Ratgeber

Strahlung - echte Angst vor falschen Tatsachen?

Ist Handystrahlung im Auto ein massives Gesundheitsrisiko? Ist Bluetooth-Funk im Auto gefährlich? Leider bestimmen Halbwahrheiten und irrationale Ängste die Diskussion um Strahlung. Was wirklich wahr, was nur Wahnsinn ist und was Sie dazu wissen müssen, lesen Sie hier.

Der Streit um Handy-Strahlung wird in Deutschland mit geradezu religiösem Eifer geführt. Eine sachliche Debatte ist hier kaum noch möglich, aber die tut Not. Denn es schwirrt mehr Halbwissen als Wahrheit durch die strahlungsgeschwängerte Luft. Auch beim Einsatz des Handys im Auto ist die Verunsicherung deshalb groß.

Strahlungsquellen im Auto: Handy und Bluetooth

Im Auto spielen zwei Strahlungsquellen eine wesentliche Rolle: Das Handy an sich und der Bluetooth-Funk. Zu Strahlung allgemein zunächst einmal ein paar Fakten und Hintergründe: Schwache Strahlung bringt Molekühle in Schwingung und erwärmt Gewebe. So wärmt die Strahlung eines Handytelefonats das am Ohr befindliche Gewebe etwa um ein Zehntel Grad an. Den Grad der Erwärmung bestimmt primär die Leistung, welche die Strahlung ins Gewebe einbringt. Der "Heiße-Ohren-Effekt" hat mit dieser Strahlung jedoch nichts zu tun. Für den ist hauptsächlich der Akku verantwortlich, der unter Last warm wird. Er erwärmt beim Telefonieren das Handy um einige Grad - und das Ohr gleich mit. Ein zweiter Faktor ist die Frequenz der Strahlung. Je niedriger die ist, desto leichter kann die Strahlung ins Gewebe wie Haut, Knochen und Gehirn eindringen.

Wie stark strahlt das Handy?

In Sachen Mobilfunk sind folgende Werte die Grundlage: Eine Mobilfunk-Antenne auf einem Hausdach strahlt mit maximal 60 Watt. Ein Handy mit allerhöchstens zwei Watt und ein Bluetooth-Klasse-3-Gerät wie eine Freisprecheinrichtungen mit einem Tausendstel Watt. Die scheinbar intensive Mobilfunk-Antenne strahlt jedoch in aller Regel deutlich schwächer ins eigene Gewebe als ein am Ohr geführtes Handytelefonat. Der Grund: Die Strahlung nimmt näherungsweise mit dem Quadrat zum Abstand von der Strahlungsquelle ab. Bei doppeltem Abstand zum Sender kommt also nur noch ein Viertel der ursprünglichen Strahlungsintensität an. Folglich ist auch ein auf dem Beifahrersitz liegendes Handy, das via Handfree-Profile mit einem Freisprecher gekoppelt ist, ganz sicher nicht "gefährlicher" als ein Telefonat mit dem Handy am Ohr. Und wie erwähnt dringen die relativ hohen Handynetz-Frequenzen von 900 bis 1800 MHz schlechter in Materie ein als die viel langwelligeren 88 bis 108 MHz der UKW-Sender; die seit Jahrzehnten mit vielen tausend Watt in die Welt geballert werden. Der Radiosender SWR3 in Stuttgart beispielsweise, verlässt die Antenne des stadtnahen Fernsehturms mit 100.000 Watt Sendeleistung, die sich dann aber wie beschrieben mit dem Quadrat zum Abstand verteilt. Das nur als ein Beispiel für die Unsachlichkeit und Betriebsblindheit der aktuellen Strahlungsdebatte.

Strahlungsquellen noch und nöcher

So ist die fast ausschließlich auf Handys fokussierte Strahlungsangst irrational. Starke Strahlungsquellen sind nämlich auch Hochspannungsleitungen, Rundfunksender, Waschmaschinen, Föns, ja sogar 220-Volt-Stromleitungen in Wänden strahlen tagtäglich und seit vielen Jahren unbehelligt vor sich hin. Das Handynetz ist hier nur ein kleiner Baustein im Gebäude der uns umgebenden Strahlung. Auch die Erde und der Kosmos an sich strahlen permanent schwach radioaktiv, was im Gegensatz zu den oben erwähnten Strahlungsquellen sogar eine ionisierende Strahlung ist. Auch Teile der UV-Strahlung der Sonne sind ionisierend. Eine Studie des Landesamtes für Umweltschutz Baden-Württemberg zeigt zudem, dass die Gefährdung durch Mobilfunkantennen maßlos überschätzt wird: Das Landesamt konnte an keinem der 895 Messpunkte einer breit angelegte Untersuchung eine Gesamtbelastung von mehr als zehn Prozent der gültigen Grenzwerte feststellen. Bei 60 Prozent der Messpunkte lag die Belastung bei weniger als einem Hundertstel der Grenzwerte. Eine neue Studie der britischen Universität Essex weist jetzt nach, dass Mobilfunk tatsächlich körperliche Symptome verursacht - aber nur, wenn man den nach eigener Aussage strahlungssensiblen Probanden sagt, sie seien Strahlung ausgesetzt. Die "Folgen" wie Übelkeit, Kopfschmerzen oder grippeähnliche Symptome treten auch dann auf, wenn keine Strahlung vorliegt, den Betroffen aber gesagt wurde, sie seien ihr ausgesetzt.

Die unbegründete Angst vor Bluetooth

Der letzte Schrei bei den Strahlungsgegnern ist das Thema Bluetooth. Die These hier: Wenn schon das Handy beispielsweise bei SIM-Access nicht ins GSM-Netz funkt, aber der Blaufunk zum Freisprecher "strahlt", dann könnte doch Bluetooth wiederum gefährlich sein. Dazu zunächst wieder mal die Fakten: Bluetooth-Geräte senden im lizenzfreien ISM-Band um 2,4 GHz. Bluetooth-Klasse-3-Geräte wie Handys und Freisprecher senden mit einem Milliwatt (0,001 Watt) und einer daraus resultierenden Reichweite von maximal zehn Metern. Wie erwähnt, dringen hohe Frequenzen schwerer in Gewebe ein - und Bluetooth ist mit rund 2,4 GHz gegenüber beispielsweise UKW hochfrequent. Ein Milliwatt entspricht wiederum in etwa eintausendstel der maximalen Strahlungsintensität eines Handys. Damit ist sicher: Vor einer Gefährdung durch Bluetooth, ist die Angst vor anderen Strahlungsquellen wie Rundfunksendern, Handys, der Erde, der Sonne, des Weltalls und so weiter zumindest stichhaltiger. Und ganz sicher ist: ein Handy an Ohr sorgt für eine höhere Strahlungsbelastung als ein Bluetooth-Headset oder der Betrieb einer Bluetooth-Freisprecheinrichtung im Auto, so lange das Handy nicht direkt am Körper getragen wird.

Ob Strahlung an sich nun ungefährlich ist und ob die Frequenz selbiger auch unabhängig von der Intensität ein Gefährdungsfaktor ist, versuchen unzählige Studien mal zu beweisen, mal zu widerlegen. Mit dem unbefriedigenden Ergebnis "Nichts genaues weiß man nicht". Aber es gibt eine klare Tendenz der Studienergebnisse in Richtung falscher Alarm. Die Studien, die angeblich eine schädigende Wirkung nachweisen, leiden in aller Regel unter methodischen Fehlern oder fußen auf Scheinkorrelationen. Wenn Handy-Strahlung so viel gefährlicher ist als alle anderen Strahlungsquellen, dann müsste in den letzten 15 Jahren, seit Einführung des Mobilfunks, die Hirntumorrate drastisch gestiegen sein. Aber davon ist nichts bekannt. Auch die räumliche Verteilung von Hirntumoren hin zu dem "Handyohr" konnte nicht nachgewiesen werden.

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