Mobilfunk

Der Netztest 2007

So schlägt sich T-Mobile

Die Bonner überzeugen in Sachen Sprachverbindungen vor allem bei den Drivetests in Innenstädten und auf dem flachen Land. Wenn es um Datenübertragungen geht, muss sich T-Mobile trotz bald flächendeckendem EDGE-Netz aber der Vodafone-UMTS-Übermacht geschlagen geben.

Sprachtelefonie

Was ist mit T-Mobile passiert? Während der Marktführer in Deutschland beim letztjährigen Netztest das Rennen noch für sich entscheiden konnte, landen die Bonner nun mit 12 Punkten Rückstand auf Testsieger Vodafone auf Platz zwei. Wenn man, wie beim Test im letzten Jahr, nur die Sprachtelefonie übers GSM-Netz betrachtet, sind die Unterschiede zwischen beiden Netzbetreibern vernachlässigbar, den ersten Platz haben die Bonner bei den Datendiensten verloren.

Aber der Reihe nach: Bei den Sprachmessungen während der Fahrten innerhalb der Städte präsentiert sich T-Mobile in Bestform: Von 1299 versuchten Anrufen zu den Testrechnern in Aachen brachen lediglich 0,2 Prozent der Anrufe ab - hier war T-Mobile sogar noch einen Hauch besser als Vodafone mit einer Abbruchrate von 0,5 Prozent; aber auch die ehemaligen E-Netze erledigten im Freien in den Städten den Telefonjob exzellent. Bei den Überlandfahrten spielt T-Mobile ebenfalls ganz vorne mit: Von 1230 Testanrufen brach nicht einmal ein Prozent ab -und das, obwohl die Fahrten zur Hälfte auf Landstraßen stattfanden. Trotzdem war hier Vodafone noch einen Tick besser.

Mess-Equipment

© Archiv

Nicht nur ein Mobilfunknetz muss gewartet werden, auch das Messequipment braucht ab und zu einen Check.

Der Härtetest für jedes Mobilfunknetz ist aber der Bahntest. Denn die Scheiben der modernen Züge sind mit Metall bedampft, durch das die Funkwellen kaum ins Wageninnere kommen. Zwar wurden die Messungen in den ICE-Waggons mit Handysymbol an der Scheibe durchgeführt, wo ein Verstärker die Handysignale von außen in den Wagen leitet und umgekehrt. Allerdings versagen diese Repeater ab und zu den Dienst und werden - zum großen Ärgernis der Netzbetreiber - erst bei einem Standardwartungs-intervall des ICE-Waggons repariert. Dies könnte mit ein Grund sein, warum beim Bahntest kein Netzbetreiber wirklich überzeugen konnte: So brachen bei T-Mobile 38,8 Prozent der Handyanrufe in der Bahn entweder beim Rufaufbau oder während des Gesprächs zusammen.

Datendienste

Seit Datendienste über die Luft schnell und erschwinglich sind, nutzen die Kunden vermehrt auch den mobilen Internet-Zugang. Umso erstaunlicher, dass T-Mobile bei den Datenmessungen doch relativ deutlich Vodafone den Vortritt lässt. Beim Blick auf die Scannerkarte unten links fällt auf, dass T-Mobile bei den Überlanddrivetests deutlich weniger UMTS-Sender in der Luft hat als Vodafone. So liegen die Roten bei den durchschnittlichen Datenraten immer deutlich vor T-Mobile.

Weiterer Grund: Der HSDPA-Verkehr muss von der Station abführt werden. Hierzu muss T-Mobile weitere kostspielige Mietleitungen schalten - oder auf die kostengünstige Lösung mit einem billigen DSL-Anschluss an der Basisstation setzen, der die Daten Richtung Kernnetz abführt. Bis diese Maßnahmen greifen, kann T-Mobile derzeit die Spitzendatenraten noch nicht so gut handeln.

So können die Bonner an Vodafone nur bei den Datenmessungen in der Bahn vorbeiziehen. Dort konnten in gut 57 Prozent der Fälle die Testdownloads erfolgreich beendet werden; bei Vodafone gingen nur gut 44 Prozent der Downloads glatt über die Bühne. Die guten Werte bei T-Mobile sind vermutlich an der höheren EDGE-Versorgung in der Fläche begründet. Da die ICE-Repeater EDGE im Gegensatz zu UMTS durchleiten, waren die Downloads bei T-Mobile schneller beendet und damit nicht so anfällig für Netzabbrüche. Trotzdem: T-Mobile landet mit 389 Punkten auf dem guten zweiten Rang und ist hinter Vodafone einer der beiden Top-Netzbetreiber in Deutschland.

connect-Urteil: gut (389 Punkte)

Kommentar: Nach der Modernisierung des GSM-Netzes sollte T-Mobile den Fokus auf das UMTS-Netz legen. Hier gilt es, das Sendernetz mit weiteren Stationen zu verdichten und so größere Flächen zu versorgen. Auch muss T-Mobile die Anbindung der Basisstationen an das Kernnetz überdenken: Während die Konkurrenz auf Richtfunk setzt und so die enormen Datenmengen bei HSDPA auch abtransportieren kann, ist T-Mobile historisch auf die teuren E1-Mietleitungen mit 2 Mbit/s des T-Konzerns angewiesen. Für HSDPA 3,6 muss T-Mobile also eine zweite Leitung mieten, was vermutlich noch nicht in jedem Standort der Fall ist - oder mit billig angemieteten DSL-Anschlüssen die Kapazität erweitern. Ist das passiert, spielt T-Mobile wieder ganz vorn mit.

T-Mobile

© Archiv

Die UMTS-Versorgung von T-Mobile ist zwar ordentlich, reicht aber bei weitem nicht an Vodafone heran. Die Messungen bestätigen die Scanneraufzeichungen: Rund 74 Prozent aller Datenverbindungen wurden während des Drivetests über UMTS abgewickelt, bei Vodafone waren es fast 94 Prozent.

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