Firmenporträt

T-Mobile-Chef Humm: "Breitband für alle"

connect: Mobiles Internet und Datenumsatz ist das große Thema der Mobilfunker. T-Mobile engagiert sich hier mit Community-Kooperationen und der neuen Instant-Messaging-Flatrate. Wie zufrieden sind Sie mit dem Kundenzuspruch?

Firmenporträt T-Mobile

© foto: monika klein

t-mobile-chef phlipp humm: "in zukunft ist es normal ...

Humm: Wir haben uns gesagt: Was wir brauchen, ist eine Plattform, auf der die Kunden die Festnetzwelt, die sie kennen, einfach mitnehmen können. Wir bieten heute Endgeräte, Tarife, Applikationen und entsprechend ausgebaute Datennetze, die Spaß machen und den Kunden dazu anregen, das Handy oder den Laptop auch zu benutzen. Damit haben wir dem mobilen Internet zum Durchbruch verholfen.

Nehmen Sie das Beispiel Instant Messaging: Wenn Sie am PC gerne chatten, wäre es doch prima, wenn Sie auch unterwegs weiterchatten könnten. Das ging bis vor Kurzem nicht, denn Sie mussten 19 Cent pro SMS bezahlen - und die Frequenz und Schnelligkeit beim Chatten ist auch etwas ganz anderes als beim Simsen. Mit unserer neuen Instant-Messaging-Flatrate können Sie für 4,95 Euro mit dem Handy chatten, so viel Sie wollen.

Ich glaube, dass wir dieses Thema alle unterschätzen, es wird unseren Markt genauso stark verändern, wie es den klassischen E-Mail- und Festnetzmarkt verändert hat. In Zukunft wird es absolut normal sein, dass Sie mobil chatten.

connect: Welchen Zeithorizont sehen Sie hier?

Humm: Dieses Thema wird nicht vom klassischen Vertrieb an der Ladentheke getrieben, sondern von den Chatrooms. Wenn die Intensiv-Chatter den mobilen Dienst erst einmal entdeckt haben und nutzen, dann werden die Communities sehr schnell folgen.

connect: Sie investieren hohe Summen in den Netzausbau. Wie verdienen Sie in Zeiten sinkender Umsätze das nötige Kleingeld?

"Das mobile Internet ist massenmarktfähig"

Humm: Das mobile Internet ist jetzt wirklich massenmarktfähig. Die Nutzung steigt exponentiell, der Umsatz zieht nicht in gleichem Maße nach - was klar ist, denn wir steigen ja jetzt von Euro pro MB auf Flatrates um.

Um den Umsatz zu steigern, müssen Sie attraktive Dienste bieten, für die der Kunde bereit ist zu bezahlen. Und dafür müssen Sie die entsprechende Infrastruktur haben. Denn viele Applikationen, die jetzt kommen - etwa interaktive mobile Spiele - brauchen jede Menge Bandbreite. EDGE beschleunigen wir Anfang 2009 flächendeckend auf 260 kbit/s, HSUPA mit 2.0 Mbit/s bringen wir im gesamten UMTS-Netz, HSDPA mit 7,2 Mbit/s bieten wir derzeit an rund 700 verkehrsstarken Standorten, bauen aber auch hier sukzessive nach Kundenbedarf aus.

Unser Ziel ist es, in diesem Wachstumsmarkt die führende Position zu haben - und dazu müssen wir in die Netzinfrastruktur investieren. Das ist auch der Grund, warum wir beim Thema EDGE vorangegangen sind, denn das ist momentan die einzige Möglichkeit, Breitbandigkeit wirklich flächendeckend anzubieten. Wenn ich jetzt auf 260 kbit/s Down- und 220 kbit/s Uplink gehe, bin ich schon fast im UMTS-Einstiegsbereich.

Dass sich das auszahlt, zeigt eine weltweite Befragung der iPhone-Nutzer zum Thema Netzqualität: Nummer eins war T-Mobile Deutschland, Nummer zwei T-Mobile Niederlande - vor allen anderen Ländern der Welt.

Wir werden auch das UMTS-Netz sukzessive auf höhere Geschwindigkeiten bringen, das ist aber nicht so erfolgskritisch wie sicherzustellen, dass EDGE überall verfügbar ist. Gleichzeitig müssen wir jetzt das Thema Technik für die nächste Mobilfunkgeneration angehen.

connect: Wann dürfen wir mit einer Entscheidung über die Technologie rechnen?

Humm: Die werden wir voraussichtlich Anfang nächsten Jahres getroffen haben. Dann ist die Frage, wie wir den Rollout des UMTS-Nachfolgers logisch auf die bestehende Infrastruktur aufsetzen, wie wir also die Techniken möglichst kostengünstig miteinander verheiraten.

Das Fernziel ist, eine mobile Breitbandversorgung zu schaffen - sagen wir für das Jahr 2020 mit 20 Mbit und mehr - die flächendeckend zur Verfügung steht. Dafür sind natürlich zusätzliche Frequenzen in niedrigeren Frequenzbereichen not wendig. Das Thema Digitale Dividende wird ja momentan stark diskutiert.

connect: Wie verkraftet das heutige Netz die steigenden Datenvolumina, etwa wenn mehrere Kunden in einer Zelle Videostreaming nutzen wollen. Kommt es da nicht zu Engpässen?

"Femtocell hält das Netz frei"

Humm: Hier haben Sie neben der Optimierung der vorhandenen Infrastuktur zwei Möglichkeiten: Zum einen können Sie eine weitere Zelle bauen, was sich bei ausreichendem Volumen auch lohnt. Zum anderen ist es ja so, dass ein Großteil des Traffics im häuslichen oder im beruflichen Kontext anfällt, also innerhalb von Gebäuden.

Da ist eine Technologie wie Femtocell natürlich sehr interessant, weil sie Ihnen die Mobilfunknetze freihält. Und wenn Sie 70 bis 80 Prozent des Verkehrs anders ableiten, können Sie Ihre Zelle wunderbar mit 100 Mbit laufen lassen.

connect: In Bezug auf Datenkommunikation hört man bei den großen Netzbetreibern nicht viel von Störungen. Liegt das daran, dass es unterm Strich doch noch recht wenige Nutzer gibt? Wie viele Breitbandnutzer haben Sie?

Humm: Wir haben ja alle ein recht flächiges Netz aufgebaut, und unsere Netze vertragen - mit Ausnahmen - noch signifikant mehr Datenverkehr als heute anfällt. Es kommt natürlich irgendwo der Punkt, wo man anfangen muss, nachzusteuern, aber das ist kein dramatisches Thema - unter der Prämisse, dass wir zusätzliche Rundfunkfrequenzen bekommen und sauber in 4G ausrollen können.

connect: Wie sieht es mit DVB-H aus - steht das mobile Fernsehformat nach dem Rückzieher des Konsortiums Mobile 3.0 wieder auf der Agenda der Netzbereiber?

"Für DVB-H ist es in dieser Form zu spät"

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© foto: monika klein

... mobil zu chatten."

Humm: DVB wie? (lacht) Das "window of opportunity", wie die Engländer sagen, ist für eine Technologie immer überschaubar. Auf gut Deutsch: Je länger es dauert, etwas einzuführen, desto wahrscheinlicher ist es, dass es diese Technologie nie mehr geben wird.

Und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass es für DVB-H in dieser Form zu spät ist - es sei denn, man findet ein anderes Geschäftsmodell. Doch bis Sie in Deutschland mit seinen Landesmedienanstalten in Sachen Lizenzen auch nur einen Schritt weiterkommen, ist die Entwicklung schon drei Schritte weiter.

connect: Arbeiten Sie konzernintern an technologieübergreifenden Angeboten, sprich integrierten Diensten, die ich via T-DSL ebenso nutzen kann wie unterwegs mit meinem T-Mobile-Handy?

Humm: Wir arbeiten intensiv daran, als Deutsche Telekom übergreifende Dienste anzubieten, die Sie sowohl im Mobilfunk als auch im Festnetz nutzen können, also bei Verlassen des Hauses einfach mitnehmen können. Als integrierter Konzern haben wir die besten Voraussetzungen, Produkte für das vernetzte Leben und Arbeiten anzubieten.

Einfache Applikationen bieten wir hier bereits, beispielsweise im Fotobereich. Eins ist klar: Als Endverbraucher wollen Sie Ihre Welten mitnehmen und auf Ihre Daten zugreifen - optimal angepasst auf das jeweilige Medium.

connect: Werden Sie sich hier verstärkt bei den Entertain-Inhalten Ihrer Schwester T-Home bedienen?

Humm: Hier gibt es auf alle Fälle Potenzial. Unsere Teams prüfen derzeit, welche Dienste in den unterschiedlichen Medien angeboten werden können. Da gibt es viel, was man als Konzern machen kann - immer unter der Prämisse der Breitbandigkeit.

connect: Wie sieht es mit den Preisen in Sachen mobiles Breitband aus? Sie haben vor Kurzem die Flatrate optimiert - gehen Sie da noch ein Stück weiter?

"Ich erwarte keinen Preisrutsch"

Humm: Nach unserem Eindruck sind Preise im Moment nicht mehr wirklich das Thema. Sie sind zwar wichtig, aber die Frage, ob man hier noch mal drei oder vier Euro runtergeht, ist nicht entscheidend. Das Thema ist eher, den Kunden die Vorteile der mobilen Internet-Nutzung nahezubringen. Von daher erwarte ich hier keinen richtigen Preisrutsch.

Es sind zwar die einen oder anderen im Markt weiterhin aggressiv, aber ich denke, das bewegt die Massen nicht mehr. Das sehen Sie auch im Discount-Umfeld: Ob Sie jetzt einen Tarif mit 10, 9, oder 8,8 Cent haben, das interessiert keinen mehr.

connect: Immerhin wird prognostiziert, dass der Anteil der Discount-Kunden bis 2012 bei 50 Prozent liegen wird...

Humm: Das ist aber eher eine Frage der Distribution, weniger der Preispunkte. Das ist auch bei Congstar so (der Zweitmarke der Telekom, Anm. Redaktion): Wenn die von 9 auf 8 Cent gingen, würde nichts passieren - außer, dass Sie einen Cent weniger verdient haben.

connect: Stichwort Endgeräte. Wo setzen Sie hier die Schwerpunkte?

Humm: Bei den Endgeräten gibt es zwei Strömungen. Im Handybereich haben wir mit unserer Ikone iPhone natürlich das Datengerät überhaupt. Interessant ist, dass Besitzer der 3G-Version noch mal das Doppelte an Daten verbrauchen wie Nutzer des alten iPhones - und die kamen schon auf das 30-fache des normalen Postpaid-Kunden.

Das liegt aber weniger daran, dass das neue iPhone UMTS beherrscht, als vielmehr an den vielen neuen Applikationen. Damit rückt auch das Thema Software-Entwicklung in den Fokus. Hier müssen die anderen Gerätehersteller lernen. Zwar gibt es einige Me-too-iPhones, die auch so ähnlich aussehen, denen aber neben der bislang unerreichten Benutzerfreundlichkeit die Software-Umgebung fehlt.

connect: Das soll sich mit dem Android-Handy ja ändern...

"1-Euro-Laptop ist eine Revolution"

Humm: Genau, und das ist auch der Grund, warum wir gesagt haben, wir haben zum einen das iPhone, zum anderen mit Android noch einen anderen Ansatz. Bei Android setzen wir auf eine offene Plattform, für die alle Leute Software entwickeln können. Damit schaffen wir einen neuen Standard in der Branche. Das iPhone ist ein in sich geschlossenes Thema, mit Android launchen wir und unsere Partner ein Betriebssystem.

Das ist natürlich eine ganz andere Hausnummer: Sie führen ein Betriebssystem ein und müssen Endgeräte dafür entwickeln, andere Anbieter dafür gewinnen, die Sache zu adaptieren. Wir reden also von einer ganz anderen Einführungsphase und von etwas, das die Branche wirklich stark und dauerhaft verändert.

Android wird auf den Mobilfunk einen größeren Einfluss haben als das iPhone, weil es ein komplett offenes System ist und Sie es als Betriebssystem auf allen möglichen Endgeräten einsetzen können.

Eine weitere Revolution sind 1-Euro-Laptops. Seit dem Eee PC gibt es jede Menge toller Geräte, die Sie als Endkunde für eine Preisempfehlung von 300 bis 399 Euro kaufen können. Hier können wir als Mobilfunker ansetzen und solche Geräte bei Abschluss eines Datentarifs auf einen Euro subventionieren.

Wenn das Mini-Laptop HSDPA-fähig ist, haben Sie ein wunderbares Surfterminal, mit dem die mobile Datennutzung wirklich zum Erlebnis wird. Darum glaube ich, dass auch dieses Thema unsere Branche revolutionieren wird und den klassischen Telekommunikationshandel an das Thema Laptop heranführt.

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