Strahlung bei DECTs
Strahlungsarme DECTs werden immer häufiger nachgefragt. Doch die Industrie stiftet Verwirrung.
Ein Grundproblem bei DECT ist die Tatsache, dass die Basisstation auch dann elektromagnetische Wellen aussendet, wenn Sie gar nicht telefonieren. Zwar beträgt die Leistung nur rund ein Viertel des Wertes, der bei einem Gespräch anfällt, dafür findet dieses Standby-Senden 24 Stunden am Tag statt. Aber wie stark sendet ein Schnurlostelefon? Die mittlere Sendeleistung liegt bei 10 Milliwatt (mW), die Spitzenleistung bei 250 mW. Das kommt daher, dass DECT-Geräte - wie Handy auch - in Zeitschlitzen senden: Es werden immer nur kurze Sprachfetzen digitalisiert, komprimiert, gesammelt und dann auf einmal übertragen. Das bedeutet, dass das Gerät kurze Signale (Bursts) mit 250 mW sendet. Ein Burst dauert 0,368 Millisekunden. Dann kommt eine Pause von 10 Millisekunden, in der andere Geräte in der Umgebung senden dürfen, bis wieder das ursprüngliche Gerät an der Reihe ist. So kommt die mittlere Leistung von 10 mW zu Stande. Und genau daran reiben sich die Kritiker, die argumentieren, dass gerade die gepulste Strahlung die gefährliche sein soll. Allerdings ist weder dies noch das Gegenteil bislang wissenschaftlich hinreichend nachgewiesen. Auch liegen DECT-Geräte selbst bei den Spitzenwerten von 250 mW noch weit unter den Grenzwerten - hier verhält es sich so, wie wenn eine Brücke für 95 Tonnen zugelassen ist, aber mit nur 60 Kilogramm belastet wird. Zum Vergleich: Ein Handy sendet mit bis zu 2 Watt. Trotzdem, die DECT-Hersteller reagieren auf die zunehmende Sensibilisierung der Kunden und bauen immer öfter Strahlungsreduktionsmechanismen ein:
Eco-Mode: temporär
Leider haben sich die Hersteller bislang weder auf einheitliche Standards noch auf Bezeichnungen festgelegt. Der ursprüngliche Eco-Mode senkt die Sendeleistung der Basisstation auf nahezu Null, wenn das Mobilteil zum Laden in der Basis steckt. Der Haken: Das funktioniert nur dann, wenn nur ein Mobilteil in die Basis eingebucht ist. Sobald Sie ein weiteres Handset kaufen und dieses in die Basis einbuchen, wird der Eco-Mode deaktiviert. Problem der Hersteller: Kombipacks, bei denen mehrere Mobilteile im Set enthalten sind, können sie mit dieser Art von Eco-Mode nicht guten Gewissens anbieten. Auch ist es nicht möglich, Ladeschale und Basis als getrennte Teile zu fertigen - denn die Basis kann dann ja gar nicht wissen, dass sich das DECT in der Ladeschale befindet. Das soll sich allerdings in den nächsten Gerätegenerationen ändern, indem das Mobilteil der Basis ein kurzes Ladesignal schickt. Wichtig: Wenn Sie ein Gerät mit Eco-Mode kaufen, werfen Sie einen Blick in die Bedienungsanleitung, denn bei einigen Geräten muss der Kunde den Strahlenschutz einmalig übers Menü einschalten.
Eco-Mode: permanent
Einige Modelle werben auch mit einem permanenten Eco-Mode. Damit ist die ständige Absenkung der Sendeleistung der Basis gemeint. Per Menüeinstellung kann man den Geräten beibringen, je nach Hersteller nur noch mit 60 bis 80 Prozent der sonst üblichen Leistung zu senden. Der Vorteil: Das funktioniert immer, auch wenn mehrere Mobilteile an der Basis angemeldet sind, oder wenn Ladeschale und Basis zwei getrennte Einheiten sind. Sogar wenn Mobilteil und Ladeschale von unterschiedlichen Herstellern stammen, funktioniert die Absenkung der Sendeleistung. Eines ist natürlich klar: Je schwächer der Sender, desto geringer die Reichweite. Mehrere Etagen lassen sich so meist nicht mehr überbrücken. Dies ist auch der Grund, warum die Hersteller das System bei Auslieferung deaktiviert haben und der Kunde die Strahlungsreduktion manuell einschalten muss. Umgekehrt lässt sich die Reduktion bei Bedarf aber auch jederzeit deaktivieren, womit die ursprüngliche Reichweise wieder hergestellt ist. Diese Absenkung und der Eco-Mode können gleichzeitig in einem Gerät verbaut sein und funktionieren.
Eco-Mode: Mobilteil
Einige Hersteller reduzieren auch die Sendeleistung des Mobilteils, und das in Abhängigkeit von der Ent-fernung zur Basis. Wenn Sie Ihr Gespräch im näheren Umfeld der Basis führen - gemeint sind rund fünf Meter - senkt das Mobilteil die Sende-leistung. Das hat mehrere Effekte: Zum einen wird die Strahlungsbelastung gesenkt, andererseits verbraucht das Mobilteil weniger Strom und man kann mit einer Akkuladung länger telefonieren. Auch diese Form der Strahlungsreduktion kann mit den anderen vorgestellten Methoden vom Hersteller kombiniert werden. So gibt es also derzeit Geräte auf dem Markt, die keine, eine, zwei oder alle Ausprägungen von Strahlungsreduktionsmechanismen unterstützen. Das Wirrwar dürfte sich aber mit der Zeit lichten, die meisten Chiplieferanten stellen derzeit ihre Produktion um und so ist es nur eine Frage der Zeit, bis Eco-Mode in allen Ausprägungen ein Standardfeature bei Schnurlostelefonen ist. connect informiert Sie künftig natürlich: So lesen Sie bei jedem DECT-Test, welches Gerät welchen Eco-Mode beherrscht. Auch informiert Sie die Bestenliste, welche Geräte strahlungsreduziert sind.
Full Eco Mode
Zur CeBIT 2008 kommen die ersten Geräte mit Full Eco Mode. Hier wird der Funkteil der Basis immer deaktiviert wenn kein Gespräch geführt wird. Also unabhängig ob das Mobilteil in der Ladeschale und unabhängig von der Anzahl der eingebuchten Mobilteile. Wenn telefoniert wird, regeln Mobilteil und Basis ihre Sendeleistung entfernungsabhängig.