Das Ende von ISDN

Telekom sattelt auf ALL-IP um

Die Telekom möchte ihre alten ISDN-Anschlüsse loswerden und drängt deren Besitzer zum Wechsel auf den neuen IP-Anschluss. Was steckt dahinter und was sollten Betroffene vor dem Umstieg auf All-IP berücksichtigen?

IP-Adresse

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Die Zuschrift des connect-Lesers Axel Schmidt steht typisch für viele, die wir in den letzten Wochen erhalten haben: "Die Telekom will meinen ISDN-Anschluss auf All-IP umstellen. Dazu möchte ich vorher einige Fragen klären, die ich per E-Mail an die Telekom gestellt habe. Leider waren die Antworten nicht sehr hilfreich."

Ähnlich geht es vielen. Mit Werbebriefen, Anrufen und über andere Kanäle drängen die Bonner ihre bisherigen ISDN-Kunden zum Wechsel. Neubestellungen für ISDN (im Telekom-Slang "Universalanschluss") werden nicht mehr ausgeführt.

Was steckt dahinter, und was sollten betroffene Verbraucher wissen? connect liefert Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Warum will die Telekom die bisherigen ISDN-Anschlüsse überhaupt loswerden?

Das Konzept der Telekom und anderer Anbieter fürs Festnetz heißt "All-IP" - Rufaufbau, Vermittlung und die Sprach-Datenübertragung sollen einheitlich übers Internet-Protokoll erfolgen. Dies macht die Netzstruktur einfacher und ist unterm Strich für die Anbieter deutlich billiger.

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Telekom-Vertreter erklärten connect aber auch, dass es immer schwieriger wird, für die in den 90er-Jahren installierte ISDN-Technik in den Vermittlungsstellen noch Ersatzteile zu bekommen.

Welche Konsequenzen hat der Wechsel für vorhandene Endgeräte?

Betroffene Kunden können ihre bisherigen Geräte wie Telefone, TK-Anlagen und auch Faxgeräte weiter nutzen. Zu diesem Zweck stellen der von der Telekom angebotene DSL-Router Speedport W 921 V oder alternative Modelle wie die Fritzbox-Fon-Reihe von AVM eine S0-Schnittstelle zur Verfügung, die den bisher an ISDN-Anschlüssen üblichen NTBA ersetzt.

Analoge Endgeräte, die bisher über einen a/b-Adapter am ISDN hingen, können nun sogar direkt über eine analoge TAE-Buchse am Router angeschlossen werden. Allerdings gibt es dort nur zwei TAE-Buchsen - wer mehr Geräte hat, muss den Umweg über die ISDN-Buchse (S0-Bus) nehmen, die bis zu acht Endgeräte unterstützt.

Probleme kann es bei reinen Datenendgeräten geben wie zum Beispiel bei ISDN-Karten, Alarmanlagen sowie den im Handel verbreiteten EC-Karten-Terminals. Deren Nutzer müssen die Kompatibilität mit dem Hersteller beziehungsweise Anbieter klären. Oft (etwa im Fall von ISDN-Karten) ist der Wechsel zu einer IP-Lösung technisch sinnvoller.

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Der bereits seit 2011 angebotene Router Speedport W 921 V bietet ISDN-Nutzern einen internen S0-Bus.

Worauf muss man bei der Auswahl des DSL-Routers achten?

Im Telekom-Sortiment unterstützt bislang nur der ältere Router W 921 V die ISDN-Schnittstelle S0. Es gibt aber Überlegungen, für das modernere Modell W 724 V (und andere) künftig einen externen Adapter von S0 auf IP anzubieten.

Wer einen Router von einem unabhängigen Anbieter wie etwa AVM nutzen will, braucht dazu die Einwahldaten seines DSL-Anschlusses. Die Telekom stellt diese Daten ihren Kunden bisher noch zur Verfügung, andere Anbieter wie etwa Vodafone halten sie geheim und setzen so einen "Routerzwang" durch - also die Verpflichtung, eine vom Anbieter gelieferte DSL-Box zu verwenden.

Wer einen VDSL-Anschluss besitzt, muss außerdem darauf achten, dass der gewählte Router diesen Anschlusstyp auch unterstützt. Die beiden Telekom-Modelle W 724 V und W 921 V tun dies - der Zusatz "V" weist darauf hin.

Wie steht es um die Sprachqualität am IP-Anschluss?

Am IP-Anschluss telefoniert man per VoIP (Voice-over- IP). Im Vergleich zu ISDN ist die Sprachqualität dabei minimal schlechter - allerdings sind die Unterschiede in den meisten Fällen nur noch gering.

Prinzipbedingt lieferte ISDN aber zuverlässig eine immer gleiche Sprachqualität, während die Verständlichkeit bei VoIP von Faktoren wie der Auslastung des IP-Anschlusses und der Übertragungsstrecken bis zum Zielanschluss abhängt.

Problematischer sind die Signallaufzeiten, die am IP-Anschluss deutlich höher sind als bei ISDN. Kommen außerdem noch weitere Verzögerungen etwa durch DECT-Telefone, Bluetooth-Headsets, WLAN-Strecken und ähnliches dazu, kann dies zu störenden Verzögerungen und Pausen im Gespräch führen.

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Der W 724 V wurde zuletzt 2013 aktualisiert. Allerdings verfügt er bislang über keinen Anschluss für ISDN-Geräte.

Wie steht es um die Zuverlässigkeit und Erreichbarkeit am IP-Anschluss?

Das ist die Achillesferse der IP-Technik: Fällt der DSL-Anschluss aus oder hat der Router ein Problem, ist automatisch auch der IP-Telefonanschluss gestört. ISDN lief dagegen meist auch dann problemlos weiter, wenn die DSL-Verbindung ausfiel.

Zudem boten ISDN und der früher übliche Analoganschluss eine unabhängige Notstrom-Speisung (wobei nur wenige ISDN-Telefone diese Option unterstützen). Am IP-Anschluss ist bei einem Stromausfall hingegen auch der Router tot - und somit die gesamte Festnetzleitung.

Dies mag heute aber nicht mehr ganz so schlimm sein, weil für Anrufe bei der Störungs-Hotline oder bei Notdiensten in der Regel ein Handy zur Verfügung steht.

Am ISDN-Anschluss ließen sich zwei Gespräche gleichzeitig führen, und es gab bis zu zehn Rufnummern. Was bietet der IP-Anschluss?

Diese Möglichkeiten hat die Telekom am IP-Anschluss nachgebildet. Je nach Bandbreite des DSL-Anschlusses und verwendeten Endgeräten lassen sich sogar mehr als zwei IP-Verbindungen gleichzeitig nutzen.

Die dem ISDN-Anschluss zugewiesenen drei bis zehn Rufnummern werden beim Wechsel zum neuen IP-Anschluss mit umgezogen.

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