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Testbericht

Apple iMac im Test

Apple iMac
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Skulpturale Schönheit statt graue Kisten: Mit dem neuen iMac distanziert sich Apple mehr denn je vom klassischen Computer.

Apple iMac 21,5 Zoll 2,7 GHz

Testwertung:

  • Verarbeitung: 95%
  • Design: 95%
  • Rechenleistung: 80%
  • Betriebsgeräusche: 90%
  • Bildqualität: 90%

Eigentlich ist es ja ein Frevel, wenn man Apples iMac mit einem klassischen Desktop-PC vergleicht. Und doch machen wir es ständig: Beim Preis, den technischen Details, den Benchmarks – bei all den Daten, die irgendwie einen quantitativen Wert liefern sollen, der aussagt, wie gut ein Computer ist. Oder wie schnell. Oder wie preiswert.

Beim neuen iMac geht dies jedoch gewaltig schief. Apple hat sich mit seinen All-in-one-Computern schon immer der Vergleichbarkeit mit anderen Rechnern entzogen. Die iMacs waren bei der Leistung nie wirklich spitze, wuchern aber seit jeher mit einem Pfund, mit dem andere Computer nicht dienen können: Emotionalität durch das besondere Design.

Der erste, bunte iMac Ende der 90er Jahre brachte Spaß auf den Schreibtisch, der „Lampen“-iMac G4 anno 2002 war anders als alles bislang Gesehene, und die ersten weißen iMacs sorgten 2004 mit ihrer Konstruktion, die alles in einem Gehäuse vereinte, für großes Aufsehen.

Und der Neue? Was hat man seit der Präsentation im Herbst 2012 nicht alles gelesen: schlecht aufrüstbar, das Gehäuse unnötig dünn, kein DVD-Laufwerk, viel zu teuer – statt der üblichen Vorschusslorbeeren fast nur Genörgel und Gemecker.

Gehäuse: Mehr Skulptur als Computer

Doch wenn man den iMac das erste Mal in natura erblickt, kann man sich seiner Faszination kaum entziehen. Der neue Apple ist derart elegant und konsequent, ja radikal gestaltet, dass das Wort Computer fast schon eine Beleidigung ist. Er ist ein Schmuckstück, eine Skulptur, ein Statement.

Ja, es stimmt, von vorne sieht man nichts von dem seitlich nur fünf Millimeter dicken Gehäuse – so besehen steht der Neue fast so da wie sein Vorgänger. Doch wenn man nur ein bisschen seitlich versetzt auf ihn schaut, ziehen einen die nahtlos aufgesetzte Rückseite, die perfekte Verarbeitung auch kleinster Details und die sanfte Ausbuchtung, in die die Hardware integriert ist, unweigerlich in ihren Bann.

Wenig servicefreundlich

Der Preis für diese Schönheit ist die mangelhafte Zugänglichkeit: Das Display ist mit der Alurückseite verklebt, was die schmale Bauweise des Rands überhaupt erst ermöglicht – allerdings ist der Computer so nur noch vom Fachmann sicher zu öffnen. Beim Display selbst verzichtet Apple zudem auf den Luftspalt zwischen Bildschirm und Abdeckscheibe, das spart nochmal zwei Millimeter ein, das Bild erscheint ähnlich wie bei einem Smartphone wesentlich direkter und näher.

Die Rückseite leicht gebogen.
Die Rückseite leicht gebogen. ©

Da nur der große iMac mit 27-Zoll-Screen von außen zugängliche Steckplätze für den Arbeitsspeicher bietet, fällt die Selbstaufrüstung beim Modell mit 21,5 Zoll gänzlich aus. Auch in Eigenregie die Festplatte gegen eine SSD zu tauschen, ist nicht mehr möglich.

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Zwar war dies auch bei den bisherigen Modellen aufgrund der komplizierten Konstruktion eher eine Angelegenheit, der sich versierte Bastler nach Ablauf der Garantiezeit widmen konnten – aber immerhin kann man einen fünf Jahre alten iMac mit SSD und Speicher dermaßen hochrüsten, dass es sich problemlos mit ihm arbeiten lässt; das wird mit dem neuen iMac nicht funktionieren. Auch der SD-Slot auf der Rückseite ist wie die USB-Anschlüsse nicht ergonomisch platziert.

Das scheint die Kunden indes nicht zu stören: Vom Handel hört man, dass man vom Ansturm überrascht worden ist – und weil offensichtlich auch noch Lieferprobleme dazu gekommen sind, beträgt die Wartezeit vor allem beim 27er Modell derzeit mehrere Wochen.

Im Test souverän

Apple iMac 21,5 Zoll 2,7 GHz Messergebnisse:
  • Stromverbrauch (Max/Leerlauf/Ruhezustand): 70/24/1,4 Watt
  • Cinebench OpenGL/CPU: 35,47/4,47
  • Festplatte lesen/Schreiben: 101/100 MB/s
  • Geekbench: 8336
  • Browsermark: 4716

Stellt sich die Frage nach den inneren Werten. Die werden Apple-Aficionados natürlich empört von sich weisen und stets mit „Mehr als genug!“ beantworten. Doch wir nähern uns der Sache mit der gebotenen Neutralität und haben dem schlanken Schönling auf den Zahn gefühlt.

Im Test hatten wir das Einstiegsmodell zum Preis von 1349 Euro, mit 21,5-Zoll-Display, 2,7-GHz-Core-i5-Prozessor und der Standardfestplatte mit 1 Terabyte Speicher, bei der es sich um ein 2,5-Zoll-Modell handelt.

Damit schneidet der iMac in den einschlägigen Benchmarks standesgemäß, aber nicht überragend ab – seinen direkten Vorgänger übertrifft er beim Geekbench um rund 15 Prozent, einen Mac Mini von 2011 lässt er mit rund 25 Prozent Leistungszuwachs hinter sich. Die 2,5-Zoll-Festplatte, die schon im Vorfeld als Flaschenhals gehandelt wurde, schlug sich mit einer Schreib-Lese-Leistung von je rund 100 MB pro Sekunde mehr als ordentlich.

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Doch viel mehr als diese Daten sagt das Gefühl aus, das sich beim Arbeiten am iMac einstellt. Alles wirkt schnell und souverän, ausgewogen und flüssig. Die Reflexionen des verspiegelten Bildschirms sollen aufgrund der neuen Konstruktion um 75 Prozent zurückgegangen sein – wir können das bestätigen: Die Bildqualität ist schlicht hervorragend.

Apple iMac

Skulpturale Schönheit statt grauer Kiste.

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Kaum zu hören

Dazu passt, dass der iMac nahezu nicht zu hören ist – obwohl die Festplatte hinterm Display und damit direkt vor dem Gesicht des Nutzers montiert ist, sind so gut wie keine Zugriffsgeräusche zu vernehmen.

Auch den Lüfter kann man in normalen Umgebungen nur erahnen, zudem haben wir es selbst mit einem Stresstest nicht geschafft, den iMac so aufzuheizen, dass die Lüfter Vollgas geben. Vielmehr erinnert das Ganze an das Arbeiten mit einem iPad – ein in sich geschlossenes Gerät wie aus einem Guss, kaum Betriebsgeräusche und flüssige Reaktion auf alle Eingaben.

Nur wer einen Mac mit einer SSD als Systemlaufwerk gewohnt ist, mag monieren, dass die Reaktion bei selbigem hier noch unmittelbarer, noch zackiger erfolgt – mit der Festplatte im iMac wirken die Programmstarts ebenfalls flüssig, aber wie in Watte gepackt.

Dies ist aber auch der einzige Kritikpunkt – wer es sich irgendwie leisten kann, sollte daher gleich ab Werk die Option Fusion Drive für 200 Euro mitbestellen. Hierbei wird die unverändert große Festplatte von einer 128 Gigybte großen SSD flankiert, die häufig gebrauchte Daten zwischenspeichert – man arbeitet also quasi mit SSD-Geschwindigkeit, während die Festplatte im Hintergrund als Datenablage fungiert.

Die Schlitze sind Lautsprecheröffnungen.
Die Schlitze sind Lautsprecheröffnungen. ©

Fazit: Klein oder groß?

Kein Überflieger bei der Leistung – aber ein für sich sprechendes Gesamtkunstwerk: Der neue iMac will nicht nach Standardkriterien beurteilt werden. Er zeigt vielmehr, wohin die Zukunft bei Apples Macs geht.

Welchen soll man also kaufen? Unser Einstiegsmodell ist allen Aufgaben im privaten Bereich vollauf gewachsen – wer auf zackigeres Arbeitstempo Wert legt, sollte sich die 200 Euro Aufpreis zum 2,9-Gigahertz- Modell sparen und lieber in der Basisversion das Fusion Drive bestellen. Oder gleich zum 27-Zoll- Modell greifen, das mit mehr Aufrüstoptionen und einer schnelleren Standardfestplatte nochmal eine Schippe draufsetzt.

 
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