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Tipps & Tricks: Tonabnehmer-Einbau

Nicht immer hat man das Glück, dass der Händler den neu gekauften Tonabnehmer einbaut und perfekt justiert. Hier finden Sie Antworten auf wichtige Fragen zum System-Einbau - und eine Anleitung, mit der Sie sich eine Überhang-Einstellschablone selber bauen können.

Tonabnehmer, einbau, tipp, werkzeug

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Tonabnehmer, einbau, tipp, werkzeug

1. Welches Werkzeug?Der Einbau gelingt mit wenigen Standard-Teilen.

Geht es nur um den Einbau eines Tonabnehmers (und muss nichts tiefer greifendes am Spieler selbst gemacht werden) genügen eine Handvoll Standard-Werkzeuge, die in jedem Haushalt herumliegen. Falls nicht, kauft man sie für wenige Euro im Baumarkt um die Ecke.

 

Tonabnehmer einbauen

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Zange: Eine kleine Spitz- oder Telefonzange mit möglichst schlanken, gezahnten Greifflächen lässt sich gefühlvoll wie eine Pinzette einsetzen, packt aber bei Bedarf sicherer zu.

Schraubenzieher/Inbus: Die Minidreher, die den meisten Tonabnehmern beiliegen, kann man getrost in der Schachtel lassen. Ausnahme: wenn Schlitzschrauben von unten durchs System gesteckt werden sollen und man den Arm nicht ausbauen kann (oder will). Dann braucht man die fummeligen Minis, weil nur sie zwischen Zarge und Headshell passen. Ansonsten ist ein Billigst-Elektriker-Schraubendreher mit integriertem Phasenprüfer ideal: er hat genau die richtige Klingenbreite, rollt nicht weg und liegt gut in der Hand. Für die bei manchen Systemen beiliegenden Inbusschrauben liegt der passende Schlüssel meist bei.

Hat man bei den Schrauben die Wahl, ist Inbus stets vorzuziehen, schon wegen der größeren Abrutsch-Sicherheit - und weil die Innensechskant-Köpfe meist eine größere Auflagefläche zum Headshell (oder der Systemunterseite) bieten.

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2. AuspackenSchön, aber nicht selten auch gefährlich.

Lose Tonabnehmer, vor allem nackte Exemplare und solche ohne Nadelschutz, sind die empfindlichsten HiFi-Komponenten überhaupt.

Das bedeutet: Absolute Ruhe und ein Tisch, an dem Sie entspannt arbeiten können, sind Grundvoraussetzungen. Versuchen Sie nicht, ein System mal eben im Stehen einzubauen, nur weil Sie ihren Spieler nicht aus dem Regal holen wollen.

Denken Sie ab jetzt jeden Handgriff erstmal durch, versuchen Sie, Probleme und kritische Situationen vorauszusehen: Welchen Weg nimmt die Zange / der Schraubendreher, wenn ich jetzt abrutsche? Ist es wichtiger, eine runterfallende Schraube zu fangen, als den Tonabnehmer sicher zu halten? Systeme einbauen darf und sollte etwas Meditatives haben.

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Tipps und Tricks wie Sie ihren Tonabnehmer richtig einbauen und justieren; plus die Anleitung, mit der Sie sich eine Überhang-Einstellschablone…

3. AnschließenVor oder nach dem Festschrauben - je nachdem.

Bei Spielern mit festem Arm ist es am einfachsten, zunächst die Tonarmkäbelchen mit dem System zu verbinden und es dann erst am Headshell zu befestigen. Die Anschlusspins sind fast immer farbcodiert: rot und weiß sind Plus für rechts und links, grün und blau die zugehörigen Minuspole.

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Fehlt die Farbkennzeichnung, verrät meist ein L oder R, ergänzt durch ein H (für "hot") oder "+", bzw. ein E, G oder "-" die Zuordnung. Sind die Käbelchen auch auf der Armseite gesteckt, ist Plus fast immer oben. Rechts/links ist  - erraten! - rechts und links, wenn man von vorne aufs Armrohr schaut.

Das Aufstecken der Käbelchen gehört zu den heikelsten Momenten: Die winzigen Steckerchen müssen straff sitzen, man arbeitet also mit reichlich Kraft in Richtung Tonabnehmer. Zu allem Überfluss neigen die Steckerchen selbst penetrant zum Abknicken.

Am sichersten ist es, wenn man sie mit der Zange unmittelbar hinter ihrem offenen Teil packt. Für maximale Kontrolle sollte man möglichst beide Hände auflegen und Kraft nur über das Handgelenk oder die Finger ausüben.

Sind alle Kabel dran, schrauben wir das System provisorisch ins Headshell, etwa in die Mitte der Langlöcher, und ziehen die Schrauben gerade so fest, dass es nicht von selbst wegrutscht. Nun den Arm ausbalancieren (Nadelschutz abnehmen!) und die empfohlene Auflagekraft (für die Justage reicht auch etwas weniger) einstellen. Das Antiskating bleibt auf "0", beziehungsweise bei Faden-Gewichts-Exemplaren ausgehängt.

4. JustierenNun schlägt die Stunde der Schablone.Gibt es zu Ihrem Plattenspieler keine spezielle Überhang-Schablone (mehr), bauen Sie sich einfach eine selbern. Da für korrekt konstruierte Spieler der Kröpfungswinkel durch den Arm vorgegeben ist, reicht es meist, den Überhang durch Verschieben des Systems in den Langlöchern richtig einzustellen, wobei das System stets exakt parallel zu diesen bleibt.

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Trennen Sie also erstmal den Spieler vom Netz (um auszuschließen, dass versehentlich der Motor startet), stecken Sie dann die Schablone über den Mitteldorn und drehen Sie sie so, dass Sie die Nadel exakt auf den inneren markierten Punkt (also den 66mm-Nulldurchgang) setzen können.

Nun wird gepeilt: Sind Headshell und Systemgehäuse parallel zum Linienraster? Vermutlich zunächst nicht ganz. Sie können sie aber durch geringfügiges Verdrehen der Schablone (die Nadel rutscht dabei nun die 66mm-Linie entlang) zur Übereinstimmung bringen.

Merken Sie sich Betrag und Richtung (es sollten nur wenige Millimeter sein) und verschieben Sie nun das System entsprechend nach vorne oder hinten. Dann kontrollieren Sie wieder, und so weiter. Bald fluchtet alles wunderbar.

Wer es ganz genau haben will, kann jetzt versuchen, die Justage zu verfeinern, indem er nicht das Systemgehäuse, sondern den Nadelträger selbst anvisiert. Ob und wie gut das geht, ist aber stark von der Bauform abhängig: vor allem nackte Tonabnehmer (z.B. Benz, Sumiko, Lyra) lassen sich gut direkt über die Nadel justieren.

Das Peilen braucht aber auch hier etwas Übung, da ein nur wenige Millimeter langer und einen halben Millimeter dünner, zudem im 20-Grad-Winkel von der Platte aufsteigender Nadelträger keine sehr verlässliche Bezugslinie ist - irgendwie kommt er einem immer schief vor.

Stimmt der Überhang, ziehen wir die Schrauben vorsichtig fest. Wie fest, ist Philosophiefrage und hängt auch vom Tonabnehmer und -arm ab. Mehr Drehmoment als man mit den beiliegenden Mini-Drehern aufbringen kann, ist selten sinnvoll - unseren Phasenprüfer halten wir folglich auch nicht mit der Faust, sondern zwischen Daumen, Zeige- und Mittelfinger, und einen Inbus-Schlüssel halten wir auch nur an der kurzen Seite. Das reicht völlig.

Nun noch einmal die Auflagekraft prüfen und gegebenenfalls korrigieren, das Antiskating einstellen (meist reicht ein Zahlenwert von 50-75% der Auflagekraft in Gramm) und eine Platte auflegen. Höhenverstellbare Arme nun so einstellen, dass ihr Rohr beim Spielen parallel zur Plattenoberfläche liegt. Jetzt ist es Zeit, erstmal Musik zu hören.

Alles, was über den nun erreichten Zustand hinausgeht, ist Feintuning.

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