DSL-Anschlüsse

Telekom DSL-Drosselung: Das müssen Sie wissen

Die Telekom hat angekündigt, die DSL-Anschlüsse ab einem bestimmten Datenvolumen drosseln zu wollen. Wir erklären, was die DSL-Drosselung für Kunden bedeutet.

Glasfaser

© Hersteller

Glasfaser

Bei den mobilen Datentarifen für Handys und Smartphones ist sie längst eingeführt und vom Kunden gelernt. Mit der Ankündigung nun auch die DSL-Anschlüsse nach einem bestimmten Datenvolumen in der Geschwindigkeit zu drosseln, sorgt die Deutsche Telekom für großen Unmut und Verunsicherung. Wer eine bestimmte Datenmenge pro Monat überschreitet, soll trotz Flatrate für den Rest des Monats nur noch mit gedrosseltem Speed surfen oder streamen können.

Interview mit Michael Hagspihl, Deutsche Telekom: "2016 werden Sie anders urteilen"

Doch was kommt auf die Kundschaft durch die Ankündigung der Telekom tatsächlich zu? Wir klären, wer von der Drosselung tatsächlich betroffen ist und was sie für den Kunden bedeutet.

Wer ist betroffen?

Zunächst hieß es, nur Neukunden, die ab dem 2. Mai einen Vertrag mit der Telekom abschließen. Mittlerweile ist klar: Bestandskunden können zwar im Moment noch weiter zu den alten Konditionen surfen. Doch mit Umstellungen der bisherigen Anschlüsse auf ein reines IP-Netz (All-IP), müssen dann auch Bestandskunden die geändert Leistungsbeschreibung akzeptieren, in der die Drosselung dann festgeschrieben ist. Dass soll spätestens 2018 erfolgen.

Eine Begrenzung des Highspeed-Volumens bereits heute in den Leistungsbeschreibungen für die Call & Surf Tarife mit VDSL und die Glasfaser-Anschlüsse vermerkt. Allerdings bislang noch nicht umgesetzt.

Wann tritt die Drosselung in Kraft?

"Wir gehen bisher davon aus, dass wir die Limitierung technisch nicht vor 2016 umsetzen", so  Michael Hagspihl, Geschäftsführer Marketing der Telekom Deutschland. Und lässt sich noch ein Hintertürchen offen: Wann die Geschwindigkeitsreduzierung tatsächlich einführt wird, hänge von der Verkehrsentwicklung im Internet ab.

Auf welche Bandbreite wird gedrosselt?

Ursprünglich plante der Konzern, selbst Highspeed-Zugänge mit bis zu 200 Mbit/s auf unverschämte 384 Kbit/s zu bremsen. Nach der heftigen Protestwelle ruderte man freilich zurück und will nun "nur" auf 2 Mbit/s zurückschalten.

Ab welchem Datenvolumen wird gedrosselt?

Das hängt vom gebuchten DSL-Tarif ab. Ab dem 2. Mai 2013 sind folgende Volumina in den Festnetztarifen integriert:

  • Tarife mit Geschwindigkeiten bis zu 16 Mbit/s: 75 GB
  • Tarife mit Geschwindigkeiten bis zu 50 Mbit/s: 200 GB
  • Tarife mit Geschwindigkeiten bis zu 100 Mbit/s: 300 GB
  • Tarife mit Geschwindigkeiten bis zu 200 Mbit/s: 400 GB
Laut Telekom sind diese Werte aber nicht in Stein gemeißelt und könnten 2016 auch erhöht werden.

Keine Regel ohne Ausnahmen

Ausgenommen ist der Datentraffic, der bei der Nutzung des Telekom-TV-Angebots Entertain anfällt. "Mit Entertain buchen die Kunden Fernsehen, deshalb werden wir sicherstellen, dass sie nicht plötzlich vor einem schwarzen Bildschirm sitzen", so Michael Hagspihl.

Weitere Ausnahme: Teilen Kunden künftig über WLAN TO GO ihren Anschluss per WLAN mit anderen Nutzern, wird das dabei anfallende Volumen ebenfalls nicht angerechnet.

Außerdem hat die Telekom mittlerweile erklärt, dass Anbieter von volumenintensiven Inhalten wie Videos die Möglichkeit haben, den bei der Nutzung ihrer Diensten anfallenden Daten ebenfalls auszuklammern. Allerdings müssten Youtube und Co. dafür wohl an die Telekom zahlen.

Was lässt sich mit 75 GB anfangen?

Neben dem Surfen im Netz und dem Bearbeiten von Mails ist dieses Volumen beispielsweise ausreichend für zehn Filme in normaler Auflösung plus drei HD-Filme, plus 60 Stunden Internetradio, plus 400 Fotos und 16 Stunden Online-Gaming. So rechnet zumindest die Telekom vor.

Drossl.de, betrieben vom Telekom-Konkurrenten mnet, rechnet anders: Nutzt ein Kunde mit 16-MBit/s-Letitung den Anschluss durchgehend mit voller Bandbreite, dann sind die 75 GB schon nach gut 10 Stunden erreicht.

Das eigentliche Problem: Im Moment ist es schwer vorherzusagen, wie die Internet-Nutzung zur möglichen Einführung der Drosselung im Jahr 2016 tatsächlich aussieht. Schauen wir dann womöglich nur noch in HD? Offensichtlich geht auch die Telekom davon aus, dass das Volumen pro Kunde in den nächsten Jahren stark ansteigen wird. Im Moment liegt es laut Telekom im Schnitt bei 15 bis 20 GB.

Lässt sich das Inklusiv-Volumen aufstocken?

Es wird auch künftig Datenflats ohne Volumenbegrenzung geben. Mit der Umsetzung der Geschwindigkeitsbegrenzung will die Telekom Zubuchoptionen einführen - für einen Aufpreis von zehn bis 20 Euro pro Monat. Ob sie sich auch nur für einen Monat buchen lassen oder eine feste Laufzeit haben? Das will die Telekom nach eigenen Angaben rechtzeitig bekannt geben.

connect meint:

Die Einführung des Apple iPhone hat der Telekom bereits vor Augen geführt, wie schnell das eigene Netz an seine Grenzen kommen kann, wenn der Traffic plötzlich rasant steigt. O2 ging es mit der späteren Einführung des iPhones ähnlich.

Und langsam kommt auch das Festnetz an seine Grenzen. Beziehungsweise der Ausbau der Highspeed-Netze kommt angesichts der zunehmenden Nutzung bandbreiten-intensiver Dienste wie Videostreaming nicht schnell genug voran, wie auch der Streit um den Breitband-Ausbau zeigt.

Vectoring statt Glasfaser: Streit beim Breitbandausbau

Was der Telekom nun auf die Füße fällt: Das All-you-can-eat-Versprechen der Flatrates war  nie so ganz ernst gemeint. Denn nur die Tatsache, dass die meisten früher satt sind, als sie laut Vertrag essen dürften, machen die Flatrates für die Anbieter zu einem wirtschafltlich tragbaren Modell.

Man könnte es auch anders formulieren: Die Wenig- bis Durchschnittsnutzer finanzieren momentan die sogenannten Heavy User mit. Genau genommen könnte die neue Regelung sogar für mehr Gerechtigkeit sorgen. Auch wenn das im Moment nur wenige so sehen mögen.

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