Testbericht

Aktivlautsprecher ME Geithain RL 940

Die RL 940 (5300 Euro das Paar) von ME Geithain glänzt zwar nicht mit optischen Reizen, dafür mit professioneller Aktivelektronik und einem Koax-Treiber.

  1. Aktivlautsprecher ME Geithain RL 940
  2. Datenblatt
Lautsprecher ME Geithain RL 940

© Archiv

Lautsprecher ME Geithain RL 940

Der Umgang mit der technisch brandneuen RL 940 war insofern faszinierend, als von ihr der geringste optische Reiz ausging. Besucher, für die Geithain bislang kein Begriff war, dachten, es handle sich um eine provisiorische Holzkiste zum Messen von Autochassis.

Lautsprecher ME Geithain RL 940

© Julian Bauer

Die aufgeräumte Rückseite ist fast vollständig von einem riesigen Kühlkörper belegt.

Doch derlei Häme verstummte, sobald die Leuchtdiode im Bügel des Hochtöners auf Grün sprang und die RL 940 dermaßen entfesselt loslegte, dass selbst abgebrühte Highender eine Gänsehaut bekamen und hernach aufgeregt wie Schulbuben um die schmucklosen Kästen schlichen, weil sie kaum glauben konnten, dass man feinstes High-End so unemotional verpacken kann.

Hinter der unauffälligen Kulisse, die Profis nicht von der Arbeit ablenken soll, steckt ein Name, der im Studiobereich längst Weltgeltung genießt: Musikelektronik Geithain wurde 1960 gegründet und war zu DDR-Zeiten ein volkseigener Betrieb. Ihren Namen verdankt die Firma einer Kleinstadt auf halbem Weg zwischen Leipzig und Chemnitz.

Im Profibereich sind die Sachsen, die über eine beneidenswerte Fertigungstiefe verfügen und sogar Schwingspulen im eigenen Haus wickeln, schon längst dick im Geschäft.

Großspurige Werbesprüche oder Designambitionen sind nicht Sache der traditionsreichen Profischmiede. Die technischen Beschreibungen wirken auffallend ehrlich und sachbezogen, für manchen Geschmack vielleicht ein wenig trocken, zumindest aber erfrischend marketingfrei. Zumal Profis sich weder von Voodoo noch von markigen Sprüchen beeindrucken lassen.

Lautsprecher ME Geithain RL 940

© Julian Bauer

Die Elektronik der Geithain lässt sich nicht aufklappen. Über fünf Potentiometer kann der Anwender seine Boxen sehr feinfühlig anpassen.

Signale nimmt die RL 940 selbstverständlich symmetrisch entgegen und leitet das Ganze zunächst an eine penibel abgestimmte Frequenzweiche, der zwei klassisch-analoge MOSFET-Endstufen aus eigener Herstellung folgen.

Die Wandlung selbst bewerkstelligt eine Geithain-typische Verbundkonstruktion aus einem hochbelastbaren 8-Zoll-Konus plus via Metallbügel vorgehängter Hochtonkalotte. Dass der kantenreiche, rustikal wirkende Aufbau keine ausufernden Interferenzen verursacht und vielmehr prächtig funktioniert, lässt sich am gleichmäßigen Rundstrahlverhalten ablesen.

Überhaupt schien sich die RL 940 im Messlabor pudelwohl zu fühlen. Ihr gelang mit 35 Hertz bezogen auf -3 Dezibel nicht nur der tiefste Bass, auch in Sachen maximale Lautstärke lag die Sächsin vorn und übertraf ihre Wettbewerber sogar deutlich.

Für Tüftler und Tuner weniger erfreulich ist die Tatsache, dass die Ortsfilter erst nach Öffnen der Rückwand zugänglich sind und dass die winzigen Potentiometer nur zusammen mit einer Vor-Ort-Messung zuverlässige Klangveränderungen liefern. Kunden ohne eigene Messgeräte sollten daher den Einmessservice des Herstellers dazubestellen, der auch in Sachen Raumakustik klangwerte Tipps beisteuern kann.

Lautsprecher ME Geithain RL 940

© Julian Bauer

Eine grüne LED signalisiert Bereitschaft, Überlastung lässt sie blinken.

Doch zurück zum Klangvergleich. Wieder und wieder durften sich die drei Monitore via symmetrische Kabel auf direktestem Weg an der Referenzvorstufe Thorens TEP 3800 (Test in Heft 5/2008) laben, und jedes Mal waren die Tester wie elektrisiert von dem Gefühl, förmlich in jedes Bit und jede Plattenrille hineinzusehen - so lupenhaft-lebensecht und doch unangestrengt, wie es passive Lautsprecher, wenn überhaupt, nur in deutlich höheren Preisklassen gelingt.

Obwohl alle drei auf ihre Art prachtvoll lebendig, offen und natürlich klangen, war es mehrfach die Geithain, die noch einen draufsetzen konnte, die ein atemberaubendes Gefühl von Richtigkeit vermittelte, das auch bei nicht geschulten Ohren auf Anhieb Anklang fand.Zweiflern sei empfohlen, der kleinen RL 940 mal einen ausgewachsenen Konzertflügel abzuverlangen: ein Instrument, das ob seiner Frequenzbandbreite und Dynamik traditionell viele Ketten in arge Verlegenheit bringt.

Und ich gehe jede Wette ein: So leuchtend und rein, so hingebungsvoll korrekt und detailgenau haben Sie den König der Instrumente vermutlich noch nie gehört. Außer im Original oder mit einer erheblich größeren und teureren Box.

ME Geithain RL 940

HerstellerME Geithain
Preis5300.00 €
Wertung59.0 Punkte
Testverfahren1.0

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