Digitale Demenz

Mit diesen Übungen trainieren Sie Ihr Gehirn

  1. So beeinflussen Smartphones Gedächtnis und Hirnleistung
  2. Mit diesen Übungen trainieren Sie Ihr Gehirn

Gedächtnistraining

Gedächtnisexperte Markus Hofmann gibt Tipps, wie Sie sich Zahlen besser merken und nie wieder vergessen, wo Ihr Handy liegt.

Die Einhornliste

Das Problem mit dem Zahlenmerken ist, dass wir versuchen, sie rational abzuspeichern. Bei einer siebenstelligen Zahl ist das vielleicht noch machbar. Bei neun wird es fast unmöglich. Verpacke ich die Information jedoch in ein Bild und mache daraus eine Emotion, kann ich sie mir viel leichter merken.

  • 1: Einhorn
  • 2: Medaille (zwei Seiten)
  • 3: Dreirad
  • 4: Tisch (vier Beine)
  • 5: Hand (fünf Finger)
  • 6: Sixpack (Bauch oder Bier)
  • 7: Zwerge
  • 8: Achterbahn
  • 9: Katze (neun Leben)
  • 10: Bibel (Gebote)​

Zahlen merken mit Geschichten 

Wollen wir uns nun zum Beispiel die PIN 7481 merken, bauen wir mit den Bildern der Einhornliste eine Geschichte: Sieben Zwerge sitzen auf einem Tisch. Mit dem Tisch fahren sie über eine Achterbahn, die von einem Einhorn gezogen wird. Auf einmal habe ich ein Bild, eine kleine Geschichte, die „merkwürdig“ ist und die PIN bleibt im Kopf. Für verschiedene PINs brauchen wir noch einen Ankerpunkt, von dem wir losgehen können. Bei einer Sparkassenkarte beginnt die Geschichte dann z.B. beim Sparkassen-„S“. Dieses Symbol oder ein Angestellter kann in die Geschichte integriert werden.

Alltagsvergesslichkeit bekämpfen

Wie oft passiert es uns, dass wir Handy, Schlüssel oder Portemonnaie irgendwo gedankenverloren ablegen? Später gehen wir dann panisch auf die Suche. Dieser simple Tipp schafft Abhilfe: „Wenn ich mein Handy weglege, dann verabschiede ich mich bewusst von ihm. Beispielsweise so: „Liebes Handy, ich lege dich jetzt hier auf den Esstisch und hole dich dort in zwei Stunden wieder ab.“ Natürlich sagt man das nicht laut, sondern denkt es nur innerlich. Dinge bewusst wegzulegen oder sich bewusst zu merken, ist der erste Schritt zur Besserung.“

Interview mit dem Psychologen Peter Sturm

Peter Sturm ist Mitbegründer der Gesellschaft für Gehirntraining e.V. (GfG).

Hat das Smartphone Ihrer Meinung nach einen negativen Einfluss auf unsere Gehirnleistung und unser Gedächtnis? 

Das Smartphone hat generell keinen negativen Einfluss auf unsere Hirnleistung. Problematisch wird es, wenn wir es als ausgelagertes Gedächtnis betrachten und z.B als Merkzettel einsetzen. Wenn wir alles dem Smartphone überantworten und nicht mehr versuchen, uns etwas zu merken, leidet die Hirnleistung darunter. Entlastung schadet dem Gehirn. So wie es dem Körper schadet, wenn man ihn nicht fordert.

Was ist Ihrer Meinung nach die Ursache von Vergesslichkeit im Alltag? 

Vergesslichkeit ist eine Folge nachlassender Hirnleistung. Durch die Zunahme an Routine und geistiger Passivität lässt die Hirnleistung bei den meisten schon ab 30 langsam nach. Im Alter kann das dann zu ernsthaften Problemen mit dem Gedächtnis führen. 

Was bedeutet mentale Fitness für Sie? 

Mentale Fitness ist ein Zusammenwirken von verschiedenen Fähigkeiten. Gedächtnis ist ein Aspekt dabei. Ebenso wichtig sind aber auch Konzentrationsfähigkeit, rasche Aufnahme und Verarbeitung von Informationen, sowie mentale Ausdauer und Belastbarkeit. 

Wie kann man seine Gehirnleistung im Alltag steigern? Können Sie konkrete Übungsbeispiele nennen? 

Im Alltag lässt sich die mentale Leistungsfähigkeit durch Aktivierung des Gehirns steigern. Eine solche Aktivierung erfolgt immer dann, wenn wir Aufgaben lösen, die in unserer Alltagsroutine nicht vorkommen. Also möglichst einfache, aber ungewohnte Aufgaben. Beispielsweise: Zählen Sie in diesem Artikel die Wörter, die aus fünf Buchstaben bestehen. Oder: Versuchen Sie aus den Buchstaben von Autokennzeichen Wörter zu bilden. Alle Buchstaben müssen in der gegebenen Reihenfolge verwendet werden, aber es können beliebig neue ein- und hinzugefügt werden. 

QR-Code Hirntraining Übungen

© connect

Über den QR-Code erhalten Sie ein PDF mit 20 Seiten Gehirn-Jogging-Übungen zum Ausdrucken.

Kann eine Person mit 60 Jahren die gleiche Steigerung bzw. Verbesserung der Hirnleistung erreichen wie ein 25-Jähriger? 

Das richtige Gehirntraining fördert die Hirnleistung bei Jung und Alt. Bei einem 60-Jährigen können die ungenutzten Leistungsreserven größer sein als bei einem 25-Jährigen. Dementsprechend kann die Wirkung des Trainings bei dem Älteren sogar höher ausfallen. 

Kann man mit ständigem Hirntraining im Alter länger fit bleiben und Erkrankungen wie Alzheimer vermeiden? 

Ja, bei regelmäßigem Training bleibt das Gehirn im Alter länger fit. Ein guter Richtwert sind zehn Minuten täglich. Erkrankungen wie Alzheimer lassen sich damit nicht verhindern. Die Folgen der Erkrankung, unter denen die Betroffenen und ihre Angehörigen so leiden, treten bei trainierten Personen aber erst mit einer Verzögerung von etwa fünf Jahren auf. Geistige Fitness und die damit verbundene Lebensqualität bleiben fünf Jahre länger erhalten. 

Was halten Sie davon, das Gehirn mit z.B. Sudoku-Apps zu trainieren? 

Grundsätzlich könnten Apps sehr gut für Gehirntraining genutzt werden. Schwierig ist dabei die Anpassung an das jeweilige Leistungsniveau des Nutzers. Die Einteilung in Leistungslevels ist meist untauglich, weil kurzfristige Schwankungen wie Erschöpfung oder Stress unberücksichtigt bleiben. Ein Training sollte adaptiv sein und sich dem gerade verfügbaren Leistungspotenzial anpassen.

Neuronation App Screen

© Neuronation

Mit der App Neuronation soll man spielerisch die Merk- und Konzentrationsfähigkeit steigern.

App-Tipp: Neuronation

Die Macher dieser App versprechen Hirntraining auf wissenschaftlicher Basis. Auf spielerische Weise sollen unter anderem Gedächtnis, Konzentration und Denkgeschwindigkeit verbessert werden. Nachdem man zu Beginn angegeben hat, worin die persönlichen Schwächen liegen, folgt ein Einstufungstest. Dieser bewertet den Leistungsstand nach Merkfähigkeit, Konzentration und Schnelligkeit. Darauf basiert die Intensität des Trainings im Anschluss. In Spielen muss man Wörter vervollständigen, Pfade nachzeichnen oder Symbole korrekt auswählen. Im kostenlosen Download der App sind einige Grundübungen enthalten. Weitere Übungen gibt’s im leider recht teuren Abo für 33 Euro pro Jahr.

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