Testbericht

Aktiv-Lautsprecher Linn Komri A + Chakra 4200

Linn hat sein teilaktives Flaggschiff  Komri überarbeitet und eine Aktivweiche dafür entwickelt. Damit stellt sich die alte Prinzipienfrage wieder neu. Im Falle der Komri kann stereoplay sie eindeutig beantworten.

  1. Aktiv-Lautsprecher Linn Komri A + Chakra 4200
  2. Datenblatt
Aktiv-Lautsprecher Linn Komri A + Chakra 4200

© Archiv

Aktiv-Lautsprecher Linn Komri A + Chakra 4200
4-Wege Passiv-Weiche

© Julian Bauer

Die 4-Wege Passiv-Weiche ist üppig bestückt. Bei der Aktivierung wird sie durch eine Art Placebo ersetzt, das die Kontakte durchschleift.

Still und leise vollzieht sich derzeit bei Linn ein Wachwechsel. Der Übervater Ivor Tiefenbrun übergibt im Laufe der nächsten Jahre die Entscheidungsgewalt an seinen Sohn Gilat. "Die audiophile Welt ist im Wandel", sagt Ivor, "deshalb müssen neue Leute mit frischen Ideen und Denkansätzen her." Der Lotse geht also von Bord, doch der Kurs bleibt eingeschlagen: Die Tiefenbrunschen Glaubenssätze hat natürlich auch der Sohn verinnerlicht. Zum Beispiel diesen: Hast Du die Wahl zwischen aktiver und passiver Box, nimm die aktive. Das ist die bessere. Oder auf gut Linnisch: "The truth will be active."

Dabei wurden die Schotten sich vor fünf Jahren in diesem Punkt  selber untreu. Da nämlich inthronisierten sie ihr Lautsprecher-Flaggschiff Komri, eine Fünfwegekonstruktion, bei der aber "nur" der gegengekoppelte Doppelbass aktiv angesteuert wurde; der gesamte Mittelhochtonbereich hing an einer Passivweiche.

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© Julian Bauer

Das 4K-Array: Mittel-, Mittelhoch- und Hochtöner sitzen vor der Tiefmittelton-Membran.

Obwohl sie von der aktiven Ideallinie Tiefenbruns abwich, war die Komri fraglos der beste und charaktervollste Linn-Schallwandler - was man ihm auch ansah: eine wuchtige, schottisch-ehrliche Haut, bei der mädchenhafte Rundungen oder Versuche, das Gehäuse grazil zu halten, nur peinlich gewesen wären. Eine solid-kantige Säule, mit wunderschöner Oberfläche, gemacht wie für die Ewigkeit und bestückt mit zwei 1000-Watt-Endstufen für die beiden Bässe sowie den besten Chassis, die die Schotten zu bieten hatten. Eine echte Referenz eben.

Und die Komri 2006 ist es mehr denn je. Auf  eine optische Überarbeitung verzichtete man bei Linn zu Recht: Ein so schnörkelloses Design hat durchaus seine eigene Würde und Eleganz. Doch auch die technische Evolution fiel milde aus, zumal der aktive Bassbereich komplett übernommen wurde; er gilt bei Linn als perfekt. Der 17-Zentimeter Tiefmitteltöner hingegen - wie die beiden 25er-Bässe vom japanischen Spezialisten Foster - wurde gegen ein deutlich verzerrungsärmeres Modell ausgetauscht, weshalb die gesamte Weichenschaltung überarbeitet werden musste.

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© Julian Bauer

Vorteile der Aktivtechnik: An der Aktivweiche Tunebox lassen sich alle vier Bereiche (Tiefmittel-, Mittel-, Mittelhoch- und Hochton) per Regler 2 Dezibel feinfühlig im Pegel anpassen.

Die anderen Veränderungen sind mechanischer Natur und betreffen das 4K-Array. Hier sitzen die Mittel- und Hochtonkalotten in einem Steg, der sich über die trichterförmige Vertiefung (Linn-Jargon: Scoop) vor dem Tiefmitteltöner schwingt. Der Steg und besagter Scoop bestanden früher aus resonanzanfälligem Plastik. In der Komri 2006 fühlen sie sich nur noch so an - sind aber aus robustem Alu.

Noch ein Wort zur Idee des Arrays: Hier sollen die Schallentstehungszentren der Mittel- und Hochtöner so weit zusammengebracht werden, dass der Eindruck einer Punktschallquelle entsteht. Eine weitere Besonderheit des Arrays ist die 75 Millimeter große Mitteltonkalotte, die wegen ihrer Taumel-Effekte eigentlich einen mäßigen Ruf hat. Dazu Linn-Entwicklungsleiter Bill Miller: "Wir wollen eine konstant breite Abstrahlung erreichen. Das schaffen wir nur mit dieser Kalotte."

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© Julian Bauer

Linns Aktiv-Spezialistin Elena Prokofieva (rechts) überwacht stereoplay-Highender Dalibor Beric beim Komri-Umbau.

Allerdings ist es genau diese Kalotte, die den Maximalpegel (102 Dezibel) und den Wirkungsgrad des passiven Mittelhochton-Bereichs limitiert: Auf nur 81,5 Dezibel (bei 1 Watt / 1 Meter) kommt die Komri 2006. Wer also meint, wegen ihres aktiven Basses mit leichtgewichtigen Verstärkern auszukommen, der irrt: Hier ist Leistung gefordert.

Wohl auch deshalb war den Schotten die Sache mit dem "nur" teilaktiven Flaggschiff  selbst nicht geheuer. Also entwarf Linns Aktiv-Expertin Dr. Elana Prokofieva die Tunebox: eine mono aufgebaute Aktivweiche in bildhübschem, aus dem Vollen gefrästem Alu-Gehäuse und im Paar 14300 Euro teuer. Die promovierte Akustikerin erlaubte sich dabei Abweichungen vom passiven Vorbild und variierte Übergangsfrequenzen und Filtersteilheiten ein wenig. Zudem setzte sie bei 1,5 Kilohertz einen resonanzmindernden Notch-Filter. Damit ist die aktivierte Komri theoretisch im Vorteil.Und klanglich?

Aufbau

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Im Schnittbild ist der aufwendige Aufbau der Komri gut zu sehen: Das stabile Gehäuse (1) mit 35 Millimeter Wandstärke wird durch zahlreich Innenversteifungen (2) noch rigider. Die Passivweiche (3) in eigener Kammer. Wird bei Aktivierung ausgebaut. (4) Bass-Aktiveinschub (2x1000 Watt) in eigener Kammer. (5) Doppelbass-System mit zwei 25er Bässen und Servo-Gegenkopplung. (6) 4K-Array mit eigener Kammer für den 17er-Mitteltöner.

Vor der Beantwortung dieser Gretchenfrage wollten wir zuerst einmal die Qualitäten der normalen Komri an der stereoplay-Referenzanlage ausloten - und waren perplex. Die Komri begeisterte mit einem Bass, der einen schüttelt, der einen packt, der einen in die Musik hineinzieht, ohne wieder loszulassen. Ohne jeden Dröhn, ohne einen Anflug von Unsauberkeit zeigten die beiden 25er-Bässe, wie vielschichtig Aufnahmen sein können, wenn auch der Bereich unter 30 Hertz perfekt wiedergegeben wird.

Normalerweise neigen Lautsprecher mit solch hochgenauem Bass auch in den oberen Lagen zu einer nüchternen Präzisionsdarstellung, die dann schnell kühl und hart wirkt. Ganz anders die Komri. So geschmeidig, so "schön" und gut hatten wir Bachs Weihnachtsoratorium (DG) noch nie gehört. Alle Stimmen waren auch in der Höhe gut zu orten, hatten Kraft, waren fein durchgezeichnet, wurden aber auch bei höheren Pegeln nie lästig - ungewöhnlich bei dieser Aufnahme.

Zwar fehlte den oberen Lagen diese herausragende Lebendigkeit, diese spektakuläre Energie des gegengekoppelten Basses, aber just mit diesem Gegensatz zog uns die Komri in ihren Bann: Supergenauer Bass trifft vollmundig-runden Mittelhochtonbereich - und wirkt dennoch wie eine homogene Einheit, mit der man stundenlang Musik hören will. Ein Genuss. Und das soll vollaktiv noch getoppt werden?

Um den Vergleich fair zu halten, spielten wir die teilaktive Komri mit stereoplays langjährigen Referenz-Endstufen Linn Klimax 500 Solo (Test 11/02, Gesamtpreis mit Komri: 63400 Euro) gegen die aktive Version mit Tunebox und zwei 4-Kanal-Endstufen Chakra C 4200 (zusammen 67600 Euro).

Und waren noch perplexer. Weil das gesamte Klangbild der aktivierten Komri noch druckvoller wurde und so selbst der superbe Bassbereich abermals an Durchschlagskraft gewann. Weil vor allem ihre oberen Mitten, dort, wo sie uns passiv etwas zahm erschien, noch einmal spürbar an Feinauflösung und Abbildungsgenauigkeit zulegten. Und mit der Aktivierung löste sich das Klangbild noch selbstverständlicher von den wuchtigen Säulen. Die Vorzüge waren für uns so gravierend, dass wir die Komri natürlich in der Aktiv-Version empfehlen und so, wie gehört (mit den Chakra-Endstufen C 4200), auch in der Rang & Namen-Liste einordnen.

Linn Komri aktiv + Chakra 4200

HerstellerLinn
Preis67600.00 €
Wertung66.0 Punkte
Testverfahren1.0

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