Streaming-Verstärker

Atoll SDA 200 im Test: Höhere Ordnung

Wer sich HiFi-mäßig verkleinern muss oder gar nicht erst vergrößern will, findet im Atoll SDA-200 den idealen Partner: Der Platzverbrauch sinkt, aber der Spaß an der Musik steigt enorm.

ATOLL SD-200 im Test

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ATOLL SD-200 im Test

Mit dem Streaming-Verstärker Atoll SDA-200 können Sie Platz sparen und haben trotzdem die volle Leitsung eines Standard-Verstärkers. Der Atoll SDA-200 bietet die Möglichkeit Platz zu sparen, der einem nicht nur das Wohnzimmer zurückgibt, sondern auch den Spaß am Musikhören ganz neu anfeuert.

ATOLL SD-200

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ATOLL SD-200

Wer mit Internetradio und einer schön vollgepackten NAS-Platte als Musikquellen zurechtkommt, braucht neben Lautsprechern und dem Atoll SDA-200 keine weitere HiFi-Hardware. Wozu auch? Digitales jeglicher Herkunft - von der gerippten CD über die MP3-Mitbringsel von Freunden bis hin zu neuesten, super-hochauflösenden Downloads - wird ja von dem integrierten Netzwerkspieler nach allen Regeln der Kunst wiedergegeben.

Wenn's Künstler oder Produzent so wollten, natürlich "gapless", also ohne hässliche Aussetzer bei fließenden Titelübergängen. Und Radio? Von somalischem Missionsfunk in Türsprechanlagen-Qualität bis hin zu Jazz-Stationen auf CD-Niveau ist unter den Tausenden Sendern in den Listen des Radiodienstes vTuner für jeden etwas dabei.

Wer will, kann den internen D/A-Wandler des Atoll SDA-200 aber auch über klassiche S/PDIF-Inputs nutzen (etwa, um einen alten CD-Player aufzuwerten), die Musik per asynchroner USB-Schnittstelle vom PC aus schicken oder drahtlos an die eingebaute Bluetooth-Schnittstelle beamen.

Und wer zur Abwechslung mal wieder ganz analog hören will, findet dafür zwei Cinch-Pärchen am Heck des Atoll SDA-200, die an der ganzen Digitalsektion vorbei direkt mit dessen Vorstufe verbunden ist. Da die Lautstärkeregelung im Atoll analog realisiert ist, droht den Signalen dabei auch keine vorübergehende A/D-Wandlung wie in manchen anderen All-In-One-Systemen.

TASTEN DRÜCKEN ODER TOUCHSCREEN TIPPEN: Der Streamer-Teil lässt sich tadellos via App bedienen, die Lautstärke ebenfalls. Um die Line- Inputs zu wählen, muss man allerdings zur Fernbedienung oder ans Gerät greifen.

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TASTEN DRÜCKEN ODER TOUCHSCREEN TIPPEN: Der Streamer-Teil lässt sich tadellos via App bedienen, die Lautstärke ebenfalls. Um die Line- Inputs zu wählen, muss man allerdings zur Fernbedienung oder ans Gerät greifen.

Die ganze Netzwerk-Arbeit im Atoll SDA-200 übernimmt eine Platine von Stream Unlimited aus Österreich, die Atoll bereits in reinen Streamern wie dem ST-200 einsetzt. Auch im restlichen Gerät schweift der französische Hersteller nur ins Außereuropäische, wenn es gar nicht anders geht.

So wird der große Ringkerntrafo für den Verstärkerteil tatsächlich in Frankreich gewickelt, während der nebendran stehende Umspanner für die Digitalabteilung von Bobinados Zarel aus dem Nachbarland Spanien kommt. Selbst das rustikale Stahlblechgehäuse mit der sauber sitzenden, seidigen Alufront lassen die Normannen in ihrer Heimat stanzen, falzen, fräsen und lackieren.

Zur großen Fertigungstiefe des Atoll SDA-200 gesellt sich eine unverwechselbare Handschrift im technischen Aufbau. Mit Ausnahme der komplett zugelieferten Streamerplatine samt WLAN-Modul ist der SDA-200 auf einer einzigen Platine aufgebaut, deren Oberseite großzügig mit klassischen, bedrahteten Bauteilen bestückt ist. ICs finden sich in der Verstärkung gar nicht, nur der D/A-Wandler (ein Burr-Brown PCM5102) und der Lautstärkeregler sitzen in Chipform auf der Boardunterseite.

ABSCHIRMDIENST: Die Streamingund Funk-Boards (Mitte hinten) haben ein gewisses Störpotential. Atoll hat daher die besonders sensiblen großen Koppel-Folien-Cs mit einer dicken grauen Stahlhaube geschützt.

© ATOLL

ABSCHIRMDIENST: Die Streamingund Funk-Boards (Mitte hinten) haben ein gewisses Störpotential. Atoll hat daher die besonders sensiblen großen Koppel-Folien-Cs mit einer dicken grauen Stahlhaube geschützt.

Die Endstufe des Atoll SDA-200 ist schon im Eingangsbereich mit auffallend großen, stromstarken Transistoren bestückt, es folgt je Kanal ein Paar Leistungs-MOSFETs, die nicht wie sonst üblich an einem gemeinsamen Kühlkörper hängen, sondern jeder für sich allein an individuellen Aluprofilen schwitzen. Entwickler Stephane Dubreuil kann sich durch diese Trennung die sonst nötigen Isolierplättchen zwischen Transistor und Kühlprofil sparen und verspricht sich davon im realen, dynamischen Musikbetrieb eine schnellere Wärmeabfuhr und größere thermische Ausgeglichenheit.

Im Zaum gehalten wird diese Endstufe nur von einem absoluten Minimum an Gegenkopplung - die Franzosen geben zarte 6dB an - sowie im Notfall von einem Pärchen Schmelzsicherungen. Die selbst im Leerlauf beachtliche Wärmeentwicklung in der rechten Gehäusehälfte spricht ebenfalls klar dafür, dass Atoll diesem Kombigerät trotz aller Komfort-Ambitionen ein reinrassiges Hörsport-Aggregat mit audiophilen Ambitionen eingebaut hat.

Vorbildlich sind die Steuerungs-Möglichkeiten: Der Atoll bietet seinen vollen Funktionsumfang sowohl über Metallknöpfe an der Front als auch über eine handliche IR-Fernbedienung an, hinzu kommt eine gut funktionierende App (iOS, Android) die immer dann unschätzbare Dienste leistet, wenn man etwas weiter vom Gerät wegsitzt und das Display nicht mehr lesen kann.

ATOLL SD-200

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GEMISCHTE KOST: Eine WLANAntenne, ein Bluetooth-Stummel, S/ PDIF-, USB- sowie LAN-Eingänge lassen Digitales in den SDA-200. Analogsignale erhalten über zwei Cinch-Inputs Zutritt.

Der Streamer beherrscht alle wichtigen Anforderungen souverän: er schreckt weder vor HiRes- Downloads (bis 192/24) zurück, noch fügt er eigenmächtig Pausen zwischen den Stücken ein, und er spielt ein einmal geladenes Album munter weiter, wenn das Steuer-App aus ist. Auf fortgeschrittene Funktionen, etwa Album-übergreifende Abspiellisten oder integrierte Bezahl- Musikdienste muss der frankophile Musikfreund allerdings noch verzichten.

Was im Hörtest nicht störte, denn da kam die Musik vom prall gefüllten Hörraum- Server. Der zuallererst die kuschelig- zarte Ballade "Manha de Carnaval" von Diana Panton servierte (96/24-Download über Highresaudio.com) und den Testern einen jener Momente bescherte, die nicht in jedem Hörtest vorkommen: Schon das kurze Akustikgitarren-Intro fesselte mit einem wunderbar dreidimensional- griffigen Ton, der den hölzernen Korpus und die Nylonsaiten fast physisch spürbar machte.

Wow! Klar, dass dann auch der kurz darauf einsetzende Kontrabass besonders lust- und schwungvoll knurrte und Diana Pantons Stimme mit viel (dabei absolut korrekt wirkendem) Volumen und cremig-feiner Artikulation den Ohren schmeichelte.

Der Atoll klang auf Anhieb grundsympathisch, lud die Hörer mit unwiderstehlichem Charme ein, einfach mal weiterzuhören, anstatt eilig Test-Standards abzuhaken. Das ging so weit, dass wir erstmals seit Langem von Consoles "Walk Like A Worm", unserem Gapless-Elchtest- Stück, das aus 11 einzelnen Track- Fragmenten besteht, wieder richtig begeistert waren - toll, wie die Synthi-Celli ihr trauriges Lied hinter den stolprigen Beats summten...Irgendwie schaffte es der SDA-200, in fast jeder Platte diese versteckten großen Momente zu finden.

Andere Streamer-Amps, etwa der Linn Majik, wirkten gerade bei höheren Pegeln ordentlicher und sauberer, aber bei normalen Lautstärken auch weniger ausdrucksstark. Es ist wie beim Zimmer-Aufräumen: Man muss die Linie finden, an der es ordentlich, aber noch nicht steril oder gar unbewohnt aussieht. Der Atoll lässt definitiv hier und da auch mal einen Socken liegen und nicht alle Klangflächen glänzen ganz staubfrei. Aber sein musikalisches Reich ist warm, gemütlich und liebevoll eingerichtet.

Fazit

Das Marktsegment der gehobenen Streaming-Amps ist mit tollen Geräten etwa von Linn, Naim und T+A bereits gut besetzt. Wer einen betont warmen, im klassischen Sinn audiophilen Klang sucht, sollte sich dennoch unbedingt auch den SDA-200 vorführen lassen. Wer Atoll schon kennt und schätzt, kann diesen Schritt fast überspringen, denn der 200er liegt charakterlich exakt auf der Linie der kleineren Atoll-Vollverstärker.

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