Testverfahren Testreform: Verbessertes Testverfahren für Smartphones
© Silke Heyde
Verlässlichkeit ist eine gute Sache, Vergleichbarkeit ist auch nicht zu verachten. Das gilt besonders für ein Testmagazin, das sein Mäntelchen nicht nach dem Wind hängen darf. Doch mit der Zeit ändern sich die Dinge und die Maßstäbe. Grund genug für connect, nach mehr als zwei Jahren Kontinuität alle bewerteten Kriterien und Maßstäbe unseres Smartphone-Testverfahrens eingehend zu prüfen und sie den gegenwärtigen Ansprüchen anzupassen. Was sich dabei getan hat, wollen wir hier im Detail erklären.
Neue Gewichtung
Geblieben ist die Aufteilung der Smartphone-Tests in die vier Kategorien Ausdauer, Ausstattung, Handhabung und Messwerte. Bei der Verteilung der Punkte hingegen hat es leichte Verschiebungen gegeben. So wird die Handhabung jetzt mit mehr Punkten einen größeren Einfluss auf das Testurteil bekommen, die Ausdauer wird hingegen nur noch mit 100 statt 115 von 500 Punkten veranschlagt. Das würdigt den Einfluss langer Laufzeiten auf das Gesamtergebnis jedoch keineswegs herab, wie wir im Folgenden zeigen werden.
Ausdauer: Beim Telefonieren
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Ausdauer: Bei Displaynutzung
Die zweite Nutzungsvariante ist die Displaynutzung. Mit ihr wird beurteilt, wie lange das Smartphone bei typischen Arten der Displaybedienung durchhält. Sie schließt Lesen, Schreiben, Surfen und viele andere Aufgaben ein. Dass der Anteil der Aufgaben, die eine aktive Datenverbindung erfordern (Browsing, Youtube, Facebook), seit der letzten Testreform kontinuierlich gestiegen ist, haben wir berücksichtigt. Entsprechend geringer ist bei allen Smartphones die aus einem durchschnittlichen Anwendungsmix berechnete typische Ausdauer geworden. Sie liefert eine Orientierung darüber, wie lange das Smartphone am Stück aktiv genutzt werden kann, bevor der Akku wieder ans Ladegerät muss. Bei konservativem Einsatz mit wenig Bildschirmbewegung und seltenen Datenverbindungen werden hier logischerweise höhere Werte erreicht.
Die Standby-Zeit, die zeigt, wie lange ein Smartphone mit einer Akkuladung ohne jegliche Nutzung einsatzfähig bleibt, wird nicht mehr berücksichtigt. Im modernen Alltag haben solche Bereitschaftszeiten, die viele Tage währen, keine Bedeutung mehr. Eine detaillierte Studie über den Einfluss typischer Nutzungsprofile auf die Ausdauer von Smartphones hat unser Netztestpartner P3 communications zusammen mit dem amerikanischen Netzbetreiber Verizon erstellt. Wir haben vor, diese Studie in der der connect-Ausgabe 9/2012 (ab 1. August am Kiosk) zu präsentieren.
Ausstattung: Display steht im Zentrum
Ein Feature, das bei der Beurteilung der Ausstattung jetzt eine größere Rolle spielt, ist das Display. Nicht nur, dass die Bedeutung der Anzeige deutlich stärker in die Gesamtpunktzahl einfließt – der Bildschirm muss nun auch wesentlich höhere Ansprüche in Bezug auf Größe, Auflösung und Qualität erfüllen, um die volle Punktzahl zu bekommen.
Auch in Bezug auf den Browser spielt die Displayauflösung nun eine Rolle bei der Bewertung. Schließlich muss der Vermittler des World Wide Web Internetseiten nicht nur richtig umsetzen können, er braucht auch die nötigen Pixel, um sie möglichst komplett darzustellen. Ob es mit der Umsetzung klappt, prüfen wir anhand einer größeren Anzahl an Web-Standards – schließlich soll das Internet idealerweise ohne Einschränkungen im Browser zu sehen sein.
Multimedia-Ausstattung: Qualität statt Quantität
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Handhabung: Bedienung, Format und Systemgeschwindigkeit
Höheren Wert legt connect jetzt auch auf die Handlichkeit der Smartphones. Der Grund dafür: Gerade bei Touchscreen-Modellen der Oberklasse neigen manche Hersteller dazu, eher ungünstig gestaltete Benutzeroberflächen durch große Bildschirme besser bedienbar zu machen. Weil beim Telefonieren, bei der mitunter nötigen Einhand-Bedienung aber allzu ausladende Gehäuse Probleme bereiten und weil ein dickes Smartphone im Sakko oder in der Hosentasche ganz schön stören kann, sind harte Maßstäbe hier durchaus berechtigt.
Das gilt umso mehr, als nun auch die Größe des Displays in die Beurteilung des User Interfaces eingeht. Hier wurden viele Parameter neu bewertet – unter Einbeziehung der Erfahrungen, die wir mit der Touchscreen-Entwicklung in den letzten Jahren gemacht haben. Härter bewertet wird daher auch die Systemgeschwindigkeit, denn schließlich führt ein zu langsam reagierendes User Interface zu häufigen Fehleingaben, während ein schnelles den Smartphone-Spaß auf eine neue Stufe hebt. Differenziert betrachtet wird auch die Verarbeitung – die Bandbreite von Low-Budget-Modellen mit dünnen Plastikschalen bis zu edlen Unibody-Metallgehäusen ist sehr groß geworden.
Messwerte: Das verlagseigene Labor Testfactory
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Der erste Messsender dient in einem schallisolierten, reflexionsarmen Raum zur Erhebung der akustischen Qualitäten beim Telefonieren, der zweite kommt für Strommessungen zur Ausdauerbestimmung zum Einsatz. Mit dem dritten messen wir die Sende- und Empfangsqualitäten des Mobiltelefons im D-, E- und UMTS-Netz.
Hierzu ist das Mobiltelefon an der Kopfattrappe Speag SAM 4.5 montiert und kann ferngesteuert um die horizontale und die vertikale Achse gedreht werden, während über zwei Hornantennen die Messung vorgenommen wird. Damit normale Mobilfunkstrahlung die Messungen nicht verfälscht, steht die Vorrichtung in einer vollständig abgeschirmten Kammer von 3,5 x 3,5 x 3 Metern, die zur Absorption von Reflexionen an den Wänden mit langen Keilen aus Spezialschaumstoff ausgekleidet ist.
Für diese Messung reicht ein CMU200-Messsender alleine nicht: Hinzu kommen neben der Steuerungsvorrichtung für den Zweiachsen-Drehteller noch die Messsteuerung TS9970 und der Spektrumsanalysator FSP03, beide ebenfalls von Rohde & Schwarz.
Bei der Beurteilung der Messwerte haben wir im neuen Testverfahren UMTS und GSM gleich gewichtet. Bisher konnte GSM mehr Punkte einheimsen, um die Wichtigkeit der Tatsache zu unterstreichen, dass man auch in kritischen Fällen zumindest ein Telefonat führen kann. Doch mit steigender Datennutzung ist ein Smartphone, das auch bei schwachen Empfangsbedingungen eine UMTS-Verbindung aufrechterhalten kann, klar im Vorteil.
Datenbank: Das Herzstück
Am Ende allen Messens und Testens wandern die Daten in unsere Produktdatenbank. Hier ist nicht nur festgelegt, welche Daten für den Smartphone-Test erfasst werden müssen. Auch wie sie bewertet werden und wie die Tabellen auszusehen haben, die später bei den Tests und in der Bestenliste erscheinen, wird hier definiert. So besteht dann eine Testreform wie die hier vorgestellte im Festlegen neuer Merkmale, im Anpassen von Formeln und den Vorgaben für die Tabellen. Ist das geschafft, spuckt die Datenbank bei korrekt eingegebenen Testdaten das Ergebnis zu einem Smartphone am Ende von selbst aus.
Das verhindert auch, dass subjektive Vorlieben eines connect-Testers das Ergebnis färben oder dass die kurzfristige Begeisterung für eine Neuerscheinung zu einer höheren Bewertung führt. Dem Redakteur erleichtert das die Arbeit immens, schließlich kann er sich bei seinem Test auf das unbestechliche Urteil der Datenbank verlassen. Außerdem kann er über den Zugriff auf den gesamten Datenbestand schnell erkennen, wo die Schwächen und Stärken des Gerätes liegen, über das er gerade schreibt.
Fazit: 250 Änderungen und viele Diskussionen
Mit der Testreform, die nach langen Diskussionen zur Änderung der Bewertungsmaßstäbe von über 250 Merkmalen geführt hat, präsentiert connect ein gründlich überarbeitetes Verfahren, das modernen Erkenntnissen über die Smartphone-Nutzung genauso gerecht wird wie dem technischen Fortschritt bei State-of-the-Art-Mobiltelefonen.
Die neue Bestenliste sowie aktuelle Tests nach dem neuen Testverfahren beispielsweise vom Samsung Galaxy S3 finden Sie in der connect-Ausgabe 8/2012 (ab 6.7. am Kiosk). Oder in Kürze hier auf connect.de .
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