erhalte, kann ich das umkehren und sagen: Ich hätte meinen grünen Tee gerne morgen früh um acht Uhr. Damit fängt der Wasserkocher entsprechend rechtzeitig mit der Zubereitung an.

Und wenn mir mein grüner Tee nicht schmeckt? 

Vesper: ...können Sie mit dem Gerät auch kommunizieren, beispielsweise chatten. Der Kocher kann ihnen Nachfragen stellen. Und wenn Sie ihm sagen, dass das Ergebnis nicht gut war, versteht er das auch. Das alles geht, weil wir digital und vernetzt sind, obwohl der Wasserkocher immer noch derselbe ist. 

Müssen die anderen Familienmitglieder jetzt auch meinen Tee trinken?

 Vesper: Nein. Der Kocher kennt zunächst einmal viele Teesorten. Und durch das Chatten weiß er, von welchem Smartphone die Handlungsanweisung kam, erkennt also auch, wer seinen Tee bestellt hat. Gibt man den Befehl per Sprachsteuerung über Google Home, kann dieser aber auch die Stimme des Sprechers erkennen.

Sprachassistenten sind sehr populär. Wird das der künftige Weg der Kommunikation im Smart Home sein?

Vesper: Es wird eine Kombination verschiedener Wege sein. Digitalisierung wird geprägt durch Praktikabilität. Betrete ich einen Raum oder verlasse ihn, ist der Lichtschalter das praktikabelste, um das Licht zu steuern. Befinde ich mich entfernt in einem Raum, ist Sprache am sinnvollsten. Wenn alle vor dem Fernseher sitzen, würde Sprachsteuerung stören, also schreibe ich lieber oder nutze eine App. Digitalität heißt auch Vielfalt.

Roboter Pepper

© digitalSTROM

digitalSTROM hatte auf die IFA in Berlin Roboter Pepper mitgebracht, der für Messebesucher Kaffee machte.

Müssen Verbraucher fürchten, ihr Haus angesichts lernfähiger Bots künftig nicht mehr im Griff zu haben? 

Vesper: Das ist eine Sache der Gewohnheit. Beispiel Auto: Hier hat man als Fahrer das Gefühl, alles im Griff zu haben, beinahe wie bei völlig analoger Technik. Würde sich die Software des Wagens aber plötzlich entscheiden, Vollgas zu geben, wäre das nicht mehr so. Wir stören uns daran nicht, weil wir auf der anderen Seite sehr viel Sicherheit bekommen haben. Man muss einfach sehen: Die analoge Welt ist nicht perfekt. So sorgt digitale Technik dafür, dass wir weniger Verkehrstote haben, als früher. 

Im Haus wiederum gibt es vernetzte Rauchmelder, die Unfälle und Schäden vermeiden helfen. Die Digitalität hat aber noch eine Eigenschaft: Dadurch, dass sie technologische Limits sprengt, müssen wir uns oft mehr entscheiden. Beispiel Mähdrescher: Früher wäre es für den Fahrer Glückssache gewesen, auf dem Feld für ein vorbeilaufendes Rehkitz anzuhalten. Manchmal hat er es einfach nicht sehen können. Mit heutiger Sensorik könnte er für jedes Tier anhalten, auch für einen Käfer. Jetzt muss er entscheiden, für welches Tier er anhält: Käfer, Rehkitz oder Hase? 

Solche Entscheidungen machen, glaube ich, auch einen Teil der Angst aus, die Verbraucher und die Politik immer wieder zum Ausdruck bringen. Aber klar ist: Technik ist beherrschbar. Und wir sind noch weit davon entfernt, dass Geräte lernen, ein Eigenleben zu entwickeln, wie wir es zum Teil aus der Filmwelt kennen.

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Auf Ihrem IFA-Stand hat ein Roboter Kaffee für die Besucher gekocht. Ist das schon die nahe Zukunft? 

Vesper: Es handelte sich um einen humanoiden Roboter: den Pepper von Aldebaran. Zwei Punkte waren ausschlaggebend, warum wir ihn gezeigt haben: einmal Technologieakzeptanz. Im Prinzip ist Pepper nichts anderes als eine Webcam und eine Amazon Echo auf Rädern. 

Messebesucher haben Selfies mit ihm gemacht und fanden es lustig, einen Witz von ihm zu hören, oder mit ihm zu schäkern. Er wird akzeptiert. Das Zweite ist: Wir reden unter anderem auch mit Bauunternehmern. Wenn die heute Wohnungen bauen, steht die nächste technische Renovierung in ungefähr 15 Jahren an, also etwa 2032.

 Wir sagen dann: Ihr plant heute mit analoger Technik. Seid ihr wirklich sicher, dass es solche Dinge wie einen Pepper nicht 2028 vielleicht in jedem Haushalt gibt? Wenn nicht, müsst ihr jetzt die digitale Infrastruktur schaffen. Sonst könnte das zu einem Problem werden, wie wir es heute häufig mit dem Fehlen schneller Internetanschlüsse haben. 

Spracherkennung und freie Navigation im Raum sind aber schon noch eine Herausforderung, ähnlich wie beim autonomen Fahren. Der autonome Roboter im Haus wird daher auch noch eine Weile auf sich warten lassen.

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