Re-Commerce im Check

Smartphone verkaufen über Ankaufsportale

Im Netz tummeln sich etliche Firmen, die gebrauchte Handys und Smartphones kaufen. Doch wie findet man den passenden Anbieter im boomenden Re-Commerce-Geschäft? Und lohnt sich das überhaupt? Wir haben uns den Markt näher angeschaut.

Alte Smartphones

© Maxx-Studio / Shutterstock

Alte Smartphones

Früher war es ganz einfach: Ein neues Handy kaufte man, wenn das alte kaputt war. Heute, im Zeitalter immer kürzerer Modellzyklen, beschaffen sich immer mehr Menschen ein neues Smartphone, obwohl ihr Gerät bloß den einen oder anderen Kratzer und einen allmählich lahmenden Akku hat, ansonsten aber voll funktionstüchtig ist. Und damit viel zu schade zum Wegwerfen. Doch wohin damit?

Der klassische Weg führt über Ebay oder andere Verkaufsportale im Netz. Doch das kostet Zeit und Geld. Es geht auch schneller und einfacher: Eine zunehmende Zahl an Plattformen kauft alte Handys und Smartphones zum Festpreis. Der Ablauf ist denkbar simpel: Gerät auswählen, Zustand und Zubehör festlegen, Gerät verschicken - fertig. Im Idealfall haben Sie nach wenigen Tagen das Geld auf Ihrem Konto.

Allerdings hat dieser Komfort seinen Preis, denn die sogenannten Re-Commerce-Portale finanzieren sich über die Differenz zwischen dem Ankaufspreis und dem Erlös beim Weiterverkauf - zu Lasten des Verkäufers. Wer sein altes Handy loswerden will, sollte daher in jedem Fall prüfen, ob er via Ebay und Co nicht preislich besser fährt.

Preise vergleichen

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Mit wenigen Klicks können Sie berechnen, zu welchem Preis Sie Ihr altes Handy oder Smartphone bei Ankaufsportalen wie flip4new.de loswerden. Auch der Ablauf der Transaktion ist denkbar einfach.

Anbieter im Vergleich

Meist dürfte das der Fall sein, wie Stichproben von connect ergaben. Wir haben bei zehn Ankaufsportalen die Festpreise für Smartphones mehrerer Hersteller, Geräteklassen und Modelljahre miteinander verglichen. Konkret prüften wir die Angebote für das Samsung Galaxy S3 mini sowie das S4 mini, das Sony Xperia Z2, das iPhone 5 mit 16 GB, das G2 von LG sowie Samsungs Note 2. Lauter gängige Geräte, die dennoch nicht vollständig bei allen Anbietern gelistet sind. Amazon ist übrigens nicht bei den getesteten Anbietern dabei, denn über das Trade-in-Programm bekommt man kein Bargeld für gebrauchte Geräte, sondern nur eine Gutschrift.

Eines vorweg: Direkt vergleichbar sind die Angebote leider nicht, denn dazu sind die Kriterien der Preisfindung zu unterschiedlich. Der optische Zustand beispielsweise wird in bis zu sieben verschiedenen Abstufungen, die zudem unterschiedlich definiert werden, erfasst. Für ein gut erhaltenes Samsung Galaxy S4 mini werden zwischen 100 und 120 Euro geboten. Das gleiche Gerät mit deutlichen Gebrauchsspuren wie tiefen Kratzern oder Dellen erlöst dagegen nur noch zwischen 35 und 50 Euro.

Ein Sonderfall ist das Portal zonzoo.de, auf dem man den optischen Zustand gar nicht angeben kann. Hier gibt's einen Einheitspreis unabhängig vom Abnutzungsgrad. Wer ein recht ramponiertes Phone verkaufen will, fährt hier also tendenziell besser.

Ein weiterer Faktor ist die Funktionstüchtigkeit. Grundsätzlich kaufen die Re-Commerce-Portale auch defekte Telefone, die sich sonst nur schwer an den Mann oder die Frau bringen lassen - zum Teil werden hier ebenfalls ganz ordentliche Preise geboten, zum Teil aber auch nur Centbeträge.

Daneben bestimmen weitere Kriterien den Preis: Wer Original-Akku und -Ladegerät mitliefern kann, bekommt mehr Geld, für Handys mit Simlock oder Gravur gibt es deutliche Abzüge, denn das drückt den Wiederverkaufswert. Zudem variieren die Beträge von Tag zu Tag. Die Ergebnisse unserer Stichproben lassen sich nur schwer verallgemeinern, dennoch überrascht, wie unterschiedlich die Angebote zum Teil ausfallen. Abweichungen von 30 Prozent und mehr sind keine Seltenheit.

Die höchsten Preise im Test boten die Portale reasy.de, zoxs.de und duverkaufst.de . Die anderen folgten mit gewissem Abstand. Doch auch wenn sich Tendenzen ableiten lassen, kommt es alles in allem auf den Einzelfall an, welches Portal für welches Gerät in welchem Zustand den besten Preis bietet. Der individuelle Vergleich ist also unabdingbar.

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Wer nicht nur ein Handy, sondern auch noch ein Tablet oder ein Notebook verkaufen möchte, kann das bei einigen Portalen auf einen Schlag erledigen. Das Portfolio der Dienste ist allerdings höchst unterschiedlich.

Achten Sie auf das Kleingedruckte

Doch es zählt nicht nur der Preis - auch ein Blick in die Allgemeinen Geschäftsbedingungen kann nicht schaden, denn die Rahmenbedingungen unterscheiden sich. Dazu gehören etwa die Versandgebühren. So verlangen wirkaufens.de , zonzoo.de , verkaufsuns.de , sellhappy.de , flip4new.de und handy-bestkauf.de grundsätzlich keine Versandkosten. Bei rebuy.de und duverkaufst.de gilt das erst ab einem Warenwert von 10 Euro, bei reasy.de und zoxs.de gar erst ab 30 Euro. Bei niedrigeren Beträgen zahlt der Kunde den Versand.

Ebenfalls interessant sein kann, was im Konfliktfall passiert. Stimmt die eigene Bewertung des optischen Zustands nicht mit der Einschätzung des Anbieters überein, hat der Verkäufer zwei Möglichkeiten: Entweder er akzeptiert die schlechtere Bewertung und damit einen geringeren Erlös, oder er nimmt das Gerät zurück. Bei den meisten Ankaufdiensten ist der Rückversand in diesem Fall kostenlos, andere verlangen dafür aber eine Gebühr von bis zu 5 Euro. Das ist besonders ärgerlich für den Kunden, der sich nicht auf einen niedrigeren Preis einlassen möchte.

Sein Geld bekommt der Verkäufer in der Regel per Überweisung. Bei sieben Re-Commerce-Portalen ist auch die Erstattung via Paypal möglich. Doch Vorsicht: Zwei davon, reasy.de und zoxs.de, ziehen die Paypal-Gebühren vom Auszahlungsbetrag ab. Die Auszahlung erfolgt meist innerhalb von sieben Tagen. Die Frist läuft ab dem Wareneingang oder ab dem Zeitpunkt der Geräteprüfung.

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Unter der Adresse bidvoy.net lassen sich Ebay-Verkäufe bestimmter Artikel analysieren. Die Grafik zeigt übersichtlich die Entwicklung der erzielten Verkaufspreise in den letzten Wochen oder Monaten.

Kaufen lassen oder lieber selbst verkaufen?

Zurück zur Ausgangsfrage: Lohnt sich der Verkauf gebrauchter Handys und Smartphones bei Re-Commerce-Plattformen? Oder ist es in jedem Fall sinnvoller, selbst aktiv zu werden und sein altes Gerät über Ebay oder andere Kleinanzeigen-Websites anzubieten, sofern man den höheren Aufwand nicht scheut?

Um dies herauszufinden, haben wir das Analysetool Bidvoy bemüht, das die Ebay-Verkäufe bestimmter Artikel über einen festgelegten Zeitraum auswertet. Die Daten sind zwar mit Vorsicht zu genießen, weil sie keinen Aufschluss über Zustand, Spezifikationen und mitverkauftes Zubehör geben. Dennoch bietet die Analyse der Ebay-Verkäufe einen guten Anhaltspunkt für den möglichen Verkaufserlös.

Für die Smartphones in unserer Stichprobe ergibt sich ein recht eindeutiges Bild: Die Ebay-Verkäufer konnten zum Teil deutlich höhere Preise erzielen, als bei den Re-Commerce-Anbietern zu holen gewesen wäre. Die durchschnittliche Differenz (bezogen auf die Festpreise für Geräte im besten Zustand) beträgt je nach Ankaufsportal zwischen 10 und tatsächlich mehr als 40 Prozent.

Selbst bei Berücksichtigung der Ebay-Gebühren bekommt man auf diesem Weg also mehr Geld für sein altes Handy. Mit einer Ausnahme: Für ein gebrauchtes iPhone 5 bietet die Hälfte der Ankaufsportale einen - zum Teil deutlich - höheren Preis, als er bei den Ebay-Verkäufen erzielt wurde. Dieses Phänomen lässt sich nur mit der enorm hohen Attraktivität gebrauchter Apple-Geräte erklären.

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Acht Anbieter auf einen Blick: handyverkauf.net vergleicht das Angebot mehrerer Ankaufsportale.

Tipp: Preise vergleichen

Wem der Vergleich der einzelnen Ankaufsportale zu mühsam ist, der sollte einen Blick auf die Seite handyverkauf.net werfen. Hier werden die Festpreisangebote für mehr als 2700 Handymodelle von in der Regel acht Handy-Ankaufdiensten übersichtlich aufgelistet.

Außer über die Ankaufspreise informiert die Seite auch über Details zu den Anbietern wie Versandkosten oder Auszahlungsart. Über einen Link gelangt man schließlich direkt zum jeweiligen Re-Commerce-Portal. Handyverkauf.net fungiert dabei lediglich als eine Art Vermittler. Auch wenn einzelne Anbieter wie reasy.de und zonzoo.de im Preisvergleich fehlen, lässt sich die Suche nach dem jeweils attraktivsten Ankaufdienst damit deutlich verkürzen.

Fazit

In den meisten Fällen dürften sich gebrauchte Handys und Smartphones bei Ebay und Co. teurer verkaufen lassen als bei den Ankaufdiensten im Netz. Das ist auch klar, denn diese wollen ja schließlich auch etwas verdienen.

Wer sein altes Gerät aber schnell, einfach und kalkulierbar zum Festpreis verkaufen möchte und für diesen Komfort auf ein paar Euro verzichten kann, findet in den Re-Commerce-Angeboten eine gute Alternative.

Unabdingbar ist jedoch ein Vergleich verschiedener Portale, denn die Unterschiede zum angebotenen Preis sind je nach Modell, Zustand und Zubehör zum Teil riesig.

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