Ratgeber

Xbox-Spielewelt auf dem Smartphone

Das Smartphone als Spielkonsole: Windows Phone 7 soll die bunte Spielewelt der Xbox 360 auf das Smartphone transportieren. Ein genialer Coup oder nur heiße Luft?

Spiele der Xbox 360 auf dem Smartphone

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Spiele der Xbox 360 auf dem Smartphone

Mit großem Tamtam rührt Microsoft schon seit einiger Zeit die Werbetrommel für sein neues Smartphone-Betriebssystem: Schneller, besser, Windows Phone 7. So in etwa lautet die unmissverständliche Botschaft aus Redmond. Die Erwartungen sind hoch, schließlich gilt es auch, dem alten Klassenfeind Apple und seinem iPhone endlich Paroli zu bieten. Ob der tollkühne Rundumschlag gelingt, steht bisweilen noch in den Sternen.

Spiele der Xbox 360 auf dem Smartphone

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Bei "Halo Waypoint" handelt es sich nicht um ein klassisches Spiel, sondern mehr um eine Plattform.

Vorfreude herrscht vor allem auf Seiten der Spielergemeinde: Dort entfachte Anfang des Jahres Microsofts Ankündigung, die erfolgreiche Spielkonsole Xbox 360 in Form eines Xbox-Live-Plug-ins in das neue Handybetriebssystem zu integrieren, große Vorfreude. Die Gründe dafür liegen auf der Hand, denn mit Xbox Live auf Windows Phone 7 lassen sich Spiele auf das Smartphone laden und dieses so zur mobilen Spielkonsole machen. An sich ist das nichts Neues, schließlich sind mit Apples App Store und Googles Android Market auch entsprechende Pendants bei der Konkurrenz zu finden.

Doch gerade wenn es ums Zocken geht, kann Microsoft - im Gegensatz zu beiden Konkurrenten - einige bewährte Funktionen aus seiner erfolgreichen Spielkonsole Xbox 360 zaubern und gleichzeitig auf einer langjährigen Videospielerfahrung aufbauen. So hat man auf der Gamescom 2010 in Köln bereits erste Einblicke offenbart und eine Spieleliste mit den dazugehörigen Entwicklerstudios geistert auch schon durchs Netz. Also Vorhang auf - das Spiel beginnt.

Xbox Live - Mekka für Multiplayer

Zunächst gilt es die Frage zu klären: Was ist Xbox Live überhaupt? Xbox Live ist der Onlineservice der Microsoft Spielkonsole Xbox 360. Über den eigenen Zugang kann man Filme ausleihen oder kaufen, Spiele online erwerben und mit Zusatzinhalten bereichern oder mit Mitstreitern auf der ganzen Welt im Mehrspielermodus online spielen.

Via Headset wird während des Spiels bequem mit den anderen Mitstreitern kommuniziert oder die Konsole mit der integrierten Videochat-Funktion auch als Telefon genutzt. Via Facebook und Twitter kann man seine Spieleerfolge der ganzen Welt mitteilen, beziehungsweise zuzwitschern. Je nach Umfang ist der Xbox-Live-Service auf der Xbox 360 kostenlos oder kostenpflichtig. Die kostenlose Silber-Mitgliedschaft ist sozusagen die Light Variante und hält die Basisfunktionen wie etwa HD-Filme streamen, Spieledemos und Erweiterungen wie Zusatzlevels oder neue Spielinhalte und kleine Arcadespielchen bereit.

Wer das volle Online Spielevergnügen will, greift zur kostenpflichtigen Gold-Mitgliedschaft. Hier kann man sich mit Multiplayer-Funktion, Facebook- und Twitter-Anbindung so richtig austoben. Gezahlt wird bequem per Kreditkarte. Man muss nicht einmal das Sofa verlassen. Die Gold-Mitgliedschaft kostet 6,99 Euro im Monat - jährlich veranschlagt Microsoft 60 Euro für das Online Spielvergnügen. Und eben diese Xbox-Live-Funktionalität wandert nun zusammen mit Windows Phone 7 von der Konsole auf das Smartphone - mit entsprechenden Spielen im Gepäck. Doch Moment mal: 60 Euro pro Jahr? Xbox 360?

Muss ich mir jetzt etwa eine Spielkonsole inklusive teurem Premium-Livedienst zulegen, obwohl ich beides gar nicht brauche? Die Antwort lautet nein, denn auch Microsoft ist sich der Tatsache bewusst, dass längst nicht jeder Smartphone-Nutzer ein passionierter Zocker ist. Deshalb ist der Service auf dem Handy kostenlos. Lediglich für die Spiele muss man ein paar Euro zusätzlich berappen. Eine Kostenfalle lauert hier also nicht, sofern die Sammlung nicht allzu große Umfänge annimmt. Die von Microsoft veranschlagten Gebühren von 60 Euro für die Xbox-Live-Gold-Mitgliedschaft kommt ohnehin nur für die Spielergemeinde der Xbox 360 in Frage und diese verfügt in weiten Teilen bereits über einen solchen Account. Und der lässt sich auf Windows Phone 7 einfach weiter verwenden. Schließlich soll es mobile Ableger bekannter Spieletitel geben, mit denen Levelfortschritte und erstandene Trophäen auf dem Smartphone auch auf die Konsolenversion des Spiels übertragen werden. In gewisser Weise ist das Xbox-Live-Plug-in auf Windows Phone 7 also eine Ode an die Spielfreude.

Rechenpower und Erfahrung

Tatsächlich scheint die Kombination aus Xbox Live und Windows Phone 7 ein Hoffnungsschimmer auf dem langen Weg zum Smartphone als portable Spielkonsole zu sein. Denn abgesehen von einigen netten Puzzlespielchen und mehr oder weniger gelungenen Experimenten, die den integrierten Bewegungssensor einiger Smartphone-Modelle nutzen, gab es bislang noch keine bahnbrechenden Spieleentwicklungen auf einem Smartphone zu vermelden. Schon nach wenigen Minuten ist oft die Luft raus und erste Gähnreflexe stellen sich ein. Langzeitmotivation? Fehlanzeige. An der Hardware liegt's nicht, so viel steht fest, denn moderne Smartphones bringen scheinbar alle Voraussetzungen für mobilen Spielspaß mit: Schneller Prozessor, ausreichend Arbeitsspeicher und eine Internetverbindung. Im Vergleich dazu sind mobile Spielkonsolen wie das Nintendo DS und Sonys Playstation Portable, die immerhin 333 Megahertz und 64 Megabyte Arbeitsspeicher vorzuweisen hat, alte Dinosaurier.

Zum Vergleich: Unser Testhandy HTC 7 Mozart hat einen 1-Gigahertz-Prozessor und 576 Megabyte Arbeitsspeicher in petto. Zieht man die benötigte Rechenleistung für das Betriebssystem selbst ab, müsste immer noch genügend Leistung - auch für aufwendigere Spieleumsetzungen - übrig bleiben. Dennoch bieten die vermeintlich unterlegenen mobilen Konsolen das intensivere Spieleerlebnis unterwegs oder auf der Couch. Und das, obwohl das Spieleangebot in den App-Ozeanen  riesig ist. Kein Wunder, denn die Betriebssysteme Android und iOS, ebenso wie das neue Windows Phone 7 sind "offene Betriebssysteme". Theoretisch kann also jeder seine eigene App programmieren und vertreiben. Auf diese Weise nährt und erfindet sich dieses System zwar ständig neu, hat aber auch den Nebeneffekt, dass die App-Stores vornehmlich von kleineren Spieleschmieden belagert werden.

Das Ergebnis lautet oftmals - neben einigen wirklich gelungenen Umsetzungen: Masse statt Klasse. Bis dato mangelt es an großen, erfahrenen Spieleherstellern, die mit entsprechendem Ehrgeiz, Kompetenz und Geld konsequente Spielideen für das Smartphone umsetzen. Aber auch diese drei Zutaten machen noch lange kein gutes Spiel aus. Vor allem die Steuerung muss an die anders geartete Hardware des Smartphones angepasst werden, und auch das Konzept des Spiels muss dem Smartphone entgegenkommen.

Denn meistens sind Touchscreen und Beschleunigungssensor die einzigen Steuerungsmöglichkeiten. Ein Nachteil, der sich vor allem bei Rennspielen und Shootern bemerkbar macht. Ideenreichtum ist also gefragt - aber oftmals nicht vorhanden: So haben sich auch größere Entwicklerstudios die Finger mit halbherzigen Spieleumsetzungen für Smartphones verbrannt, während kleinere Entwickler mit ihrer One-Man-Show auf Platz eins der Downloadcharts landen.

Spiele spielen, Erfolge feiern

Genau an dieser Stelle will man bei Windows Phone 7 und Xbox Live mit Erfahrung punkten. Diesen Eindruck vermittelt zumindest der Blick in die bislang veröffentlichte Titelliste: Hier tummeln sich sowohl kleinere Umsetzungen - sogenannte Mini- oder Casualgames -  als auch größere Titel. In der Liste der Entwicklerstudios finden sich bekannte Namen wie Konami oder auch die hauseigene Spieleschmiede Microsoft Game Studios.

Spiele der Xbox 360 auf dem Smartphone

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Neue Spiele, der eigene Avatar und Erfolge lassen sich auf einen Blick ablesen.

Die von uns gespielten Titel geben bereits einen Vorgeschmack auf das, was noch kommen könnte: Vor allem "Riot Gun" macht mit seiner auf den Touchscreen ausgelegten Steuerung und der hübschen 3-D Grafik im C64-Look richtig Laune. Per Raketenantrieb fliegt und ballert man sich durch die knallbunten Levels. Der linke Finger gibt die Flugrichtung vor - ein Wisch mit dem rechten Finger in Richtung Gegner feuert die Raketen ab. Selbst bei hoher Gegnerzahl, zersplitternden Levelkulissen sowie sehr schneller Fortbewegung kam bei unserem HTC Mozart der Bildfluss nicht zum Erlahmen.

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The Harvest
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The Harvest sieht nicht nur richtig gut aus, sondern macht auch jede Menge Spaß: Mit drei unterschiedlichen Charakteren kämpft man sich durch die…

Ebenso eindrucksvoll auch "Harvest" mit seiner absolut schmucken 3-D-Grafik. Besonders, wenn die Kulissen durch Explosionen zerstört werden und die Mauerreste von Brücken in Schluchten stürzen, sieht das richtig klasse aus. So kämpft man sich hochmotiviert durch hübsch designte Levels und zerstört die teilweise echt fiesen Gegner per Fingertip. Lediglich der Touchscreen und das Handy wurden bei längerer Spielzeit etwas warm. Nervig: Die kapazitive "Windows" Taste des HTC Mozart reagiert bereits auf leichtere Fingerberührungen. So kann es ganz schnell passieren, dass man während des Spiels kurz vor Erreichen des nächsten Levels rausfliegt und wieder von Neuem beginnen muss. Hier empfiehlt sich ein Handy mit Drucktasten, wie beispielsweise das LG Optimus 7.

Alleine spielen war gestern

Das Besondere an Xbox Live sind aber nicht nur die Spiele selbst, sondern deren vereinzelte Multiplayer-Funktionalität. Das heißt, man soll zukünftig gegen andere Spieler oder Freunde antreten und sich mit menschlichen Gegnern messen können. Dabei soll es zwei Spielvarianten geben: Echtzeitspiele und rundenbasierte Spiele. Bei Ersteren treten mehrere Spieler gleichzeitig gegeneinander an. Bei den rundenbasierten kommen die Spieler mit zeitlicher Versetzung zum Zug. Auch hier dürfte sich Microsofts Erfahrung bezahlt machen: Spielend einfach lassen sich auf der Xbox 360 Freunde aus der Freundesliste zu einem Spiel einladen, im Gegenzug kann man sich selbst an einem anderen Spiel beteiligen.

Hierzu muss man einfach eine Einladung versenden oder Einladungen zu einem Spiel annehmen, und schon kann's losgehen. Der Vorteil: Selbst wenn ein Spiel im Einzelspielermodus seinen Reiz allmählich verliert, blüht der Spielspaß im Multiplayermodus noch einmal so richtig auf. Zumal sich der Schwierigkeitsgrad in der Regel bei menschlichen Gegnern beträchtlich erhöht. Dank der Mehrspielerfunktion könnte das Smartphone mit Windows Phone 7 zur vollständigen mobilen Erweiterung der Xbox 360 werden. Und eben dies sucht man bei Apple und Co bislang vergeblich.

Von Avataren und Communities

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Auf Xbox Live kann jeder Spieler ein virtuelles Abbild, einen sogenannten Avatar von sich schaffen.

Wer sich einen Account bei Xbox Live angelegt hat, benötigt zunächst einen möglichst pfiffigen Charakter, einen sogenannten Avatar. Alles kein Problem, denn mit dem Avatar-Editor kann man sich sein virtuelles Pendant basteln. Der eigenen Fantasie sind dabei (fast) keine Grenzen gesetzt: Schuhe, Hüte, Mützen, Frisuren, Bartwuchs. Alles lässt sich hier tunen - und bei Nichtgefallen jederzeit wieder ändern. Hinzu kommt, dass man in manchen Spielen zusätzliche Gadgets für seinen Avatar freischalten kann.

In "Halo Waypoint", einer Smartphone Erweiterung der Kultspielserie "Halo", kann man seinen Avatar mit Masken und Zubehör der Spielecharaktere ausstatten. Sicher, für den ein oder anderen mag dieser Fan-Kult etwas befremdlich wirken, dennoch kann das richtig viel Spaß machen und liefert - neben den eigentlichen Spielen - einen gewissen Mehrwert. Toll ist, dass die beiden Welten von Xbox 360 und Xbox Live auf Windows Phone 7 kein separiertes Eigenleben führen, sondern miteinander verknüpft sind.

Freunde aus meiner Xbox-360-Welt existieren auch in meinem kleinen Xbox-Kosmos auf dem Smartphone: Ich kann sie zu meinem Spiel einladen und mich online mit ihnen messen. Microsoft geht mit der Integration seiner Spielkonsole auf Windows Phone 7 einen konsequenten und wichtigen Schritt. 

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