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UKW und Fernsehen

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Die kleine Mobilfunkantenne und der große Fernsehturm: Auch bei der Strahlung sind die Unterschiede geradezu riesig.

Besonders in Ballungsgebieten stehen Fernseh­türme seit vielen Jahrzehnten und werden selbst von den meisten engagierten Mobilfunkgegnern nicht als Bedrohung wahrgenommen. Dabei erzählte uns ein SWR-Techniker freimütig am Tele­fon mit hörbar stolzgeschwellter Brust, dass allein der Radio­sender SWR3 den Stuttgarter Fernsehturm mit einer Leistung von 100?000 Watt verlässt. Die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz gibt an, dass Rundfunk mit bis zu 2 Millionen Watt sendet und auch Luftüberwachungsradar in Spitzenwerten die 2-Millionen-Grenze knackt. Darauf angesprochen hört man dann von Funkskeptikern: „Die Strahlung ist aber nicht gepulst" oder wie Bernd Rainer Müller vom Bund Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) meint: „Die Strukturen von zentralen und dezentralen Sendernetzen sind nicht direkt vergleichbar. Je näher und je stärker die Sendeanlagen sind, desto höher ist die Belastung vor Ort“. Damit spielt er wohl auf die Handyantennen in der unmittelbaren Nachbarschaft an. Und tatsäch­lich gibt es Landstriche, in denen der Mobilfunk stärker ist als UKW-Sender. Doch das gilt nicht für die dicht besiedelten Ballungsgebiete mit Fernsehturm. Zudem konstatiert Müller: „Bei neuen TV-Sendern ist eine ähnliche Entwicklung zu beobachten, sie werden vermehrt dezentral aufgebaut und kommen dadurch näher an Wohngebiete heran“. Hier liegt er im Clinch mit einigen Strahlungsgegnern, die eher sehr engmaschi­ge, aber schwache Netze wie in der Schweiz bevorzugen, als eine „Fernsehturm-Leuchte" mit vielen Tausend Watt.

Kann das Radio krank machen?

Wer sich mit Strahlung eingehender beschäftigt. muss bald feststellen, dass zwar Unmengen „Information" über Mobilfunknetze kursieren und auch unzählige Studien zitiert werden, doch zum Thema „Rundfunk und Krebs" nur sehr wenig geforscht wird. Ein Beispiel: Wer nach „Studie Strahlung Handy" googelt, bekommt 133000 Treffer, aber zu „Studie Strahlung UKW" nur 795. Allerdings gibt es trotzdem die ein oder andere Studie, die hier durchaus Klärungsbedarf anmahnt. So zitiert die Anti-Funk-Lobby Bürgerwelle Schweiz auf ihrer Webseite eine Studie von Hallberg und Johansson, die „einen deutlichen Zusammenhang zwischen körper­resonanter nichtionisieren­der Strahlung (UKW-Radio, 100 MHz) und dem Auftreten des malignen Hautmelanoms berichtet. Da die Strahlung in diesem Frequenzbereich eine Eindringtiefe von etwa 10 cm in den menschlichen Körper hat, besteht der Verdacht, dass Resonanzströme das Immunsystem beeinträchtigen, und dies eben auch dann, wenn es darum geht, Krebszellen in der Lunge zu bekämpfen.“

Das Problem der Informationsquellen

Da die „Bürgerwellen" nicht gerade für neutrale Informationsverbreitung bekannt sind, muss man auch diese Interpretation mit Vorsicht genießen, aber gänzlich von der Hand zu weisen sind solche Effekte nicht. Denn Rundfunk ist langwelliger als Mobilfunk und langwelligere Strahlung dringt tiefer in Gewebe ein als kurzwelligere wie GSM/UMTS. Zudem sind die UKW-Feldstärken selbst einige Kilometer entfernt von einem Fernsehturm immer noch enorm. Die connect-Messung unten zeigt: Die UKW-Sender übertreffen im Stadtgebiet Stuttgart an Leistung alles, was sonst noch als Strahlungsquelle in Frage kommt.

Keine Panik oder in den Wald ziehen?

Das bedeutet keineswegs, dass UKW uns alle umbringen wird. Aber diese Fakten legen nahe, dass die Gefährdung durch Mobilfunk überschätzt, während die durch UKW und Fernsehen womöglich unterschätzt wird. Denn da die UKW-Sender offenbar stärker und langwelliger als Mobilfunksender funken, ist es kaum wahrscheinlich, dass sie ungefährlicher sind als Mo­bilfunknetze. Das zeigt auch eine Messung, die connect im Wohnungsflur eines Kollegen vorgenommen hat: Dort entpuppte sich der WLAN-Router ­als Haupt­strahlungsquelle, gefolgt von UKW. Dann strahlt noch das DECT-­Telefon, aber der Rest inklusive Handynetz rangiert nur unter ferner liefen. Das zeigt auch die Grenzen von Stahlbeton­wänden auf - die schirmen zwar den Mobilfunk weitgehend ab, können aber einen potenten UKW-Sender nicht aus der Wohnung fernhalten. Ein Brancheninsider, der nicht genannt werden möchte, formuliert das Problem mit den selektiven, weil von Ängsten getriebenen Studien so: „Was die Immissionen von UKW angeht, sind mir keine Unterschiede (zu GSM; Anm. d. Red.) in biologischen Wirkungen  bekannt. Allerdings wurde bei UKW auch nicht annähernd so viel geforscht wie bei Mobil­funk­fre­quen­zen. Es gibt nicht wenige Wissen­schaftler, die das dafür aufgewandte Geld auf anderen Gebieten als elektromagnetischen Feldern viel nutzbringender angelegt sehen würden."

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