Zu Hause
Middle1
Nicht nur Mobilfunk oder UKW verursacht Strahlung - moderne Haushalte mögen’s gerne kabellos und produzieren so Elektrosmog.
Auch zu Hause ist man heutzutage mit mehr elektromagnetischen Wellen umgeben, als man zunächst vermutet. Beim Blick auf das Diagramm (im Downloadbereich unten) zeigt sich sehr schnell, dass bei einem technikaffinen Menschen die Belastung durch WLAN-Datenfunksysteme für PCs und DECT-Schnurlostelefone deutlich stärker zum Tragen kommt als beispielsweise die durch Mobilfunknetze. Klar, denn schließlich stellt man sich mit dem entsprechenden WLAN-Router oder der DECT-Basis einen Sender in die Wohnung. Der funkt zwar mit maximal 250 Milliwatt bei DECT und 100 Milliwatt bei WLAN recht schwach, aber eben ständig. Allerdings: Da beide Systeme recht schwach senden und außerdem auf recht hohen Frequenzen, ist die Feldstärke und damit die Reichweite bescheiden - erst recht, wenn Wände dazwischen liegen. Dies zeigt das rechte Diagramm: In diesem Fall wurde das Messsystem nicht in dem Raum mit dem WLAN-Router und der DECT-Basis postiert, sondern in einem Raum rund acht Meter Luftlinie enfernt, der durch einen Flur und zwei Wände vom ersten Messpunkt getrennt ist. Und schon sieht das Bild komplett anders aus: Während WLAN bereits unterhalb der Wahrnehmungsschwelle lag, und auch DECT schon deutlich schwächer zu empfangen war, schossen auf einmal die Fernsehsender, die im anderen Raum recht schwach waren, nach oben. Kein Wunder - vom zweiten Messpunkt hat man Sicht zum Fernsehturm, während das Fenster im Messraum 1 in den Hinterhof blickt. Trotzdem: Lassen Sie sich nicht von Diagrammen und Statistiken in die Irre führen. So hoch die Balken im Diagramm (im Downloadbereich unten) für die Fernsehsender auch sein mögen: Für DVB im UHF-Band wurden gerade mal 0,0836 V/m gemessen, das entspricht 0,0063 Promille des Grenzwertes. Und auch die DECT-Basis im ersten Messraum kam nur auf 0,5143 V/m und schöpfte damit den Grenzwert lediglich zu rund 0,07 Promille aus. Klar, dass diese Werte in unmittelbarer Nähe zu einem Radio- und Fernsehsender oder direkt neben einer Mobilfunkantenne um ein Vielfaches höher sind. Trotzdem, die Grenzwerte werden selbst dort noch nicht einmal tangiert.
Bedeutung der Messungen in der Praxis
Hier zeigt sich, dass die bloße Umpostierung von WLAN-Router und DECT-Basis einiges bringt: Wer die DECT-Basis im Keller oder in einem selten genutzen Raum betreibt, bekommt im Wohnzimmer kaum Strahlung ab. Ähnlich verhält es sich mit dem WLAN-Router: Nutzt man ein Modell mit absenkbarer Sendeleistung oder stellt das Gerät in einen wenig genutzen Raumt, sinkt die Strahlungsbelastung. Aber noch etwas zeigt sich sehr genau: Der Wohnort und die Richtung des Zimmers zur Strahlungsquelle hat deutlich messbare Auswirkungen auf die Feldstärke: Wer mit direktem Blick zu einem Sender wohnt, bekommt deutlich mehr ab als Bürger, die weiter weg oder in einer anderen Richtung wohnen. Denn: Mit sinkender Entfernung zur Strahlungsquelle sinkt die Feldstärke im Quadrat. Das bedeutet: Entfernt man sich vier Meter von der Strahlungsquelle, hat man es mit der 16fach geringeren Feldstärke zu tun. Kein Wunder also, dass Messungen nur wenige Meter voneinander entfernt oder gar durch eine Wand getrennt komplett andere Resultate zu Tage fördern.
Tipps für den Umgang mit DECT und Co.
Um es noch einmal zu unterstreichen: Bislang ist weder die Schädlichkeit noch die Unschädlichkeit elektromagnetischer Strahlung abschließend bewiesen. Wer trotzdem seine Strahlungsbelastung minimieren möchte, sollte folgende Tipps beherzigen:
- Nutzen Sie für längere Gespräche schnurgebundene Telefone.
- Kaufen Sie DECT-Telefone mit Eco-Mode. Haben Sie noch ein älteres Telefon, verbannen Sie die Basis aus Wohn- oder Schlafzimmer. Setzen Sie die Basis nachts mit einer billigen Zeitschaltuhr außer Betrieb.
- WLAN: Wenn möglich, setzen Sie auf Kabel. Wollen Sie im Garten oder auf dem Balkon surfen, kaufen Sie einen WLAN-Router mit absenkbarer Funkleistung. Oft benötigen Sie nur zehn Prozent der Leistung. Kaufen Sie Geräte, die per Telefon, Taste oder Zeitsteuerung deaktivierbar sind oder automatisch beispielsweise nachts den Sender abschalten.
Die unterschätzte Mikrowelle
Klar, Mikrowellen sind bequem, denn sie erhitzen mit starken elektromagnetischen Wellen die Speisen im Handumdrehen. Gesendet wird im ISM-Band, in dem auch WLAN-Router oder Bluetooth-Geräte funken. Um Essen zu erwärmen, wird allerdings mit horrenden Energiemengen gearbeitet. Um die Strahlung nicht nach außen dringen zu lassen, muss das Gerät inklusive Scheibe und Türspalt geschirmt sein. Trotz dieser Maßnahmen stellt die einwandfrei abgedichtete connect-Mikrowelle den Rekord mit einer Feldstärke von 8,42 V/m auf. Der Grenzwert wird damit zu rund 20 Promille ausgeschöpft. Nicht dramatisch also, trotzdem ist die Strahlung einer Mikrowelle um Welten höher als die eines Fernsehsenders oder gar einer Handyantenne, die in die Wohnung strahlt. Haben Sie Bedenken, nutzen Sie einen konventionellen Herd. Auf jeden Fall tabu ist, eine Mikrowelle selbst reparieren zu wollen - denn dabei laufen Sie Gefahr, die Schirmung zu verletzen.