Netzwerkplayer

Auralic Aries (LE) im Test - überzeugender Streaming-Klang

Wir haben den Auralic Aries im Test. Der Netzwerkplayer überzeugt beim Streaming und mit gutem Klang. Bei der Bedienung gibt es Schwächen.

Auralic Aries (LE) im Test: Die Streaming-Bridge überzeugt mit einem sehr guten Klang.

© Hersteller

Auralic Aries (LE) im Test: Die Streaming-Bridge überzeugt mit einem sehr guten Klang.

Pro

  • Leistungsfähiges Streaming
  • bestmöglicher Klang aus jedem Wandler

Contra

  • nur per App bedienbar
Vielversprechend

Auralis Aries im Test: Netzwerk-Musikfans träumen von einem Player, der ihnen volle Freiheit garantiert. Das bedeutet freie Auswahl bei der Musik und bei der Zusammenstellung der Anlage. Der Auralic Aries lässt den Traum wahr werden: Er spielt alle Formate mit vollem Komfort und holt das Beste aus jedem D/A-Wandler. Wer als HiFi-Hersteller einen Netzwerkspieler bauen will, kann zwei grundsätzlich unterschiedliche Wege einschlagen: Er kann entweder die Streaming-Intelligenz zukaufen und sich primär um die Entwicklung der D/A-Wandler- und Ausgangsstufen kümmern - sich also auf seine althergebrachten Kernkompetenzen konzentrieren. Oder er beginnt auch beim eigentlichen Streamer, also jenem Teil, der die Musik aus den verschiedensten Internet- und Heimnetz-Quellen holt, decodiert und dem Wandler weitergibt, mit dem berühmten weißen Blatt Papier.

Für Xuanqian Wang kam nur der zweite Weg in Frage, denn der Präsident von Auralic ist nicht nur Elektrotechniker, Toningenieur und Pianist, sondern vor allem Perfektionist. Lieber würde er seine Diplome zurückgegeben als im Jahr 2014 einen Player vorzustellen, der nicht lückenlos alles beherrscht, was moderne Musikfreunde heute verlangen.Der Aries ist eine Streaming Bridge, ein rein digitaler Streamer zur Verwendung mit einem D/A-Wandler nach freier Wahl. Inclusive Prozessorboard und Software von Grund auf neu konstruiert, mit riesigen Leistungsreserven für zukünftige Updates gerüstet und kompromisslos darauf optimiert, einen angeschlossenen DAC zu Höchstleistungen anzutreiben - ein ballastfreier, lüfterloser, hoch spezialisierter Rechner mit nur einem einzigen Ziel: Musik zu machen.

Als Prozessor-Herz für den Aries konstruierte Wang das "Tesla"-Board, das auf einem vierkernigen ARM Cortex-A9 mit einem Gigabyte RAM und vier GB Speicher basiert. Als Ausgänge bieten sich Koax-, optische und AES-symmetrische Datenbuchsen an, daneben als eigentlicher Premium-Ausgang eine asynchrone USB-Schnittstelle. Mehr sollte in einer Streaming Bridge nicht drin sein - vereinfacht gesprochen. Weniger aber auch nicht: Bisherige Player dieser Gattung hatten fast alle ein entscheidendes Manko: Ihnen fehlte der USB-Ausgang - mit dem man aber an den meisten modernen DACs die besten Ergebnisse erzielt, weil nur an ihm die Taktoszillatoren im Wandler optimal "jitterarm" laufen dürfen.

Die Erfahrung zeigt allerdings, dass die Performance eines Wandlers selbst über asynchrones USB noch ein wenig von der Taktgenauigkeit an der Quelle abhängt. Das ist dann auch einer der zwei Punkte, in denen sich die beiden Versionen des Aries unterscheiden, die AUDIO beide getestet hat: Die Aries-Vollversion für 1.500 Euro kommt mit einem mächtig überdimensionierten Linearnetzteil in einer separaten Alu-Behausung, und auf seiner Hauptplatine finden sich zwei ultrapräzise "Femto-Clocks", selbstverständlich aus eigener Entwicklung und bereits im hauseigenen, erstklassigen D/A-Wandler Vega bestens bewährt. Der ein Drittel billigere Aries LE muss mit einem gewöhnlichen Schaltnetzteil Vorlieb nehmen und besitzt etwas einfachere, aber immer noch hochwertige Taktgeber.

Äußerlich sind die beiden Aries identisch: Ihr kleines Gehäuse mit den geschwungenen Deckel- und Bodenschalen sieht recht elegant aus, nur hochheben sollte man es nicht. Es besteht nämlich komplett aus Plastik. Audiosnobs, die den Auralic deshalb links liegen lassen, sind selbst schuld - entgeht ihnen mit diesem Leichtgewicht doch der unangefochtene Streaming-Titan dieser HiFi-Saison und womöglich auch der kommenden.

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NOW PLAYING: Lightning DS gab es zum Testzeitpunkt nur fürs iPad; Apps fürs iPhone und für Android sollen aber sehr bald folgen. Die Playlist (rechts) läuft wie bei allen OpenHome-Playern auch ohne App weiter und ist beliebig editier- und ergänzbar - auch von anderen iPads aus.

Herr Wang wollte die Konkurrenz offenbar nicht nur überholen, sondern erniedrigen. Als junger Chef einer jungen Firma gab er mal eben (nach eigenen Angaben) eine Million Dollar für die Entwicklung der "Lightning DS" Streaming-Plattform aus. Der Name erinnert nicht nur zufällig an die DS-Player von Linn: Wie diese gehorcht der Aries dem von Linn als offenen Standard entwickelten "OpenHome"-Protokoll, das weit über den üblichen UPnP/AV-Standard hinausreicht.

Aries: Auralic stellt High-Res-Stremaing-Bridge vor

So verwaltet auch der Aries die Abspielliste "on-device", also in seinem eigenen Arbeitsspeicher, wo sie von beliebigen OH-kompatiblen Controller-Programmen (auch mehreren gleichzeitig oder abwechselnd) jederzeit erstellt, geändert und ergänzt werden kann. Nach getaner Arbeit wird das App nicht mehr benötigt und kann abgeschaltet werden; sobald es reaktiviert wird, bringt es sich blitzschnell wieder aufs Laufende. Für Grundfunktionen wie Skip, Pause, oder schnellen Vorlauf kann man aber auch einfach die mitgelieferte IR-Fernbedienung nehmen. Die On-Device-Playlist ist eine wichtige Voraussetzung für perfekte Gapless-Wiedergabe und erlaubt die Synchronisierung mehrerer OH-Player - sogar Hersteller-übergreifend - über die Songcast-Funktion, die nebenbei auch verwendet werden kann, um den Ton vom PC, Mac oder Android-Gerät direkt zum Player zu beamen.

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HUCKEPACK: Die Lightning-DS-App braucht einen oder mehrere UPnP-Server, fragt deren Metadaten aber komplett ab und sortiert diese dann selbst.

Natürlich lässt sich der Aries auch per Airplay mit Signalen füttern. Sofern man das überhaupt noch braucht. Denn neben lokalen NAS-Laufwerken macht der Auralic auch die größten Musiksammlungen der Welt zugänglich: Wimp und Qobuz, die zwei aktuell einzigen Bezahl-Streamingdienste, die ihr Repertoire, das über 20 Millionen Songs umfasst, in voller CD-Qualität anbieten: als FLAC-Stream, on demand. Die Medienvielfalt wird vom Lightning-DS-App brillant verwaltet: Eine einzige Suche fragt alle Quellen ab und liefert die Ergebnisse sauber gegliedert nach lokaler Sammlung, Wimp und Qobuz sowie in Zukunft gegebenenfalls weiteren Diensten.

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VOLL INTEGRIERT: Lokale Bibliotheken und Cloud-Ressourcen werden einheitlich dargestellt, auch die Suchfunktion prüft stets überall.

Wo die Cloud-basierten Musikdienste wohl auch in Zukunft passen müssen, ist alles, was über CD-Auflösung hinausgeht. Von einem Server im lokalen Netz dagegen (im Test verwendeten wir die phantastische "audiophile NAS" DELA N1A von Buffalo) gab es mit dem Aries keine Grenzen: DSD mit einfacher oder doppelter Datenrate, FLAC mit 384kHz Samplingrate und 32Bit Wortbreite? Kein Problem! Solange man die Dateien irgendwo herbekommt, spielt der Aries sie ab.

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DIGITAL REIN, DIGITAL RAUS: Über Gigabit-LAN (rechts) geht der Aries ins Netz, links daneben ein USB für Speichersticks und HDDs, dann der USB-Out und die S/PDIF-Ausgänge.

Und zwar stabil und ohne Aussetzer auch über WLAN, denn neben einer Gigabit-LAN-Schnittstelle baute Auralic dem Aries auch einen superschnellen Datenfunk nach dem neuesten 802.11ac-Standard ein. Wer dieses Jahr auf der High End in München war, konnte miterleben, wie ein blendend gelaunter Xuanqian Wang DSD128 über WLAN sogar unter völlig WiFi-verseuchten Messebedingungen vorführte - der Chinese scheint seinen Produkten wirklich zu vertrauen.

Spotify, Simfy, Rdio und Co. im Test

Das WiFi ist auch der eigentliche Grund für das Plastikgehäuse: Ein abschirmender Aludeckel hätte externe Antennen nötig gemacht, von denen ac-WLAN gleich drei braucht - und die wollte Wang auf keinen Fall hinten am Gerät haben.

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MODULAR: Das Gigabit-WLAN mit den drei Antennen und die Tesla-CPU-Platine werden aufs Motherboard aufgesteckt; darunter die Präzisions-Clocks, USB-Treiber und Ausgangsübertrager.

 

Bleibt im Praxistest nur zu sagen, dass der Aries auch im AUDIO-Hörraum und im Heimnetzwerk des Autors perfekt funktionierte. Schon die billigste getestete Kombination (Aries LE mit einem Micromega MyDAC für 300 Euro) spielte mühelos auf dem Niveau eines Linn Sneaky. Höher liegende Qualitätsebenen erreicht man einfach durch Anschluss entsprechend höherwertiger DACs - wobei jeder der ausprobierten Wandler, darunter der fürs nächste Heft geplante Northstar Design Excelsio, ein Auralic Vega, ein Atoll DAC200 und ein Arcam D33, am Aries jeweils auffallend plastisch, stabil und geschmeidig klangen. Was den Unterschied zwischen Aries und Aries LE anbetrifft, so ist der LE eigentlich nur an Wandlern unter circa 1.500 Euro sinnvoll. Nicht weil er nichts taugt, sondern weil man die spürbare Verbesserung, die der teurere Aries bringt, dann teurer bezahlen würde, wenn man sie mit einem besseren DAC erzielen wollte. Beide Aries-Modelle jedoch schlugen beispielsweise das Macbook des Autors (mit Audirvana Plus als Player) via USB deutlich - unabhängig davon, an welchem Wandler man sie verglich.

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