Ratgeber: Netzabdeckung

Netztest in Deutschland

Marktführer T-Mobile modernisiert derzeit die Hälfte seines GSM-Netzes und setzt gleichzeitig auf den Datenbeschleuniger EDGE. Nicht zuletzt deswegen lieferten die Bonner im connect-Netztest 2006 eine Glanzleistung ab.  

Bei den UMTS-Netztests der vergangenen beiden Jahre lag T-Mobile hinter Vodafone - da kommt natürlich Spannung auf, wie sich das GSM-Netz der Bonner im Jahre 2006 qualitativ präsentiert. Und um es vorwegzunehmen: in Bestform. Nachdem die Bonner einige Jahre unter dem Namen "Save for growth" einen rigiden Sparkurs gefahren haben, der auch vor Netzausbau und -pflege nicht Halt gemacht hat, nimmt der rosa Mobilfunkriese jetzt wieder Geld in die Hand. So tauscht T-Mobile derzeit rund die Hälfte seiner über 20 000 Basisstationen aus. Grund: Lucent, bisher der größte Systemlieferant, hat sich aus dem Mobilfunkgeschäft in Deutschland verabschiedet - was die Ersatzteilbeschaffung und Firmware- Erweiterung nicht gerade einfacher machen würde. Außerdem sind viele Anlagen bereits am Ende ihrer Lebensdauer angelangt. Die neuen Basisstationen stammen von Ericsson und bieten neben einer respektablen Energieeinsparung von rund 30 Prozent noch einen interessanten Zusatznutzen: Im Zuge der Netzmodernisierung aktiviert TMobile bei den neuen Stationen gleich den Datenturbo EDGE, der auch in Gebieten, die nicht UMTSversorgt sind, Datenraten von bis zu 200 KBit/s ermöglicht. Gerade für Businesskunden und Bahnreisende ist dies interessant, denn im Vergleich zu den theoretischen 53 KBit/s beim bisherigen Datenstandard GPRS ist EDGE schon ein Quantensprung. Nur nutzt ein neues Netz allein natürlich wenig, es muss auch funktionieren - und hier kann T-Mobile punkten.

Stabile Anrufe im Drivetest

Bei der Netzstabilität zeigen die Bonner der Konkurrenz, wo der Hammer hängt: Gut 92 Prozent erfolgreich abgewickelte Testanrufe sind ein Spitzenwert - zumal connect nicht nur in gut ausgebauten Großstädten gemessen hat, sondern auch auf dem platten Land. Wenn Anrufe doch mal nicht erfolgreich waren, lag das in gut fünf Prozent der Fälle an einem Abbruch während des Gesprächs, was bei Fahrtests schon mal vorkommen kann. Nur 1,3 Prozent wurden bereits bei der Anwahl blockiert. Auch Gespräche mit einer über einen längeren Zeitraum inakzeptablen Sprachqualität gab's kaum zu beklagen: Nur zwei Calls von 1102 Anrufversuchen fielen hier durch. Die durchschnittliche Sprachqualität mit einem PESQ-Wert von 4,0 bei maximal 4,5 Punkten ist ebenfalls ein Spitzenergebnis, mit dem nur Vodafone gleichziehen konnte. Bei der Rufaufbauzeit wird T-Mobile nur von E-Plus unterboten - das mit 1,3 Sekunden aber deutlich. Da fragt man sich, warum die anderen Netzbetreiber inklusive T-Mobile keine vergleichbaren Zeiten bieten können. Etwas Federn lassen müssen die Bonner auch bei der Stabilität der E-Mail-Datenverbindungen: Schafften sie rund 84,7 Prozent der Mailverbindungen problemlos, hat Vodafone mit gut 87 Prozent die Nase vorn. Dafür kommen die Daten bei T-Mobile deutlich schneller an: Gut 27 KBit/s ist ein Top-Wert und wird nur von O2 überboten, die in weiten Teilen der Teststrecke das T-Mobile-Netz nutzen. Und mit fortschreitendem EDGE-Ausbau werden die Download-Raten noch einmal signifikant steigen.

Das beste Netz für Bahntelefonierer

Ähnliche Spitzenwerte ermittelten die Messcomputer auch bei den Testfahrten in den ICEs der Deutschen Bahn. Knapp 90 Prozent der Anrufe gingen hier in tadelloser Qualität über die Bühne - einen Platz in einem mit einem Mobilnetzverstärker, einem so genannten Repeater, ausgerüsteten Waggon vorausgesetzt. Lediglich drei Anrufe waren qualitativ so schlecht, dass sie als inakzeptabel eingestuft wurden. Wer viel Zeit im Zug verbringt und erreichbar bleiben will, kommt an T-Mobile also nicht vorbei. Das sieht bei der Stabilität der Online-Verbindungen anders aus. Auf der Schiene kommt T-Mobile nur auf rund 55,6 Prozent erfolgreicher Mailsessions - da liefert Vodafone mit fast 70 Prozent stabilere Werte. Dies scheint aber eher eine Frage des Feintunings zu sein, als ein generelles Problem mit der Abdeckung. Den Fauxpas macht T-Mobile mit höheren Datenraten wett: Die Bonner schickten die Bits mit im Schnitt 30,9 KBit/s über den Äther - dank EDGE lag der Spitzenwert sogar bei rund 80 KBit/s im fahrenden Zug.  

Pro und Contra:

- Datenrate: Zwar liegt die durchschnittliche Datenrate im T-Mobile- GSM-Netz mit rund 29 KBit/s nicht dramatisch höher als bei den Wettbewerbern, trotzdem waren schon EDGE-Zellen am Ergebnis beteiligt. Außerdem fand der Test zu einem Zeitpunkt statt, wo erst wenige EDGE-Stationen im Netz waren. Und so wird sich die T-Mobile-Datenrate in kurzer Zeit noch weiter steigern.

- Anrufstabilität: Das größte Pfund der Bonner ist die Stabilität der Anrufe beim Drivetest und in der Bahn - denn nichts ist ärgerlicher als ein abgebrochener Anruf.

- Datenstabilität: Hier zeigt Konkurrent Vodafone, wie es besser geht. Bessern die Bonner in der Disziplin noch etwas nach, gibt's an der Gesamtleistung des Netzes derzeit nichts zu kritisieren.  

Fazit:

Wenn Mobiltelefonieren wie Essen und Schlafen zu Ihrem Alltag gehört und Sie auch beruflich auf ständige Erreichbarkeit und Netzverfügbarkeit angewiesen sind, sollten Sie Ihren Vertrag bei T-Mobile unterschreiben. Die Bonner zeigen der Branche zumindest beim Telefonieren im GSM-Netz, was möglich ist: Sowohl in Städten als auch auf dem Land und sogar in Grenzsituationen wie in der Bahn vermittelt das T-Mobile-Netz Anrufe am stabilsten und liefert dank EDGE bereits jetzt die höchsten Datenraten im GSM-Netz. 

connect-Urteil: gut (399 Punkte)

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