Testbericht

Audionet AMP

Dass Verstärker ab einem bestimten Qualitätsniveau mehr oder weniger gleich klingen müssten, hat eine gewisse Logik. Statt jedoch diesem utopischen "Punkt der verschwindenden Unterschiede" näherzukommen, scheint man sich mit zunehmendem Aufwand eher von ihm zu entfernen.

  1. Audionet AMP
  2. Datenblatt
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© Archiv

Viele Jahrzehnte gesammelter Hörtesterfahrung lehren vor allem eines: Je einfacher und kompromissbehafteter HiFi-Geräte sind, desto diffuser wird ihre klangliche Ausprägung, desto weniger scheinen sie sich festlegen zu lassen, und desto schwieriger sind sie auseinanderzuhalten. Doch für die Audionet Amp sprechen auch technische Details.

Angesichts der prachtvollen Dimensionierung der Monos ist ihre Schutzschaltung, die neben DC auch Hochfrequenz, Überlast, Kurzschlüsse und Temperaturprobleme rechtzeitig erkennen soll, umso mehr willkommen: Die in den USA für Audionet hergestellten, von einem 850-VA-Ringkern befüllten 47000µF-Elkos will man lieber nicht explodieren sehen.

"Viel hilft viel" gilt bei den Mono-Amps nicht nur für die Leistung, sondern auch für die Gegenkopplung - in diesem Punkt unterscheiden sich die Audionets signifikant von den strikt ohne Über-Alles-Korrekturschleife gebauten Endstufen aus dem letzten Heft. Der verzerrungsmindernden Signalrückführung von ganz hinten am Ausgang nach ganz vorne an den Eingang der Endstufe lässt Entwickler Bernd Sander aber nur eine Teilrolle in einem raffiniert verschachtelten Kontroll-Konzept zukommen, das als "nested feedback" bekannt ist. Sander verspricht sich davon ein besonders geringes, vor allem jedoch lastunabhängiges Verzerrungsniveau - er geht korrekterweise davon aus, das Hochleistungsendstufen meist nicht gekauft werden, um sie an pflegeleichten Boxen bei Zimmerlautstärke zu betreiben. Zudem hat er mit immensem Schaltungsaufwand dafür gesorgt, dass jede Verstärkerstufe schon ohne Regelschleife möglichst linear und von den nachfolgenden Stufen unbeeinflusst arbeitet. Das klassische Overall Negative Feedback wirkt neben so einer Schaltung wie eine schartige Axt neben einem Laserskalpell - technisch wie klanglich.

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© Herbert Härle, Hersteller

Ein eigener kleiner Ringkerntrafo versorgt ausschließlich die sensible Eingangsstufe.

Für den audiophilen Feinschliff legt der Entwickler das Ingenieursdiplom vorübergehend beiseite: Vieles, was den Amp letztlich in seinem Charakter prägt und abrundet, steht nicht im Schaltplan und würde auch im raffiniertesten Simulationsprogramm keinerlei Einfluss aufs Ergebnis haben. Dennoch lässt sich der Effekt, etwa eines Stückchens Silber- statt Kupferdraht zwischen Netzbuchse und -platine oder gar einer esoterischen rhodiumbeschichteten Schmelzsicherung, laut Sander mühelos heraushören. Eventuelle Skepsis lohnt sich nicht - die Sachen sind so oder so eingebaut. Und ob die Verbindung zum Netz dann mit normalem Beipack-Lakritz erfolgt oder mit Audionets eigenem "Manufaktur-Kabel", das in 1,5 Meter Länge 375 Euro kostet, kann und sollte der Kunde selbst entscheiden.

Im direkten Shoot-Out wirkte die messtechnisch klar schwächere Musical Fidelity ihrer Konkurrentin ausgerechnet in puncto Klang-Kraft überlegen. Nach der AMS-50 gehört, wirkten die Audionet-Monos subjektiv langsamer, in der Bass-Rhythmik zögerlicher, zugleich aber auch transparenter. Das Erdig-Körperhafte der Class-A-Britin wich über die deutschen Amps einem fast ätherischen Sanftmut, der Klassikhörer begeisterte, Rockfreunde und andere Modernisten aber den gerade noch erlebten, physisch direkten Kick vermissen ließ. Bevor Sie sich jetzt fragen, warum es zu diesem Preis keinen Amp gibt, der beides perfekt kann: Perfektion gehört für beide Amps gewissermaßen schon zur Grundausbildung. Was wir hier hören, sind keine Qualitätsunterschiede, sondern individueller Stil.

Audionet AMP

HerstellerAudionet
Preis7500.00 €
Wertung125.0 Punkte
Testverfahren1.0

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