Transistor-Vollverstärker

Arcam A49 im Test - Ganz große Pläne

Wir haben den Arcam A49 im Test. In Sachen Ausstattung und Bedienung sowie bei der Bass-Wiedergabe kann der Transistor-Vollverstärker überzeugen.

Arcam A49 im Test

© Arcam

In Sachen Ausstattung und Bedienung kann der Transistor-Vollverstärker überzeugen.

Pro

  • Ausstattung, Bedienung, Verarbeitung: sehr gut
  • phantastische Bässe

Contra

  • durchschnittliche Höhenauflösung

Fazit

Ob es für den Titel "best ever" schon reicht, möchte AUDIO nicht beurteilen. Auf jeden Fall liefert der neue A49 von Arcam sensationelle, druckvolle, substanzielle Bässe mit wunderbarem Timing. Insofern schon sein Geld wert, braucht er sich nicht zu schämen, dass eine glückliche Class-A-Röhre Höhen noch besser kann!

Arcam A49 im Test: "The best integrated ever" lautete die Entwicklungsvorgabe für den Arcam A49. Daher dachten sich die Ingenieure die Vereinigung eines Class-A-Davids mit einem AB-Watt-Goliath aus. Kein Zweifel - denken wir nur an Arcam, Creek, Exposure, NAD, Rotel, Sugden und so weiter, dann wissen wir: Die Leadership beim Thema klangvolle und dennoch preisgünstige Vollverstärker haben ganz klar Firmen im Vereinten Königreich abonniert. Kaum auszudenken, was die Briten erst hervorbringen, wenn sie am ganz großen Rade drehen!

So freut sich die HiFi-Gemeinde auf Arcams neuen A49 schon wie ein kleines Kind. Und nickt anerkennend, wenn die Ingenieure den Amp in Cambridge entwickeln und nun nicht etwa am günstigsten, staubigsten Ort zusammenschrauben, sondern in Rochester, New York - also auf denkbar teurem, aseptisch reinem Pflaster.

Logischer Weise huldigt der A49 (rein äußerlich, versteht sich) britischem Understatement, wo er nur kann. Während andere ihre relativ schlichte Elektronik mit Kilos an tumbem Massivmetall beschweren, tritt der Arcam für 5000 Euro in einem äußerst schlichten, ofengrauen Blechkleid an. Und der breite Schlitz unten auf der Front dient keineswegs der Zierde, Arcam stanzte ihn zu nichts anderem als zur Unterstützung der Konvektionskühlung ins Alu hinein.

"Client who, streaming what?" Keine Sorge, schon an der Fußnoten- Beschriftung lässt sich ablesen, dass der A49 klassische Werte schätzt. "Ach der schönen Zeit gedenk' ich", träumt der Highender, wenn er AV, PVR oder BD unter einem Teil der Bedienlinsen liest. Auch wenn er - obwohl schon ein älteres Semester - längst keine Heimkino- Ideen mehr hegt, den Videorecorder vor Jahren entsorgte und der Filius etwaige noch vorhandene Blu-ray-Disc ganz woanders genießt.

Und "Tuner" und "Sat" hört in Deutschland seit Ton-Totalverstümmelung und Gebühren-Klau ebenfalls niemand mehr. Aber egal, es kommt ja noch CD und Phono dazu - und letztlich die Einsicht, dass der Newcomer genügend Line-Ins, eine Tapeschleife und einen Preamp für Moving-Magnet-Pickups besitzt. Und bitteschön, wie es sich für die Upper Class gehört: symmetrische XLR-Buchsen sowohl für einen Eingang als auch für einen Pre-Out.

Arcam A 49 im Test

© Arcam

Die beiden heißen Pole der "echten" symmetrischen Anschlüsse stehen mit eigenen Amps in Verbindung. Der A 49 nimmt sich auch zweier Boxenpaare an.

Die Platinen im Innern des A49 zeigen es schon mit den vornehm-weißen Firmenchef- Schriftzügen "John Dawson": Jetzt wird's versnobt! Denn gelang es Arcam etwa mit dem Multikanaler AVR 450 Surroundklang praktisch neu zu definieren, nahmen die Cambridgler ihre Boliden ungerührt als Schaltungs-Vorbild für den A49 her. Stellen (zweikanalige) ICs die Eingänge durch, agiert die elektronische Lautstärkeregelung mit einem Cirrus PGA 2311. Es folgt wie bei den AVRs ein National- Semiconductor-Kraft-Chip namens "Ouverture".

Eigentlich vermag dieses Profi-Teil schon 2 x 50 Watt zu stemmen. Muss es aber nicht, damit es bei einem winzigen Bruchteil dieser Leistung immer schön im besten Kennlinienbereich, sprich beim Class-A-Betrieb bleiben kann. Mit vollendet leichter Hand weist es ein modernes Transistor- Set von Semi-On zur Arbeit an: die Vortreiber und Treiber sowie die sechs NJL3281/13020, die im Gegentakt angeordnet jeweils rechts und links im Ausgang sitzen. Aber kaum schwitzen, da sie in ihrem Korpus eine Thermo-Diode besitzen, die einer Automatik auf schnellstem Wege berichtet: "Stell' jetzt mal diesen oder jenen aktuell günstigen Ruhestrom ein."

Und jetzt kommt noch dazu (und das geschah bei den AVlern noch nicht): Bleib' bei normalen Abhörlautstärken - aus den Diagrammen ließen sich 30 Watt als Grenze ermitteln - immer schön bei relativ hohen Ruheströmen, ergo immer im verzerrungsarmen Class-A-Betrieb. Für einen Weltmeister-Amp reicht das aber immer noch nicht als Mitgift. Also bauten die Briten nicht nur einen Giganten von Ringkern-Netztrafo (nebst beachtlichem Standby-Toroid) ein, sondern mit nicht weniger als zwölf ultraschnellen Feldeffekt-Transistoren auch eine potente Schaltelektronik.

Noch bevor ein heftiger Impuls die Class-A-Limits zu überschreiten versucht, stellen sie statt +/-30 die gut doppelte Betriebsspannung ein, sodass der A49 in Seelenruhe Randale veranstalten kann. Um danach subito in das Kleinspannungs-Class-A-Nest zurückzuschlüpfen Auf diese Weise fährt er nicht nur die Leistung, sondern auch den Wärmeüberschuss auf ein Musikzimmer-freundliches Maß herunter.

Arcam A 49 im Test

© Arcam

Die ingesamt zwölf Endtransistoren sitzen unten an dem massiven Kühlprofil. Die Schalt-Leistungs-Halbleiter hat Arcam eine Etage darüber anegordnet.

Randale? Davon konnte im Hörraum nicht die Rede sein, obwohl der Arcam - zugegebenermaßen - öfters zum Lauthören verführte. Etwa bei den Titeln der CD "Taming The Dragon". Brad Mehldau und Mark Guiliana rührten auf dieser Platte eine wohl einmalige Mischung aus virtuosem Jazz und knallhartem Hardrock an - die sich für den A49 wie eine extra zubereitete Leibspeise erwies. Die Schlagzeugstöcke wirbelten nicht nur - mit feinst augeschlüsselten Timing und mit 1000erlei Akzenten lösten sie wohlige Rückenschauer aus.

Wie eine wunderbar leckere Götterspeise beschrieb der Arcam die glockig-süßen Töne eines Fender-Rhodes-E-Pianos. Und breitete sich das Klang-Manna weit und tief in den Raum hinaus aus, beeilte sich der englische Amp wie ein liebevollst besorgter Schutzengel zu folgen. Auf diese Weise schwang sich der A49 - der auch mit Vinylfutter erbaulich-ausgeglichen tönte - flugs in höchste Wertungsgefilde hinauf.

Im Grunde lag dem Engländer ganz feines Gespritzel oder festliches Lamettaglitzern aber eigentlich weniger. Er punktete vielmehr mit seiner Allmacht untenrum. Um Himmels Willen: nicht nur mit Druckwellen, die auf den Brustkorb drücken oder mit einer Schwärze, die bis in die Hölle reicht. Nein, mit seinen ungewöhnlich substanziellen und klar umrissenen Bässen löste der Arcam vielmehr tranceartige Anwandlungen aus. Wumm, wumm und husch, husch: Schon begann der Highend-Flieger abzuheben, schon ordneten sich - gerade noch kunterbuntes Durcheinander - wohlgeordnete, dreidimensionale Musiklandschaften unter dem Hörer an. Klang-Berge und -Täler, -Wälder und -Flüsse: Wohl dem, der mit dem Arcam darüber schweben kann.

Diese Klangreisenden werden es auch nicht als tragisch empfinden, dass sie mit dem A49 eher nach unten und weniger nach oben zu etwaigen Höhen-Firmamenten blicken. Wer es sich leisten kann, parkt bei entsprechendem Bedarf nach Sternenlicht den Arcam eine Weile und schmeißt die Class-A-Zylinder seiner Röhre an. Doch spätetstens bei "Taming The Dragon" steigt er wieder auf den neuen Arcam um.

 

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