Testbericht

Arcam Solo Mini

Kaum zu glauben, wie viel Anlage auf die Grundfläche eines Schuhkartons passt. Dabei ist der Arcam Solo Mini mit neun Zentimetern so flach, dass kaum mehr als ein paar Pantoffeln darin Platz fänden.

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© Archiv

Für einen vollwertigen CD-Receiver mit Doppeltuner (UKW/DAB) hat es trotzdem gereicht. Und weil in modernen Familien zunehmend andere Quellen eine Rolle spielen, haben die Entwickler im englischen Cambridge auch an die MP3-Fraktion gedacht.

Der Solo Mini gibt über seine USB-Buchse an der Front Musikdateien von externen Speichermedien wieder, etwa einem USB-Stick; iPod-Besitzer können mit dem als Zubehör erhältlichen rDock (200 Euro) den Apple-Player fernsteuern und sich Künstler, Alben oder Songtitel im Display des Receivers anzeigen lassen. Für andere MP3-Spieler oder Musik-Handys gibt es auf der Front noch einen zusätzlichen Audio-Eingang mit Miniklinke.

Apropos Front: Das Design des Arcam beeindruckt durch Konzentration aufs Wesentliche. Mit einer Mischung aus britischem Understatement und deutscher Bauhaus-Funktionalität verzichtet es auf dekorativen Klimbim. Alle Tasten sind in einer Leiste über der Front zusammengefasst, die sich gut erreichen und sicher bedienen lässt. Sogar die CD-Schublade fiel der minimalistischen Optik und der geringen Bauhöhe zum Opfer.

An Stelle des üblichen Schubers setzt Arcam ein schlitzförmiges Slot-in-Laufwerk ein, wie es zum Beispiel Apple in seinen Notebooks verwendet.

Von den Kollegen der Computer-Industrie unterscheidet sich der Arcam-Transport jedoch in zwei wichtigen Punkten: Er arbeitet wesentlich fixer und gönnt sich beim Auswurf keine lästigen Gedenksekunden. Zudem schiebt er die Disc so weit aus dem Gehäuse, dass man sie bequem durchs Mittelloch greifen kann, ohne die Datenschicht mit den Fingern zu begrabschen.

Der DAB-Tuner bekam eine Teleskop-Antenne spendiert, die Erinnerungen an das gute alte Transistorradio wach werden lässt. Wer in Deutschland (mangels Senderauswahl) auf den digitalen Radioempfang verzichtet, kann dieses, der britischen Kundschaft geschuldete Detail, aber auch abschrauben und sicher verwahren - bis sich hierzulande die Programmsituation bessert.

Auch im Inneren kann der Mini seine audiophile Herkunft nicht verleugnen: Ferritplättchen auf wichtigen ICs sollen mechanische und elektrische Störungen eliminieren, wie es bei Arcam Sitte ist. Von Schaltkreisen aus der großen FMJ-Serie ("Faithfull Musical Joy") und denselben Endstufen-Transistoren wie im Schwestermodell Solo Music versprechen sich die Entwickler weiteren Klanggewinn. Allerdings ist der Platz im Gehäuse knapp bemessen, weshalb der Ringkern-Trafo mit weniger Wicklungen auskommen muss als in den meisten Vollverstärkern. AUDIO hatte schon CD-Spieler im Test, deren Trafo üppiger dimensioniert war. Allerdings muss das Kraftwerk im Solo Mini auch nur etwa 30 Watt pro Kanal mobilisieren, mehr als ausreichend für Zimmerlautstärke - wenn die angeschlossene Box passt.

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Kleinkunst: Die Tastenleiste an der Gehäusekante macht alle Funktionen bequem beherrschbar.

Wer den Solo Mini für rund 1000 Euro ersteht, muss ein Paar Boxen selbst dazu kombinieren. Weil der deutsche Arcam-Vertrieb GP Acoustics auch KEF im Programm hat, dürften beim Händler oft Lautsprecher des BBC-Ausstatters aus Kent neben dem Solo Mini stehen.

Eine schicke Edelbox wie die KEF XQ_10 (Paarpreis: um 1400 Euro) passt auch optisch hervorragend zum eleganten Design des Arcam. Also kombinierte AUDIO zunächst das schwarze Glanzstück mit dem Solo Mini - und war enttäuscht. Marianne Faithfulls Stimme ("Before The Poison", Naive) mangelte es an Grundton. Dafür kamen die Höhen fast überpräsent und ein wenig verzischt; so als würde der Nebensitzer im Konzert ganz leise mit Stanniolpapier knistern.

Das konnte nicht im Sinne der Arcam-Entwickler gewesen sein. Also flugs die edle XQ_10 gegen die größere, aber auch deutlich günstigere iQ_30 (500 Euro) von KEF getauscht, und siehe da: Die Schwächen waren wie weggeblasen. Marianne Faithfull behielt ihr leicht kehliges, verrauchtes Timbre, hörte sich aber deutlich gesünder an - so als hätte die Charaktersängerin ein paar Wochen Urlaub an einem Luftkurort verbracht.

Der XQ_10 fehlte am Arcam zweifellos die Unterstützung durch einen Subwoofer. Außerdem schienen die Endstufen-ICs nicht so recht mit den Lautsprechern klarzukommen. Das zeigte auch die Gegenprobe am Denon-Receiver RCD-CX_1 (siehe Seite 37), mit dem die kleine KEF deutlich besser klang. Gerade kompakte Designboxen sind oft schwieriger zu treiben als große Modelle. Wer die Lautsprecher rein nach der Optik aussucht, hört vielleicht nie, wozu sein Solo Mini akustisch in der Lage ist.

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Ein großer Kühlkörper hält die Endstufen auf Temperatur, die Teleskop-Antenne ist nur für digitalen DAB-Empfang zuständig.

Denn sowohl an der brandneuen iQ_30 von KEF als auch an der betagten Canton Vento 802 (Test in AUDIO 10/06) bereitete der kleine Mini großes Hörvergnügen. In Spielfreude und Feindynamik stand er dem deutlich leistungsstärkeren Denon-Receiver kaum nach, übertraf diesen mitunter sogar, wenn es darum ging, eine Rockband mit Live-Charakter in den Hörraum zu stellen. ("American Prayer", Dave Stewart & His Rock Fabulous Orchestra, Sony BMG).

Tendenziell weiträuming und mit kraftvoller, offener Hochtonwiedergabe eignet sich der Arcam für jeden Musikstil - solange die Boxen mit den Enstufen harmonieren. Die KEF iQ_30 erwies sich in dieser Hinsicht als heißer Tipp. Für etwa 500 Euro bringt sie die klanglichen Qualitäten des Solo Mini gut zur Geltung - der in dieser Kombination sogar das gleich teure Komplettset von Audio Pro hinter sich lässt.

Arcam Solo Mini

HerstellerArcam
Preis1000.00 €

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