Vollaktiv-Spezial

Vollaktiv-Spezial Teil 4

Die Watt-AnteileIn der Praxis jedoch verteilt sich das Musiksignal nicht gleichmäßig auf die Chassis. Zu hohen Frequenzen hin benötigt es immer weniger Energie, so dass die Chassis einen unterschiedlichen Leistungsbedarf haben. Bei dem erwähnten Dreiwege-System entfallen um die 65 Prozent auf den Tieftöner, rund 25 Prozent auf den Mitteltöner und die restlichen 10 Prozent auf den Hochtöner. Das sind aber nur Anhaltspunkte, die von Faktoren wie Trennfrequenz, Wirkungsgrad der Chassis sowie vom gespielten Musiksignal abhängig sind.Fest steht, dass die Belastbarkeit einer Passivanlage immer vom Tieftöner bestimmt wird, weil er ja die größte Energie verlangt. Folglich sollte man dem Tieftöner im Aktivbetrieb genauso viel Leistung zur Seite stellen - in unserem Beispiel also 100 Watt. Diese 100 Watt nehmen wir nun als Berechnungsgrundlage für den Leistungsbedarf der beiden übrigen Chassis.Wenn die 65 Prozent Anteil des Tieftöners einer Verstärkerleistung von 100 Watt entsprechen, dann bedeuten die 25 Prozent des Mitteltöners knapp 40 Watt. Der Hochtöner - sein Anteil beträgt 10 Prozent - braucht also demnach gute 15 Watt (10 Prozent geteilt durch 65 Prozent mal 100 Watt). Wir fassen zusammen: 100 Watt für den Tieftöner, 40 Watt für den Mitteltöner, 15 Watt für den Hochtöner.Zu stark ist nicht zu starkStellt sich die Frage, wie man den sehr unterschiedlichen Leistungsbedarf umsetzt. Dazu sei erwähnt, dass man einen Lautsprecher problemlos mit einem "zu starken" Verstärker betreiben kann. Solange man nicht die volle Leistung auf den Lautsprecher loslässt, funktioniert das sogar sehr gut.Mit einem Sportwagen, der locker seine 200km/h schafft, darf man ja trotzdem durch die Stadt fahren. Solange man brav die Geschwindigkeitsbegrenzung von 50 km/h einhält, ist alles im Lack.Schaut man sich die Sechskanal-Endstufen auf dem Markt an, dann fällt auf, dass eigentlich kein Modell auf den Betrieb eines Dreiwege-Systems zugeschnitten ist. Die Dinger besitzen meist sechs gleichstarke Kanäle.Deutlich besser passt hingegen die Kombination aus einer potenten Zweikanal-Endstufe und einer kleinen Vierkanal-Version.In unserem Bespiel wären also ein Amp mit 2 x 100 Watt für die Tieftöner und dazu ein Vierkanäler mit 4 x 40 Watt für die Mittel- und Hochtöner ideal. Wie das Beispiel mit dem Sportwagen gezeigt hat, stört die Mehrleistung den Hochtöner nicht, solange man den Lautstärkeregler verantwortungsvoll bedient.Für ein Zweiwege-System bieten sich mehrere Varianten an: So könnte man eine potente Vierkanal-Endstufe auf drei Kanäle umschalten und damit die Tieftöner als auch den Subwoofer betreiben. Der Hochtöner bekäme dann eine eigene kleine Zweikanal-Endstufe. Er könnte sich aber auch mit dem Hecksystem einen kleinen Vierkanal-Nachbrenner teilen.Man sieht: Die Möglichkeiten sind vielfältig. Deshalb ist eine gewissenhafte Planung sinnvoll.Die Probleme im AutoNächstes Kapitel: die Positionierung der Chassis im Auto. Zu Hause stellt man eine Lautsprecherbox nach rechts, eine nach links, den Sessel in die Mitte - fertig ist die Stereo-Anlage. Nicht so im Auto.Allein die asymmetrische Sitzposition vereitelt eine klar fokussierte Bühnenabbildung. Hinzu kommt, dass die Scheiben den Schall knallhart reflektieren wie ein Spiegel. Schade, dass man im Auto keine schalldämpfenden Vorhänge vor die Fenster hängen darf! Der highfidele Hörer wäre begeistert, die Frau des Hauses angetan.Doch jammern hilft nichts, das Auto ist nun einmal ein denkbar schlechter Ort zum Musik hören. Und genau darin liegt die Herausforderung. Das ehrgeizige Ziel besteht darin, Einbauplätze zu finden beziehungsweise herzustellen, die sowohl akustisch als auch optisch passen. Oft wollen sich diese zwei Zielvorgaben nicht gleichzeitig erfüllen, dann zählt der für einen persönlich beste Kompromiss.Dämmung ist die halbe MieteDer Einbauplatz nimmt Einfluss auf das klangliche Verhalten des Lautsprechers. So ist die klassische Behausung des Tieftöners die Tür. Meist in der vorderen unteren Ecke positioniert, strahlt er hier in Richtung Hosenbein.Ein Lautsprecher strahlt seinen Schall aber nicht nur nach vorne, sondern auch nach hinten ab. Der Woofer feuert also die gleiche Energie aufs dahinterliegende Türblech. Ein Teil der Schallenergie wird vom Blech reflektiert, stößt von hinten an die Membran und gelangt so zeitverzögert ebenfalls in den Fahrzeuginnenraum. Diese Nachwehen verfälschen zwar das Signal, treten aber dank des Lautsprecherantriebs bedämpft auf und sorgen zudem erst oberhalb des Bassbereichs für einen welligen Frequenzgang.Die meiste Energie regt währenddessen das Blech zum Mitschwingen an, das dann Resonanzen bildet und ebenfalls wie eine Membran Schall produziert. Das gilt es zu verhindern, indem man das Türblech von innen mit selbstklebenden Bitumenplatten dämmt. Sehr gut funktionieren mit Aluminium kaschierte Platten, die das Türblech ruhigstellen.Das Areal vor der Membran beeinflusst das Signal ebenfalls. Sitzt der Lautsprecher beispielsweise mit großem Abstand hinter dem Gitter in der Türverkleidung, dann bilden sich in dem Zwischenraum Reflexionen aus, die als Pegelüberhöhungen unangenehm auffallen. Dies passiert aufgrund der kurzen Wellenlängen vorzugsweise im Mittelton, im Bassbereich nicht.Speziell der Tiefmitteltöner eines Zweiwege-Systems sollte deshalb mit äußerster Sorgfalt eingebaut werden. Er sitzt am besten möglichst nah an der Türverkleidung, deckungsgleich mit dem Gitter. Etwaige Spalte zwischen Chassis und Verkleidung lassen sich mit selbstklebendem Schaumstoffband abdichten. Die Türverkleidung dämpft man zusätzlich mit selbstklebenden Filzmatten.

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