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Hintergrund

Tierisch stabil: Gorilla-Glas

Corning Gorilla Glas
Smartphone-Displays sind äußerst empfindlich. Immer mehr Hersteller setzen daher auf das ­robuste Gorilla-Glas von Corning. Was zeichnet das Glas aus?

Es gibt für einen Smartphone-Besitzer kaum etwas Ärgerlicheres als ein defektes Display. Einmal nicht aufgepasst, und schon knallt das geliebte Stück Technik auf den Fliesenboden. Genau genommen ist jedoch nur in ­wenigen Fällen das Display tatsächlich defekt – meistens geht eher die Display­abdeckung zu Bruch.

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Wer schon einmal versucht hat, einen solchen Mangel während der Garantiezeit mit dem Hersteller abzuwickeln, der dürfte spätestens dann erfahren ­haben, dass Sturzschäden, genau wie übrigens Wasserschäden, nicht von der Garantie oder der Gewährleistung abgedeckt sind – der Smartphone-User darf die hohen Instandsetzungskosten selbst tragen. So etwas sorgt für Ärger über den Hersteller – und den kann sich auf dem hart umkämpften Mobilfunkmarkt kaum noch jemand leisten.

Stabil und kratzfest soll es sein

Es ist also kein Wunder, dass die Hersteller ständig auf der Jagd nach einer besonders stabilen, aber auch hochwertigen Displayabdeckung für ihre Geräte sind. Abdeckungen aus Kunststoff sind zwar recht bruchfest, verkratzen dafür aber auch leicht. Glas ist hochwertig, aber spröde und daher bruchanfällig. Außerdem ist Glas empfindlich gegenüber Temperaturschwankungen, wenn es im Vorfeld nicht getempert wurde.

Bei diesem Vorgang wird das Glas erhitzt, um mechanische Spannungen zu verteilen oder um zu kontrollieren, ob es während der Herstellung zu Luft- beziehungsweise Gaseinschlüssen gekommen ist. Ist dies der Fall, zerspringt das Glas beim Erwärmen, weil sich die Luft dann ausdehnt. Dieses Tempern ist jedoch ein kostspieliges Verfahren und ändert nichts an dem Bruchverhalten von normalem Glas.

Fündig werden die Mobilfunkhersteller bei ihrer Suche nach einer stabilen und hochwertigen Displayabdeckung daher immer öfter bei der Firma Corning aus New York und ihrem bekanntesten Produkt, dem Gorilla-Glas.

Technik: Fester und gleichzeitig flexibler

Gorilla-Glas von Corning besitzt beeindruckende ­physikalische Fähigkeiten. Wie es dazu kommt, zeigt ein Blick auf die Details. Bei Gorilla-Glas von Corning handelt es sich um Glas aus Alkali-Aluminiumsilikat. Seine Zusammensetzung ermöglicht eine stärkere chemische Festigkeit – dadurch ist Gorilla-Glas widerstands­fähiger gegenüber Beschädigungen. So liegt die Rissbildung bei einer punktförmigen Krafteinwirkung laut Hersteller bei etwa 40 Newton, während normales Glas schon bei etwa 5 Newton Risse ­bekommt.

Gorilla Glas ist durch seinen Aufbau besonders flexibel.
Gorilla Glas ist durch seinen Aufbau besonders flexibel. ©

Gorilla-Glas verfügt zudem über eine chemische Vorspannung, die ihm ein gewisses Maß an Flexibilität verleiht, sodass es deutlich weniger spröde ist als Standardglas. Das wiederum führt zu einer höheren Bruchfestigkeit und prädestiniert Gorilla-Glas für den Einsatz in Smartphones.

Geräte mit Gorilla-Glas

Gorilla-Glas ist im Mobilfunk­bereich unverzichtbar geworden – und nicht nur dort. Nach Aussage von Corning kommen Abdeckungen aus Gorilla-Glas aktuell in mehr als 750 Produkten zum Einsatz. Ein Blick auf die Corning-Homepage zeigt, dass Smart­phones dabei an vorderster Front stehen, was auch naheliegt, denn deren Bildschirme brauchen schlicht und einfach ein robustes Glas. Doch auch bei Tablets von Samsung, Motorola, Lenovo und Acer, bei Note- und Netbooks von Dell und Asus ­sowie bei Flatscreens von Sony ist diese besonders stabile Abdeckung zu finden.

Premiere im iPhone

Begonnen hat die Geschichte bereits in den 1960er-Jahren, als Corning an einem besonders stabilen und leichten Glas arbeitete. Erfahrungen aus dieser Zeit sind in das heutige Gorilla-Glas eingeflossen, das sich mit einer Stärke von 0,7 bis 2 Millimetern vor allem durch eine hohe Bruch- und Kratzfestigkeit auszeichnet.

Der kommerzielle Einsatz von Gorilla-Glas begann allerdings erst im Jahr 2007, und zwar in einem bahnbrechenden Gerät – dem ersten iPhone von ­Apple. Der Konzern aus Cupertino war seinerzeit auf der Suche nach einer ­Alternative zur zuerst verwendeten Kunststoffabdeckung, die sich als zu kratzempfindlich herausgestellt hatte. Erst das Gorilla-Glas von Corning erfüllte schließlich die hohen Ansprüche, die Apple-Legende Steve Jobs traditionell an alles stellte.

Apple setzte als erster auf Gorilla Glas.
Apple setzte als erster auf Gorilla Glas. ©

Doch trotz aller Stabilität handelt es sich auch bei Gorilla-Glas am Ende des Tages um ein mehr oder weniger sprödes Material. Es wurde entwickelt, um alltägliche Einwirkungen wie unbeabsichtigte Stöße oder den Transport zusammen mit einem Schlüsselbund auszuhalten – nicht weniger, aber auch nicht mehr. Daher sollte niemand denken, dass ein Smartphone-Display aus Gorilla-Glas unzerstörbar sei. Leider sind viele Menschen so töricht, genau diesem Trugschluss zu erliegen.

Und wer trotz Gorilla-Glas und vorsich­tigem Umgang kein Risiko mit seinem teuren Smartphone eingehen will, der sollte eine spezielle Versicherung abschließen, die auch Sturzschäden einschließt. Eine solche Versicherung ist allerdings nicht billig und ergibt daher im Grunde nur für High-End-Smart­phones Sinn – und selbst dann auch nur für eine gewisse Laufzeit.

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Jetzt kommt biegsames Glas

Anfang des Jahres 2012 hat Corning die neueste Generation ihres Spezialglases herausgebracht, sie heißt Gorilla-Glas 2. Diese Version ist um rund 20 Prozent dünner, bietet eine ähnlich gute Bruch- und Kratzfestigkeit, reagiert noch sensibler auf Berührungen und lässt mehr Licht durch, sodass Displays aus Go­rilla-Glas 2 heller wirken. Die Neuerungen bedeuten große Vorteile für den Einsatz in einem Smartphone.

Doch auch Gorilla-Glas 2 ist noch lange nicht das Ende der Fahnenstange. Jetzt bringt die New Yorker Firma eine biegsame Glasabdeckung heraus, die den Namen Willow-Glas trägt. Diese Abdeckung ermöglicht ganz neue Displayformen. Man darf gespannt sein, wann die ersten Smartphones mit diesem erstaunlichen Material ausgestattet werden.

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