Vollaktiv-Spezial

Vollaktiv-Spezial Teil 6

Schritt 2: Die AktivweicheLäuft ein Chassis im Bereich der Übernahme halbwegs linear, dann funktioniert die Weiche genau so, wie sie geplant ist. Im Falle unseres Hochtöners zeigt die Kurve jedoch einen Anstieg im 4-kHz-Band. Mit der geschickten Wahl der Trennfrequenz (hier: 3,6 kHz) erzielen wir einen glatten Übergang, wie in der Grafik auf Seite 77 in Reihe 3 zu sehen. Der "echte" Übergangspunkt rutsch dadurch ein wenig nach unten und dürfte dann bei ungefähr 3,2 kHz liegen.Trotzdem erhält der Mitteltöner nach Schema F erst einmal einen Tiefpass bei ebenfalls 3,6 kHz. Da er unterhalb von 300 Hz an Pegel verliert und wir ihn nicht überfordern wollen, stellen wir 315 Hz am Prozessor ein. Alle Flankensteilheiten belassen wir bei den klassischen 12 dB pro Oktave. Wenn alles passt, gibt es keinen Grund, dies zu ändern.In der Kurve zeigt sich noch ein minimaler Anstieg um 3 kHz. Zusammen mit der tiefergerutschten Übernahme des Hochtöners scheint doch eine Trennfrequenz bei 3,2 kHz sinnvoll, exakt wird sich das später bei der finalen Messung zeigen.Der Tieftöner läuft bis 400 Hz glatt raus, so dass wir hier die 315 Hz unverändert übernehmen. Die leichte Überhöhung um 100 Hz macht den Bassbereich etwas fetter und stört nicht groß. Unterhalb der 80 Hz verläuft die Kurve noch recht gerade und gibt keinen Übergabepunkt zwingend vor. Unter 80 Hz sollte aber so langsam Schluss sein. Da der Tieftöner sehr pegelstark ist, kommen hier die beiden Möglichkeiten 63 Hz und 71 Hz in Betracht - je nachdem, wie belastbar er sein soll und wie weit vorne der Bass spielen soll.Ein normaler Tieftöner wäre mit 80 Hz besser bedient. Man könnte sogar auf 90 Hz erhöhen und so den leichten 100-Hz-Buckel etwas mildern, doch zugunsten einer erwachseneren Basswiedergabe verzichten wir darauf.Schritt 3: Die ZeitkorrekturBevor wir nun die einzelnen Chassis zusammenführen, wartet noch die Laufzeitkorrektur des Prozessors auf Input. Ziel ist es, dass die Signale zeitgleich am Ohr ankommen, so wie auf dem heimischen V.I.P.-Fernsehsessel.Weil unser Prozessor die Verzögerung für jeden Kanal abfragt, müssen wir diese erst einmal anhand der Entfernungen ausmessen und berechnen. Ausgangspunkt ist immer das am weitesten entfernte Chassis, dies ist fast immer der Subwoofer. Zeitlich gesehen ist er unser Nullpunkt.Der Ton eines jeden Chassis, das näher am Hörer platziert ist, erreicht das Ohr früher. Diesen Unterschied gleicht der Prozessor mit einer Verzögerung des Signals aus.Unter Normalbedingungen legt der Schall 34,4 cm pro Millisekunde (ms) zurück. Unser Prozessor hat eine Unterteilung von 0,05 ms, die einer Strecke von 1,72 cm entsprechen.Ist der Subwoofer rund 1,65 m und der rechte Tieftöner 1,27 m vom Hörer entfernt, ergibt das einen Unterschied von 38,0 cm. Teilt man die 38 cm durch 34,4, dann erhält man den Zeitunterschied von 1,105 ms. Um diese 1,1 ms verzögern wir den rechten Tieftöner nun zusätzlich.Damit wir später bei der Feinabstimmung des Subwoofers mehr Spielraum haben, geben wir allen anderen Chassis eine zusätzliche Grundverzögerung von 5 ms. Der rechte Tieftöner steht somit auf 6,1 ms. Nach demselben Muster stellen wir die Signalverzögerung der übrigen Chassis einSchritt 4: Die PegelBis hierher haben wir die Lautsprecher einzeln betrachtet - nun ist es an der Zeit, sie zusammenzuführen. Die Gain-Regler an den Endstufen sollten ähnlich eingestellt sein, damit sie nicht so weit auseinander liegen. Anhand einer Frequenzgangmessung kontrollieren wir, in welchem Bereich die Kurve nicht auf Höhe der Zielkurve verläuft. Bereiche oberhalb der Zielfunktion sind zu laut, darunter liegende sind zu leise.Schritt 5: Das FeintuningDie Basis steht, die Anlage klingt schon um Welten besser als vor der Justage. Was fehlt, ist der Feinschliff. Davor gönnen wir unseren Ohren einen Tag Pause, weil sie sich nach den ganzen Messungen nicht mehr richtig konzentrieren können.Am besten hört man morgens, dann ist das Gehör ausgeruht und sensibel. Im Hörcheck entscheidet sich, ob die Trennfrequenz des Mitteltöners besser auf 3,2 kHz oder 3,6 kHz steht und ob das eine oder andere Equalizerband vielleicht doch etwas stärker oder schwächer sein sollte. Die Laufzeitkorrektur variieren wir in kleinen Schritten, bis die Stimme klar fokussiert oberhalb des Armaturenbretts zu hören ist. Im Zweifel hilft der Fachhändler gegen faire Bezahlung sicherlich weiter.

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