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Microsoft-Plattform Windows Phone 8 im Überblick

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Windows Phone 8: Android und Apple Konkurrenz
Windows Phone 8: Android und Apple Konkurrenz
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Konkurrenz für Android und Apple? Wir stellen Windows Phone 8 im Detail vor: Das Bedienkonzept, die Software, die Hardware und alle Neuerungen.

Zwischen 2007 und 2008 eroberten Apple und dann Android den Markt mit ihren Smartphone-Betriebssystemen. 2010 kam mit Windows Phone 7 die erste Reaktion von Microsoft.

Der Software-Riese präsentierte ein erstaunlich modernes Betriebssystem. Dem Bedienkonzept zollen unvoreingenommene Menschen Respekt, doch fehlende Features und von Android und iOS übernommene Unzulänglichkeiten verschreckten die Kunden. Daran konnte auch das Interims- Update auf Windows Phone 7.5 wenig ändern.

Mit Windows Phone 8 macht Microsoft jetzt einen erneuten radikalen Schnitt und räumt mit praktisch allen Kritikpunkten der Vorversionen auf. Zusätzlich wird das ursprüngliche Konzept noch einmal umfangreich optimiert, sodass sich erst jetzt das echte Potenzial von Windows Phone zeigt. Damit und mit den Smartphones von HTC, Nokia und Samsung ist Microsoft zurück im Rennen.

Marktübersicht: Alle Handys mit Windows Phone 8 im Vergleich

Wir stellen auf dieser Seite die Plattform im Detail vor.

Das Bedienkonzept

Das erst "Metro" und später aus markenrechtlichen Gründen "Modern UI" getaufte Bedienkonzept war von Anfang an revolutionär. Doch leider litt es auch an einem großen, jetzt behobenen Manko - dazu später mehr. Nach dem Feinschliff zeigt das Microsoft-Betriebssystem nun seine wahren Stärken.

Der Sperrbildschirm von Windows Phone 8
Der Sperrbildschirm von Windows Phone 8 ©

Sperrbildschirm

Schon in der Vorversion gab sich der Sperrbildschirm sehr informativ. Um zu erfahren, ob seit dem letzten Smartphone-Gebrauch neue Mails, Kurznachrichten oder Anrufe eingegangen sind oder welcher Termin als nächstes ansteht, brauchte es auch bei Windows Phone 7.5 nur einen Druck auf den Einschalter, und der Sperrbildschirm gab bereitwillig Auskunft.

Bei Windows Phone 8 kann der Hintergrund des Sperrbildschirms sogar einen Service bieten und etwa das Bing-Bild des Tages, Artwork zur gerade gespielten Musik oder auch die neuesten Nachrichten darstellen.

In den USA steht für News CNN bereit, einen deutschen Nachrichtenanbieter gab es zum Testzeitpunkt noch nicht. Zusätzlich kann von einer App eine detaillierte Statusanzeige eingeblendet werden, etwa der nächste anstehende Termin oder Details zur letzten eingegangenen Mail.

Fünf weitere Anwendungen können die sogenannte schnelle Statusanzeige nutzen, um etwa die Zahl entgangener Anrufe zu signalisieren. In die schnelle Statusanzeige kann sich auch eine nicht von Microsoft stammende Applikation einklinken, wenn sie das dazugehörende Format unterstützt.

So reicht der Sperrbildschirm in vielen Fällen aus, um sich einen Überblick über den Telefonstatus zu verschaffen; das Einschalten oder gar das Abklappern vieler Apps kann entfallen. Direkt über den auch per PIN sperrbaren Startbildschirm kann in die unter "Anwendungen" gezeigte Kinderecke gewechselt werden, eine gute Lösung für den Schutz von Kind und Smartphone.

Homescreen und App-Liste

Die Benutzeroberfläche Modern UI litt in ihrer ursprünglichen Version wie erwähnt unter einem gravierenden Nachteil: Wegen der Beschränkung auf zwei Kachelgrößen konnten maximal acht Kacheln auf dem sichtbaren Bildschirm eines Windows-Phone-7.5- Gerätes angezeigt werden.

Das ist für den Alltag meist viel zu wenig und macht häufiges Scrollen und die Nutzung der meist sehr langen App-Liste nötig. In der neuesten Version ist noch ein drittes, deutlich kleineres Kachelformat vorgesehen; auf dem sichtbaren Bildschirm eines Lumia 920 sind so bis zu 24 dieser Verknüpfungen zu Apps möglich. Das beschränkt das Scrollen bei geeigneter Wahl auf ein Minimum.

Da die Kacheln auch in der kleinsten Form elementare Informationen von sogenannten Live-Apps präsentieren können, reicht zudem ein kurzer Blick auf den mit wenigen Handgriffen konfigurierten Homescreen, um jederzeit bestens informiert zu sein. Apps öffnen muss man nur noch, wenn es wirklich etwas Neues gibt oder wenn man sie benutzen möchte.

Apps, die man seltener braucht, können auf den normalerweise nicht sichtbaren Teil unterhalb des Homescreens verschoben werden. Zudem gibt es noch die App-Liste, die alle Anwendungen in alphabetischer Reihenfolge enthält. Die war in Windows 7.5 ein Ärgernis - wegen ihrer Länge und weil sie häufig benötigt wurde.

In der neuesten Version braucht der Nutzer die App-Liste nur in Ausnahmefällen. Dadurch kann Windows Phone seine Vorteile bei der Bedienung voll ausspielen und ist das zur Zeit wohl komfortabelste Smartphone-Betriebssystem.

Die Software

Laut Microsoft soll Windows Phone 8 auf demselben Kern wie Windows 8 beruhen, was angesichts der unterschiedlichen Prozessor-Unterstützung nicht ganz schlüssig ist. Gemeint ist wohl, dass Windows Phone 8 und Windows 8 ähnliche Schnittstellen für Anwendungsprogramme bieten.

Dadurch soll eine für Windows 8 programmierte Software mit nur leichten Änderungen auch auf der Phone-Variante lauffähig sein. Für Software-Entwickler ist es natürlich gut, wenn sich ihre Investitionen auf unterschiedlichsten Plattformen amortisieren.

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Ausgeweitet hat Microsoft die Multitaskingfähigkeiten seines mobilen Betriebssystems. Prinzipiell friert Windows Phone eine App beim Wechseln zu einer anderen auf dem aktuellen Stand ein, nach dem nächsten Aufruf kann so nahtlos weitergearbeitet werden.

Schon bisher durfte der Musikplayer im Hintergrund laufen, während die auf dem Display sichtbare App anderweitig im Einsatz war. Doch nun können neben dem Musikplayer auch andere Apps im Hintergrund weiterwerkeln, während im Vordergrund eine neue Anwendung genutzt wird.

Freigegeben hat Microsoft diese Möglichkeit für VoIP-Dienste und für Apps, die standortabhängig arbeiten, etwa Navigationssoftware. Unabhängig davon, ob ein Programm im Hintergrund weiterläuft oder vorübergehend angehalten wird, öffnet ein etwas längerer Druck auf den Zurück- Button wie bisher den Task-Switcher zum Applikationswechsel.

Skype

Prädestiniert für die aktive Arbeit im Hintergrund ist der von Microsoft selbst kommende VoIP- und Messenger-Client Skype. Dieser nutzt die verbesserten Multitaskingfähigkeiten von Windows Phone 8 und läuft bei minimalem Energieverbrauch im Hintergrund, von wo aus er jederzeit auf Kontaktwünsche reagiert.

In der praktischen Erprobung brachte er bei Nutzung über WLAN eine Klangqualität, die die übliche GSM-Telefonie locker toppt. Skype ist eine besonders in WLAN-Netzen preiswerte und zudem für Videotelefonie geeignete Applikation.

Kontakte, Gruppen und Räume

Im Windows-Phone-System zusammengehörende Funktionen in sogenannten Hubs zu bündeln und zu organisieren, ist nicht neu. Den leistungsfähigen Kontakt-Hub hat Microsoft weiter ausgebaut. So kann auf die Gruppen, über die man zum Beispiel seine Arbeitskollegen oder den Freundeskreis gemeinsam kontaktieren kann, jetzt auch per Hotmail zugegriffen werden, etwa vom PC.

Dies ist eine jener Stellen, an der Smartphone und PC nun besser vernetzt sind. Neben den schon praktischen Gruppen gibt es jetzt noch Räume. In denen können ausgewählte Kontakte chatten und auf einen gemeinsamen Kalender sowie Bilder und Notizen zugreifen. Wer seine Familie mit Räumen organisieren will, den könnte es freuen, dass auch Mitglieder, die nur iOS-Devices besitzen, nicht ausgeschlossen werden und viele Funktionen mitbenutzen können.

Alle Funktionen, die einem wichtig sind, gehören auf den Startbildschirm.

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Karten

Karten ist ein Beispiel dafür, dass auch der Software-Riese Microsoft in seiner Betriebssystem-Entwicklung vom Handy-Spezialisten Nokia profitiert. Das Kartenmaterial ist als "Nokia Karten" auf den Windows-Phone-8-Geräten des finnischen Herstellers und als "Microsoft Karten" auf allen anderen verfügbar.

Das Besondere: Das Kartenmaterial aufs Smartphone geladen werden und stehen dann auch offline zur Verfügung. So vermeidet man im Urlaub teures Roaming.

Das Herunterladen ergibt bei knapp 600 MB für die Deutschlandkarte auch im Inland Sinn, um schlechtem Empfang vorzubeugen. Klasse: Auch andere Apps könne sich des Kartenmaterials bedienen, was Entwicklungen von Navigationsdiensten und Ähnlichem beflügeln dürfte. Zumal Nokia mit Diensten, die auf den Maps basieren, mit gutem Beispiel vorangeht.

Kamera

Neu an der Kamera ist die Zoom-Funktion mit den bei Browser und Fotogalerie üblichen Gesten; unklar bleibt dabei aber die aktuelle Auflösung. Eine sehr praktische Innovation sind die sogenannten Lenses. Das sind Zusatz-Apps, die sich in die Fotoapplikation einklinken und die Bilder des Sensors nutzen. Alle installierten Lenses lassen sich über einen Button auf dem Kamerascreen aufrufen.

Vorinstalliert hat Microsoft die App "Bing Scan", mit der sich Barcodes, QR-Codes, Texte, DVDs, CDs und Bücher scannen und die so gesammelten Daten weiterverarbeiten lassen. Auf diesem Weg landet der QR-Code einer Visitenkarte in Sekundenschnelle im Adressbuch, und die fantastische, bei einem Freund gehörte CD ist ruckzuck und ohne Texteingabe im Onlineshop der Wahl bestellt.

Doch Bing Scan ist erst der Anfang, wie Nokia als weiteres Beispiel der engen Zusammenarbeit mit Microsoft mit eigenen leistungsfähigen Lenses beweist.

Wallet, NFC und Verschlüsselung

Mit "Wallet" bietet Microsoft einen gesicherten Bereich zum Ablegen von Kredit-, Bonus- und anderer wichtiger Kartendaten. Zusammen mit einer höchsten Ansprüchen genügenden Verschlüsselung und dem ebenfalls vom Betriebssystem unterstützten NFC schafft Wallet die Voraussetzungen für berührungslose Geldtransfers. Die dürften wohl bald den Weg ins in dieser Hinsicht hinterherhinkende Deutschland finden.

Natürlich ist NFC auch für übliche Anwendungen wie den schnellen Austausch von Visitenkarten oder die einfache Bluetooth-Kopplung gut.

Kinderecke

Bei der Kinderecke von Microsoft handelt es sich um eine Möglichkeit, den Youngstern das Mobiltelefon gefahrlos zu überlassen. In ihr können Programme abgelegt werden, die zur sicheren Nutzung durch Kinder geeignet sind; zusätzlich sollte ein Smartphone mit Kinderecke über eine PIN geschützt sein.

Die Kinderecke wird über ein seitliches Verschieben des Sperrbildschirms erreicht und durch Ausschalten verlassen; aufgrund der PIN kann das Kind danach nicht versehentlich doch ins normale Menü.

Synchronisation

Für die Media-Datenübertragung von Windows-7-, Windows-8- und Apple-Rechern bietet Microsoft nun eigene Programme an. Die getestete Windows-7-Version macht einen sehr übersichtlichen Eindruck. Verglichen mit den verspielten Shoppingzentren von Zune und iTunes ist das eine angenehme Abwechslung.

Daneben gibt es endlich wieder den etablierten Massenspeichermodus, der Nutzern der alten Schule sowieso der liebste ist. Für den Sync von Office-Dokumenten bieten sich die kostenlosen 7 Gigabyte des einfach zu bedienenden Cloud-Services SkyDrive an, für Outlook ist weiterhin Exchange das Mittel der Wahl.

Microsoft Store

Mit rund 120 000 Apps hinkt Microsoft zwar noch hinter Android und Apple her, doch letztendlich sind Qualität und Preis der Apps wichtiger als eine hohe Anzahl. Während der umfassenden Erprobung waren die für den Tester-Alltag wichtigen Apps jedenfalls schnell im Microsoft Store gefunden.

Die Hardware

Bisher glichen sich Windows- Phone-Geräte wie ein Ei dem anderen. Das Betriebssystem legte etwa die Displayauflösung fest. Beim Screen sind nun neben dem bisherigen Standard von 800 x 480 auch 1280 x 720 und 1280 x 768 Pixel möglich.

Damit können Windows-Phone-8-Geräte voll in der Klasse der heutigen hochauflösenden Smartphones mithalten. Erwähnenswert: Während die kleinste Auflösung mindestens 512 MB Arbeitsspeicher haben muss, sind bei den höheren Auflösungen 1 GB vorgeschrieben, beim Datenspeicher liegt das Minimum bei 4 GB.

Daneben unterstützt das neue Microsoft- Betriebssystem nun endlich auch Micro-SD-Card-Slots bis zur SDXC-Spezifikation mit 48 bis 2048 GB. Zudem lässt sich ein Windows Phone nun im Massenspeicher-Modus mit dem PC koppeln.

Das Nokia Lumia 920.
Das Nokia Lumia 920.

Beeindruckend: Während per Explorer Daten kopiert werden, bleibt das Smartphone weiter nutzbar, parallel zu telefonieren ist kein Problem. So sieht Multitasking aus, das auch für Musik, VoIP und ortssensitive Apps zur Verfügung steht. Andere Anwendungen werden beim Verlassen einfach in den Ruhemodus versetzt und stehen bei der nächsten Benutzung blitzschnell und unverändert bereit.

Beim Prozessor setzt Windows Phone 8 nun auf Dual-Core-S4-Power von Qualcomm, mehr Kerne sollen möglich sein. Neu bei Windows Phone 8 ist auch die Unterstützung von NFC.

Fazit

Ist Windows Phone 8 nun das rundum perfekte Betriebssystem? Im Test zeigte es jedenfalls nur sehr wenige, kleinere Bugs, die zum Teil sehr schnell behoben waren. Auch etwas Optimierungspotenzial lässt sich noch ausmachen, der Kalender könnte etwa in der großen Kachel und im Sperrbildschirm mehr als nur den nächsten Termin anzeigen, das würde das Zeitmanagement erleichtern.

Die Hierarchie des Einstellungen-Menüs ist im Bemühen um Klarheit sehr flach und segmentiert geraten. Und die Doppelfunktion des "Zurück"-Buttons in User Interface und Browser ist nicht ganz unproblematisch. Doch von solchen Kleinigkeiten abgesehen macht es einen Riesenspaß, mit einem auf die eigenen Bedürfnisse optimal angepassten Windows-Phone-8-Gerät unterwegs zu sein. So persönlich waren Smartphones bisher nicht.

 
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