Testbericht

Aktiv-Lautsprecher ADAM Tensor Beta

Mit professioneller Technik und fairen Preisen will Studio-Spezialist ADAM den Markt für edle Heimlautsprecher aufmischen. 23400€ sind gewiss kein Mitnahmepreise, aber für professionelle Studiotechnik nicht ungewöhnlich.

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ADAM Tensor Beta

© Archiv

ADAM Tensor Beta

Haben Sie eine Vorstellung, wie Profis Lautsprecher beschreiben, die ihrer Meinung nach fehlerhaft klingen? Spezialisten aus der Rundfunk- oder Recording-Szene greifen in solch einem Fall gerne zu einer ebenso griffigen wie abfälligen Bemerkung: "It sounds like HiFi."

Nun lässt sich trefflich streiten, welcher Zweig der Branche letztlich die besseren Boxen baut, faktisch aber können beide Seiten voneinander lernen. So sollten Profis anerkennen, dass bei Privatpersonen Genussaspekte eine größere Rolle spielen als bei der Anschaffung eines Arbeitsgeräts. Im Gegenzug wäre die HiFi-Szene gut beraten, ihre Vorbehalte gegenüber einigen Lösungen aufzugeben, die sich in der Studiotechnik über viele Jahre bewährt haben. Dazu zählen beispielsweise Aktivboxen mit eingebauter Elektronik, deren Vorteile in Sachen Flexibilität und Betriebssicherheit auch beim Heimgebrauch zum Tragen kommen.

Rückseite mit zweitem Basstreiber und Reglern

© Julian Bauer

Die Rückseite zeigt den zweiten Basstreiber wie auch diverse Regler, unter anderem zur Bekämpfung von Raummoden.

Einer, der die Befindlichkeiten und Wünsche beider Seiten nur allzu gut kennt, ist das Berliner Multitalent Klaus Heinz, dessen Erstlingsmarke Arcus  in den achziger Jahren zu den ganz Großen im Geschäft mit Heimlautsprechern zählte und viele legendäre Modelle hervorbrachte.

Den wenigsten stereoplay-Lesern dürfte bekannt sein, dass Klaus Heinz zwischenzeitlich mit seiner 1999 gegründeten Marke ADAM Audio einen kometenhaften Aufstieg in der Studioszene hingelegt hat. Tonspezialisten aller Herren Länder nennen das junge Label bereits in einem Atemzug mit langjährig etablierten Namen wie Genelec oder Dynaudio.ADAM-Monitore stehen beispielsweise in den Abbey-Road-Studios, Sony Music produziert damit in der Berliner Philharmonie mehrkanalige Neueinspielungen historischer Karajan-Aufnahmen, rechtzeitig zu seinem 100. Geburtstag im nächsten Jahr.Vor diesem Hintergrund forciert ADAM nun den Wiedereintritt in die Herzen der HiFi-Jünger. Die Wohnzimmer-Modelle sollen die gleiche Klangphilosophie transportieren, nur Formgebung (schlanker) und Oberflächen (wertiger) sind angepasst.

Neben der weiterhin lieferbaren Classic-Baureihe (siehe stereoplay 10/2004) gibt es nun brandaktuell die Tensor-Familie, bestehend aus den Modellen Alpha, Beta und Gamma.Bereits das mittlere Modell ist mit 77 Kilo Spielgewicht pro Exemplar und einem Paarpreis von 23400 Euro das glatte Gegenteil einer Luftnummer. Die Summe mag anfänglich abschrecken, faktisch aber ersteht der Anwender damit eine komplette Boxen- und Verstärkersektion mit fünf Endstufen pro Kanal und zahlreichen Komfortfunktionen.

Funktion der Air Motion Transformer

© Julian Bauer

Die Skizze verdeutlicht die Funktion der Air Motion Transformer. Eine stromdurchflossene, mehrfach gefaltete Membran aus Kapton (gelb) schwingt wie ein Blasebalg in einem starken Magnetfeld (grau).

Auf Wunsch (Minderpreis 2400 Euro) liefert ADAM eine halbaktive Version, bei der lediglich der Bassbereich mit Verstärkern und elektronischen Filtern ausgestattet ist; diese war allerdings zum Testzeitpunkt noch nicht serienreif.

Die Beta ist mechanisch ein Zweiteiler. Kleine Sandsäckchen entkoppeln das obere Drittel von der Bass- und Elektronikabteilung. Doppelwandig ausgeführte Gehäuse versprechen eine überragende Neutralität, eine Zwischenschicht wiederum aus Sand sorgt für Ruhe.Im unteren Teil sind zwei 11 Zoll große Basstreiber um 180 Grad zueinander versetzt. Beide tragen ultrasteife Hexacone-Membranen und beatmen ein gemeinsames Reflexrohr. Der Vordere ist bis 120 Hertz im Einsatz, sein hinterer Kollege macht in Subwoofermanier bei 60 Hertz Feierabend.

Den Grundtonbereich bis rund 800 Hertz betreut ein deutlich kleinerer, ebenfalls Hexacone-bestückter Konus, darüber agieren zwei ADAM-eigene Folientreiber, die sich als Weiterentwicklung des legendären Air-Motion-Transformers entpuppen. Musiksignale nimmt die eingebaute Elektronik wie in der Studiotechnik üblich in symmetrischer Form entgegen; die Verzweigung in den oberen Teil erfolgt über kontakt- und verpolungssichere Speakon-Verbindungen.

Adam Tensor Beta Mittel-Hochton

© Julian Bauer

Zwei unterschiedlich große Systeme (Einsatzbeginn 800 und 2800 Hertz) sitzen so dicht wie nur möglich zusammen.

Dass Schönfärberei für die Beta kein Thema ist, wurde schon nach wenigen Takten deutlich; gnadenlos aber klang sie keineswegs. Vielmehr offenbarte die Beta eine atemberaubende Klangfarbentreue und ein Höchstmaß  an Glaubwürdigkeit.Die stupende Neutralität ging einher mit einem Drive und einer Spontaneität, für die das Prädikat "sensationell" beinahe eine Untertreibung darstellt. Der Antritt der Beta war machtvoll und doch leichtfüßig, Trägheitseffekte ganz offensichtlich ein Fremdwort.Selbst vermeintlich spannungsarme Klassik wurde so zum Genuss, etwa das "Finale Allegro con Spirito" aus Joseph Haydns Sinfonie Nr. 88. Dieses furiose Beispiel heimischer Toningenieurskunst (Dabringhaus und Grimm) finden stereoplay-Leser kostenlos auf Heft 5/2007.

Das explosive Klangbeispiel ging der Tensor Beta wunderbar trocken und doch geschmeidig von den Membranen, selbst die lautesten Tuttistellen tönten herrlich feingliedrig und natürlich.

Effektvoll abgemischte, hochdynamische Paradestücke wie der "Tuva Rap" von melo X (ebenfalls auf besagter CD) explodierten förmlich vor Kraft und Bandbreite, ohne unangehm auf die Ohren zu drücken. Selbst kernig laut musste bei dem obertonreichen Stück kein Hörer um seinen Zahnersatz fürchten, die phantastische Detailfreude kam ohne Aggressivität zustande.

Sorgen machen muss sich nur die Passivboxen-Fraktion, denn 64 Klangpunkte kosten dort (adäquate Endverstärker eingerechnet) gut und gerne das Doppelte.

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