Neue Geschäftsfelder

Thomas Kiessling im Interview

  1. Telekom und O2 im Fokus
  2. Thomas Kiessling im Interview
  3. Rene Schuster im Interview

Wo sieht die Telekom als Großkonzern Wachstumspotenzial?Unser Wachstum muss verstärkt aus Feldern jenseits unseres Kerngeschäfts kommen - Potenziale sehen wir im mobilen Internet, vernetzten Heim, bei Onlinediensten und intelligenten Netze. Für Letztere haben wir die Geschäftsfelder Gesundheit, Energie, vernetztes Fahrzeug und Medien definiert. Als bereits eingeführte Produkte sind der elektronische Stromzähler, Gesundheitsprodukte wie die mit dem Internet verbundene Waage und das vernetzte Blutdruckmessgerät zu nennen. Wir konzentrieren uns auf sechs Geschäftsfelder, in denen Angebote für Privat- und Geschäftskunden entwickelt werden: Kommunikationsdienste, Medien/Unterhaltung, Cloud-Dienste, Werbung, Portal- und Anzeigengeschäfte sowie Bezahldienste. Wir wollen die Innovationsgeschwindigkeit erhöhen, deshalb arbeiten wir intensiv mit Start-ups und kleinen Firmen zusammen. Erste Lösungen haben wir mit VideoMeet und Blue Jeans Network schon Ende 2011 auf den Markt gebracht. Mit einem Start-up aus Israel konnten wir bereits neun Wochen nach dem Erstkontakt Projekte realisieren. Wir werden also schneller und flexibler. Außerdem wenden wir uns mit dem Developer Garden intensiver der Entwicklerszene zu.

Cloud-Dienste sind in aller Munde. Wie sieht Ihre Strategie hier aus? Als Cloud-Pionier bietet unser Geschäftskundenzweig T-Systems bereits seit 2005 individuelle Lösungen für Großkunden. Mit dem Mediencenter hat jeder Telekom-Kunde die Möglichkeit, Dateien bis zu 25 GB kostenlos in der Cloud abzulegen. Man kann Bilder und Daten über jedes Endgerät abrufen und mit Freunden und Familienmitgliedern teilen. Unseren mittelständischen Kunden bieten wir mit unserem neuen Business-Marketplace künftige Cloud-basierte Lösungen für Geschäftsprozesse an. Mit preisgünstigen Lösungen, die mit wenigen Klicks selbst installiert werden können und nur nach Verbrauch bezahlt werden müssen, helfen wir Unternehmern, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. Besonderen Wert legen wir dabei auf die Sicherheit von Daten und die Aktualität von Anwendungen. Im Kern geht es darum, unser wachsendes Portfolio an eigenen Cloud-Lösungen und die unserer Partner optimal zu vernetzen. Unser Anspruch ist, die Nutzung so intuitiv und reibungslos wie möglich zu gestalten.

Legt die Telekom Wert auf eigenen Content oder setzen Sie eher auf Kooperationspartner?Wir verstehen uns nicht als Inhalteanbieter, sondern als Aggregator. Auf T-Online.de finden unsere Leser aktuelle Nachrichten, interessante Angebote von Partnern und Marktplätzen, Unterhaltung und Information. Mit einem spannenden und auch unterhaltsamen Angebot erzielen wir derzeit eine Nettoreichweite von fast 26 Millionen. Darüber hinaus hat T-Online.de mit neuen Portalen wie Zuhause.de, Trax.de oder Wanted.de erfolgreiche Angebote für neue Zielgruppen gestartet. Durch diese neuen vertikalen, themenfokussierten Angebote erschließen wir zusätzliche attraktive Vermarktungspartner und sind gut aufgestellt, um am Marktwachstum zu partizipieren. Damit sind wir als Portal auch sehr interessant für Onlinewerbung, die mittlerweile der zweitstärkste Werbeträger in Deutschland ist und zusammen mit E-Commerce der stärkste Wachstumstreiber der digitalen Wirtschaft. Auch in 2011 hat sich der Online-Werbemarkt ungebrochen positiv entwickelt, wobei die klassische Displaywerbung mit inzwischen weit über drei Milliarden Euro Marktvolumen hiervon am stärksten profitiert. Wir wollen also auch über unser Portal, seine Angebote und die damit erzielte Reichweite dazu beitragen, mit den Online-Werbeumsätzen die Wachstumsziele der Telekom zu unterstützen. Im Bereich der Online-Werbung sind wir mit Interactive Media und einem Marktanteil von knapp 60 Prozent sowie einer Nettoreichweite von annähernd 30 Millionen Unique Usern der reichweitenstärkste Werbevermarkter Deutschlands.

Der Machine-to-Machine-Bereich hat gute Zukunftsaussichten. Wie sind Sie in diesem Segment aufgestellt?Wir haben bereits vor zwei Jahren das Kompetenzzentrum M2M eingerichtet, das sich mit der Entwicklung für die Branchen Energie, Fahrzeug-Telematik, Gesundheit, Handel, industrielle Automatisierung, öffentlicher Sektor, Sicherheit, Transport und Logistik sowie Unterhaltungselektronik beschäftigt. Das Wissen von etwa 100 Telekom-Experten weltweit wird mit der Expertise von mehr als 250 Partnerunternehmen gebündelt. Über unser Internet-Portal www. telekom.com/m2m bieten wir Partnern die Möglichkeit, ihre M2M-Anwendungen wie Hardware-Konzepte, Software und Services, System-Integrations- und Ende-zu Ende-Lösungen weltweit zu präsentieren und global zu vermarkten. Auch Interessenten aus dem M2M-Umfeld und Kunden können sich hier über vorhandene Lösungen informieren, passende Partnerunternehmen finden und selbst neue Ideen entwickeln. Aus den Offerten unserer Partner aus 16 Ländern lassen sich so passende Angebote finden -zumal ständig neue Dienste hinzukommen, die demnächst direkt und weltweit über das Internet beauftragt werden können. Über den Marketplace können unsere Partner zu Anbietern werden und ihre Produkte verkaufen. Gemeinsam  mit Intel, Telit, Criterion und Sierra Wireless - um nur einige zu nennen - haben wir auch bereits M2M-Entwickler-Kits für Anwender zur Verfügung gestellt. Wir werden die Entwicklerszene künftig mit Informationen, Tools und Austauschmöglichkeiten noch intensiver ansprechen. Auch sie haben künftig die Möglichkeit, ihre Angebote auf unserem Marketplace zu verkaufen.

Sie haben zum Beispiel kürzlich den Dienst "VideoMeet" gestartet. Doch Videotelefonie wird in Deutschland kaum genutzt. Wie wollen Sie das ändern?

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© Telekom

Videomeet von der Deutschen Telekom: umfassende Kommunikationsmöglichkeiten.

Wir sind davon überzeugt, dass die Nutzung von Videotelefonaten und Konferenzen künftig schnell zunehmen wird. Warum? Weil VideoMeet einfach zu nutzen ist und die Cloud-basierte Lösung bisher vorhandene Systemgrenzen überwindet. Ob Desktop-PC oder Videokonferenzraum, VideoMeet stellt die Verbindung her - egal, wo und wann, auch unterwegs. Der Dienst bietet die Möglichkeit, Videokonferenzen mit HD-Raumsystemen, PCs, Tablet-PCs oder Smartphones abzuhalten, sogar wenn die Teilnehmer Skype, Google Video Chat oder Microsoft nutzen. Und weil das so einfach geht und wir es immer noch einfacher machen und weitere Systemgrenzen überwinden, erwarten wir, dass Video die reine Sprachtelefonie zunehmend ablösen wird. Auf der CeBIT haben wir mit VideoMeet Connect bereits eine erste Weiterentwicklung vorgestellt, die in Kürze als Beta-Version veröffentlicht wird. Damit können Nutzer einfach mittels Browser an Videokonferenzen teilnehmen, ohne zusätzliche Software installieren zu müssen. Die Bedienung wird damit noch einfacher. Außerdem lässt sich VideoMeet nun auch mit Microsoft Lync verbinden, das in vielen großen Unternehmen eingesetzt wird. Mit VideoMeet können Mitarbeiter in diesen Unternehmen Videokonferenzen von ihrem Desktop-PC oder von beinahe jedem anderen Gerät aus führen, einschließlich hochwertiger Profi-Konferenzraumsysteme. Microsoft Lync ist die erste SIP-basierte Verbindung für VideoMeet. Weitere solcher SIP-Verbindungen werden folgen. VideoMeet ist übrigens eines der erfolgreichen Ergebnisse unserer Strategie, Innovation mittels Partnerschaften zu generieren. In Zusammenarbeit mit dem kalifornischen Start-up Blue Jeans Network haben wir den ersten Cloud-basierten Videokonferenzdienst auf den Markt gebracht, der die Brücke zwischen praktisch allen Videoclients auf der Welt schlägt.

Wie sehen Sie die Entwicklung von Mobile Payment? Bis NFC-Handys in nennenswerten Stückzahlen verkauft sind, dauert es ja noch eine Weile. Sind hier Nachrüstlösungen für NFC-lose Geräte in Planung?

Mobile Payment ist für uns ein spannendes Thema. Mit einer Kundenreichweite von ca. 129 Millionen Mobilfunkkunden und einer Präsenz in ungefähr 50 Ländern sind wir als Telekom hier ein nicht zu übersehender Partner, sowohl für die Finanzwirtschaft als auch den Handel. Die Tatsache, dass sich eine der von mir vorhin erwähnten Organisations-Einheiten ausschließlich diesem Thema widmet, unterstreicht, dass wir hier auch einen Wachstumsmarkt sehen, den wir angehen wollen und werden. Wir haben hier bereits exzellente Experten wie zum Beispiel Peter Vesco an Bord. Über unsere Tochter ClickandBuy haben wir auch bereits Online-Bezahlsysteme im Haus und verfügen damit über die entsprechende Expertise entlang dieser Wertschöpfungskette. Und wir arbeiten intensiv an einer europäischen und länderübergreifenden Lösung. So haben wir zum Beispiel in unseren Telekom Innovation Laboratories eine offene Lösung für eine elektronische Brieftasche entwickelt. NFC als Technologie ist aber nur eine der Möglichkeiten des elektronischen Bezahlens. Wir haben die gesamte Bandbreite auf dem Radar. Und entlang der Wertschöpfungskette "Bezahlen" gibt es viele Partner, mit denen wir Gespräche führen. Was die Ausstattung der Handys mit NFC angeht: zum einen gibt es inzwischen immer mehr Geräte, die Nahfeld-Kommunikation bereits eingebaut haben. Dass man auch über Nachrüstmöglichkeiten nachdenken muss, vom Aufkleber bis zur SIM-Karte, die NFC unterstützt, liegt angesichts von Handynutzungsdauern von durchschnittlich 18 Monaten auch auf der Hand. Unsere Stärke als Telekom liegt im Aufbau von Plattformen und in der Aggregation von Partnerangeboten. Wir sehen hier große Chancen, als Plattformbetreiber aufzutreten und Drittanbietern die Möglichkeit zu geben, auf der Basis unserer offenen Plattformen und über unsere Netze neue Dienste anzubieten. Bei Telekom funktioniert die Heimvernetzung über die gemeinsam mit Partnern entwickelte Home Management Plattform Qivicon. Das Prinzip ist simpel: Die Partner steuern ihr branchen- und produktspezifisches Know-how bei und fördern so die Entstehung eines Ökosystems, bei dem sich die einzelnen Komponenten ideal ergänzen. Im Gegenzug profitieren sie von unserem Know-how in Sachen Kommunikationshardware und -software sowie der Netze. Unsere Plattform funktioniert unabhängig vom Telekommunikationsanbieter an jedem Breitbandanschluss. Die zentrale Komponente der Plattform ist die "Qivicon Box" im Hause des Kunden, die im Zusammenspiel mit verschiedenen Cloud-basierten Funktionen als lokale Service-Zentrale fungiert. Die Plattform wird alle Funkstandards unterstützen. Unter dem neuen Angebotsnamen Qivicon wollen wir - zusammen mit bekannten Marken und Anbietern - ab Mitte 2012 an den Start gehen. Von der Bündelung der unterschiedlichsten Lösungen unter der starken Marke Telekom und mit unserem Vertrieb sehen wir sehr gute Chancen, unseren Kunden und auch anderen Anbietern eine Vielzahl an Angeboten offerieren zu können, die sie in allen Bereichen ihres digitalen Lebens nutzen können und die das Leben schöner, bequemer und sicherer machen.

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