Testbericht

Audium Comp 8 im Test

Boxen-Fans müssen oft abwägen, ob sie sich Spielfreude oder Gelassenheit ins Haus holen. Die neue Comp 8 von Audium liefert beides, wie unser Test zeigt.

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Ausgetretene Pfade verlassen - davon träumen viele. Einer, dem dieses Kunststück immer wieder gelingt, ist Frank Urban, Gründer und Vordenker der Marke Audium mit Sitz in Berlin. Vom reinen Boxenhersteller hat sich seine Firma längst zum Generalisten gemausert, der auch Elektronik und Zubehör vertreibt, etwa die Röhrenbausteine von Ayon.Deren feiner und geschmeidiger Klang inspiriert ganz offensichtlich auch die Boxenentwicklung, wo der Fokus mehr denn je auf Werten wie Kultiviertheit und Feindynamik liegt statt auf der Optimierung fetischbehafteter Zahlenwerte für Fernentscheider.

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Audium Comp 8

Maximale Entspanntheit und trotzdem alle Details mitbekommen - dieses Mantra hat längst auch die Boxenszene ergriffen. In die fachliche Ebene übersetzt heißt dies: gutes Impulsverhalten, klangschonende Filter und Chassis mit hoher Bandbreite, die selbst schwach oder gar nicht gefiltert keinen klanglichen Unfug anstellen.

Audium Comp 8 - Mehr Feindynamik

Tüftler könnten an dieser Stelle einwenden, dass Breitbandchassis seit jeher eine besonders unverdeckte Wiedergabe versprechen. Viele klassische Breitbänder quaken allerdings kräftig und verzerren bei höheren Pegeln in einer Art und Weise, die bei Mehrwege-Boxen kein klangsensibler Mensch durchgehen lassen würde.Audium hat bereits mit Comp 5 und 7 bewiesen, dass gute und strategisch richtig eingesetzte Breitbänder sehr feinfühlig und doch neutral klingen können. Nun soll die neu hinzugekommene Comp 8 noch mal eins draufsetzen. Die Neuschöpfung trägt die gleichen Rundungen, das gleiche mehrheitsfähige Design in Lack oder Furnier, nur alles ein bis zwei Nummern größer.

Auch die 8 ist kein Vollbereichswandler im Sinne der reinen Lehre, denn im Sockel ist ein neun Zoll großer, extrem langhubiger Subbass von Seas montiert. Ihm lässt das mit variablen Steilheiten arbeitende Filternetzwerk alle Frequenzen unterhalb von 170 Hertz zukommen; sie bleiben somit dem auf Ohrhöhe angeordneten Breitbänder erspart. Jener kann mit gerade mal vier Zoll deutlich kleiner ausfallen, als es bei reinrassigen Vollbereichswandlern erforderlich wäre - die machen unterhalb 6 bis 7 Zoll Korbdurchmesser wenig Sinn, weil sie sonst zu schnell an ihre Grenzen stoßen.

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Klanglich ganz hervorragend: der brandneue 4-Zöller mit beweglichem Hochtonkegel.

So erspart Audium sich und seinen Kunden viele der Probleme, mit denen größere Breitbänder im mittleren und höheren Übertragungsbereich zu kämpfen haben. Die Frage ist nur, ob ein Breitbänder mit Subbass noch jene Ansprüche erfüllen kann, die Fans an dieser Bauform so schätzen.Messtechnisch kann er das sogar sehr gut. Die Sprungantwort als Reaktion auf ein Signal mit urplötzlich hochschießender Flanke ist ähnlich sauber wie bei Systemen ohne Subbass und ohne zugehöriges Hochpassfilter im Signalweg.In Sachen Linearität und ganz besonders Rundstrahlverhalten lässt der neue 4-Zöller klassische Breitbänder regelrecht alt aussehen. Er verhält sich eher wie ein guter Koax, liefert Höhen bis über 20 Kilohertz und zeigt ein gleichmäßig breites Winkelverhalten. Das Chassis wird in Italien gefertigt, die Membran kommt aus Deutschland.

Flink und neutral gibt sich die Comp 8

Was die Gehäuse angeht, setzt Audium wie bei den kleineren Modellen auf ein Gerüst aus hochfesten MDF-Platten. Die Seitenteile werden senkrecht geschlitzt und hernach unter hohem Druck gebogen.

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Die Bassreflexöffnung liegt an der Rückseite, wo sie am wenigsten stört. Die bodennahe Lage des Tieftöners bewirkt eine stärkere Kopplung an den Raum und sattere Bassklänge.

Der Breitbänder mag das Highlight sein, doch auch der Subbass prägt den Klangcharakter - und das sogar sehr intensiv. Laborgeprüfte 38 Hertz untere Grenzfrequenz signalisieren dem Kenner, dass mit einem hochsouveränen Bassfundament gerechnet werden darf, welches dank der kopplungsfördernden, bodennahen Treiberanordnung noch mal satter klingt, als es der an sich schon beachtliche Messwert vermuten lässt.In der Tat animiert die Comp 8 zum Stöbern in bassintensiven Klangbeispielen, die dieser so untechnisch designte Schallwandler frappierend machtvoll und authentisch darstellt. Bei tiefen Frequenzen bietet er eine Vitalität und Vielschichtigkeit auf, die Fans elektronischer Musik mühelos ein Lächeln ins Gesicht zaubert.Obenauf singt und rackert der neue Breitbänder, dass man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. Locker, räumlich und vor allem unverkrampft werden Klangkörper dargestellt, mit allen Nuancen, deretwegen Kenner lange nach passenden Boxen suchen, bevor sie sich festlegen. Fehlt da nicht doch der Hochtöner? Bei der Audium Comp 8 definitiv nicht.

Weitere Technikinfos

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Das Abstrahlverhalten erinnert an Koaxchassis, auch bei großen Winkeln von 60 und 90 Grad.

Das nur 4 Zoll große Breitbandchassis ist eine Neuentwicklung mit einer Membran aus Glas- und Baumwollfasern. Es handelt sich um einen sogenannten Schwirrkonus; Form und Materialverteilung der Membran führen hier nur bei tiefen Frequenzen zu einer kolbenförmigen Schwingung.Mit zunehmender Tonhöhe koppelt sich der äußere Teil immer mehr ab, so dass in den Höhen nur noch ein kleiner Teil im Innern aktiv für Schalldruck sorgt. Dadurch wird eine starke Bündelung bei hohen Frequenzen umgangen. Eine Art mechanischer Frequenzweiche sorgt dafür, dass der mitschwingende Phaseplug sich fast wie ein separater Hochtöner verhält.

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