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Vinyl zu DSD digitalisieren

Wer seine Schallplatten-Sammlung digital verewigen und archivieren will, kann neben PCM auch DSD als Speicherformat verwenden. Warum das durchaus eine sinnvolle Option ist und wie Vinyl-Fans zu 1-Bit-Kopien ihrer Lieblingsplatten kommen, verrät dieser Ratgeber.

Vinyl zu DSD digitalisieren

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Vinyl zu DSD digitalisieren

Das Betörende am (gut produzierten) Schallplatten-Klang ist die Natürlichkeit, die Wärme und die enorme Dynamik. Will man diesen süchtig machenden Sound konservieren und damit für die Welt von DACs und Co. Fit machen, muss sich der Vinyl-Afficionado zwangsläufig mit Digitaltechnik auseinander setzen.

Analog-Fetischisten liebäugeln hier besonders mit dem DSD-Format. Denn das Arbeitsprinzip der 1Bit-Technik ähnelt dem der Analog-Technik unter allen Digitalformaten am ehesten. Beispiel Pegeländerung: Im DSD-Stream werden diese ausschließlich durch einen kontinuierlichen 1Bit-Datenstrom, bestehend aus Nullen und Einsen, dargestellt. Ein relativ simpler Lowpass-Filter reicht vollkommen aus, um das (prinzipbedingt) bei der D/AWandlung entstehende Rauschen zu entfernen. Und dank der enorm hohen Abtastfrequenz von 2,8224 MHz (beziehungsweise 5,6448 MHz bei DSD128)  erfährt jede noch so winzige Signaländerung des analogen Originals eine Übersetzung in das Digitale.

Mit anderen Worten: In DSD gewandelte Analog-Musik klingt oft detailreicher und offener. Spätestens jetzt müsste jeder Vinyl-Fan hellhörig geworden sein, wennl man die eingangs erwähnten klanglichen Vorteile von Schallplatten nicht missen will.

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Die Norweger von 2L bieten in ihrem Internetshop jede Menge DSD-Dateien in mehreren Qualitätsstufen zum Kauf an: Die Alben stehen sowohl in Stereo…

Für die 1Bit-Digitalisierung einer Schallplatte ist ein DSD-fähiger Rekorder nötig. Doch neben einer Hand voll uralter Audio-Interfaces, die (wenn überhaupt) nur noch gebraucht zu haben sind, existieren lediglich zwei Geräte, die sich für diesen Job anbieten: Zum einen gibt es den Korg MR-2 für 830 Euro. Er nimmt auf SD-Karten auf und ist eigentlich ein Rekorder für den mobilen Einsatz. Neben dem obligatorischen Wave-Format nimmt der Korg aber auch im nativen DSD-Format mit 2,8224 MHz Abtastfrequenz (also DSD64) auf.

Digitale Audioformate: DSD vs. PCM

Das zweite Gerät im Bunde stammt aus der Studiowelt: Der 8x192ADDA von Mytek für rund 3200€. Obwohl die Bedienung des Mytek ein gewisses Know-How in Sachen Computer-Recording voraussetzt und auch wesentlich teurer als der Korg ist (dessen Straßenpreis liegt übrigens deutlich unter der UVP), gestattet der Mytek-Wandler sogar die Aufnahme und Wiedergabe von DSD128 - also mit einer Abtastfrequenz von 5,6448 MHz (dieses Feature bot übrigens auch das nur noch gebraucht erhältliche Studiogerät Korg MR-1000).

Smarte Kiste

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Die Eingänge sind beim Korg seitlich angeordnet. Der mobile Rekorder nimmt auf eine im Lieferumfang enthaltene 2GB-SD-Speicherkarte auf. Für DSD-Aufnahmen von LPs sollte man sich aber eine größere Karte kaufen.

Korg MR-2

Für die DSD-Digitalisierung ist in diesem Fall der MR-2 aber wegen seiner einfachen Handhabung die praxistauglichere Lösung. Nebenbei bringt er auch gleich zwei weitere Vorteile gegenüber dem Mytek mit: Zum einen ist man (zumindest für die Aufnahme) nicht auf einen Computer angewiesen. Somit läuft man auch nicht Gefahr, dass etwaiger "PC-Dunst", also von Rechnern verursachte Störgeräusche, die Aufnahmen "einnebeln" könnte. Und weil der Korg eigentlich ein mobiler Recorder mit integriertem Mikrofon ist, kann man ihn - wenn man damit mal keine DSD-Kopien von LPs macht - für Mitschnitte von Konzerten einsetzen.

Für die LP-Digitalisierung spielt der Line-Eingang am Kork die Hauptrolle: Mit Hilfe eines Adapterkabels (Cinch auf Stereo-Miniklinke) findet dort der Phonoverstärker Anschluss, an dem der Plattenspieler hängt. Nach Möglichkeit sollten die Schallplatten staub- und fusselfrei sein, damit später keine (oder nur wenige) Knackser zu hören sind.

DSDs hinterher von Störgeräuschen zu befreien, wie man es notfalls bei WAV-Aufnahmen machen könnte, ist nicht möglich (dazu später mehr). Da der MR-2 standardmäßig im WAV-Format aufnimmt (maximal mit 192kHz), muss im Rekorder-Menü noch das Aufnahmeformat auf .DSF gestellt werden, bevor es los gehen kann. Danach pegelt man über die zwei seitlichen Tasten den Aufnahme-Level ein: Am besten drückt man dafür einmal auf die Record-Taste um den MR-2 "scharf" zu stellen, legt die Plattennadel auf und passt den Pegel entsprechend an. Zwei LEDs zeigen an, ob der Eingangspegel übersteuert oder noch im grünen Bereich liegt. Erst nach erneutem Drücken der REC-Taste startet die Aufnahme. 

Praxis: HiRes-Musik-Downloads - besser als Audio-CDs

Die mitgelieferte SD-Karte (2GB) fasst etwa 35 Minuten Musik im DSD-Format. Um beide Schallplatten-Seiten in einem Rutsch abzuspeichern, kauft man sich am besten eine größere und deutlich schnellere SDHC-Speicherkarte (8GB sollten ausreichen, Kostenpunkt etwa 10 Euro). Sind beide Seiten aufgezeichnet, beendet die Stop-Taste die Aufnahme und es geht zum nächsten Schritt: der Bearbeitung.

Tolles Tool

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Mit der kostenlosen Software "AudioGate" von Korg (für Mac und PC) kann man die aufgenommenen DSD-Files bearbeiten und anschließend in das gewünschte Format exportieren.

Der finale Schnitt

Für die Bearbeitung muss man sich dann aber wieder vor einen Computer setzen (Mac oder PC funktionieren gleichermaßen gut). Über USB findet der MR-2 Anschluss an den Rechner, wo er als externes Laufwerk erkannt wird. Navigiert man im Dateisystem in den Ordner "Recording", finden sich dort die eben erstellten Schallplatten-Aufnahmen. Für die Bearbeitung ist selbstverständlich auch die richtige Software nötig. Richtig heißt in diesem Fall, dass das Programm die aufgenommenen DSD-Files nicht intern in das 16Bit- PCM-Format konvertiert (wie es schädlicherweise viele andere, als DSD-fähig umworbene Programme machen).

Praktischerweise bietet Korg mit der "AudioGate"-Software ein hilfreiches DSD-Tool an. Obwohl es nichts kostet (!), hat es das Programm trotzdem faustdick hinter den Ohren: AudioGate unterstützt nämlich dreizehn Dateiformate und 20 Kombinationen aus Sample-Raten und Bit-Tiefen! Der Nachteil: Die Software funktioniert nur, wenn ein Korg-Gerät ständig via USB angeschlossen bleibt und als Dongle fungiert oder wenn man über einen Twitter-Account verfügt und diesen als Freischaltung nutzt.

Praxis: So digitalisieren Sie Ihre Schallplatten

Eigentlich als Medien-Player gedacht kann man mit AudioGate dennoch die wichtigsten Bearbeitungsschritte durchführen: Die Tracks schneiden, Fades einfügen, nachträglich den Pegel erhöhen, DC-Brummen entfernen und (ganz toll) Tagging-Daten einbetten (inklusive des Album-Covers, das man sich einfach als JPG mit am besten 1000x1000px aus dem Internet lädt). Dank der Meta-Daten herrscht später auf der Festplatte kein Chaos und es ist somit möglich, nach Interpreten-, Alben- und Song-Namen zu sortieren.

Besonders die einfache Bedienung von AudioGate fällt positiv auf. Für die reine Bearbeitung einer DSD-gewandelten Schallplatte sollte man dennoch etwa 10-20 Minuten kalkulieren. Nach getaner Arbeit steht nur noch der Export an. Hier bietet AudioGate die Möglichkeit, die DSD-Files entweder lokal auf der Festplatte des Computers abzuspeichern oder, falls gewünscht, auch eine CD zu brennen. Der Export der aufgenommenen DSD-Dateien ist aber auch in andere Formaten möglich, etwa als FLAC. Besonders für Hörvergleiche könnte das interessant sein, um die 1-Bit- und die 16-Bit-Varianten gegeneinander zu vergleichen.

Profi-Tool

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Der A/D-D/A-Wandler von Mytek (8x192ADDA, 3200 Euro) ist ein ganz anderes Kalbiber und richtet sich eher an Profis. Der Mytek kann DSDs sogar mit 5,6448MHz Samplingrate aufnehmen und abspielen.

Fazit

Schön, dass Korg mit dem MR-2 und der AudioGate-Software derart einfach zu bedienende Tools im Portfolio führt. Das Digitalisieren einer Schallplatte in das 1-Bit-Format gestaltet sich damit einfach und stressfrei. Tontechnik-Kenntnisse braucht man keine. Auf jeden Fall sollte man das DSD-Angebot von Internetdiensten im Auge behalten. Zum Teil finden sich dort tolle Aufnahmen, die man teilweise kostenlos oder eben gegen Bezahlung herunterladen kann. Ich glaube, dass das Angebot in den kommenden Monaten stark ansteigen wird, wenn man bedenkt wie viele Master-Bänder seiner Zeit von Sony in DSD digitalisiert wurden.

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