Testbericht

AV-Receiver: Harman AVR 365

Beim Harman AVR 365 (850 Euro) steht der gediegenen Erscheinung und dem bunten On-Screen-Menü eine gewöhnungsbedürftige Bedienung gegenüber. Klanglich jedoch gibt es beim rockigen und temperamentvollen Ami wenig Anlass für Kritik.

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  2. Datenblatt
Harman AVR 365

© Archiv

Harman AVR 365
Harman AVR 365

© Julian Bauer

Unten auf der HDMI-Platine sitzt ein eigens gekühlter Videoprozessor von Genesis/Faroudja. Auf der Digital-Audio-Platine (2. von oben) hausen zwei absolut nicht ausgelastete Cirrus-Audio-Prozessoren.

Nach Betätigung des Main-Schalters auf der Rückseite und eines dezent beleuchteten On-Tippers auf der Front springt der Harman AVR 365 unter wohligem Brumm-Zucken an - was einen kernigen Netztrafo im Innern und unbehinderten Stromfluss signalisiert.

Sodann beginnt der Receiver mit dem Bediener, der eine vertiefte Manual-Lektüre im Vorfeld ablehnt, so etwas wie ein neckisches Fang-mich-Spiel. Von wegen direkt am 850-Euro-Gerät einfach mal CD als Quelle aufrufen! Stattdessen gilt es, erst einmal "Source List" anzuwählen. Und dann zu scrollen, um schließlich enttäuscht festzustellen, dass es CD hier von Haus aus nicht gibt.

Harman AVR 365

© Julian Bauer

Dreikomponenten-Video kommt außer Mode. Deswegen schleift es der Harman AVR 365 nicht mehr durch, er nimmt es nur noch zwecks HDMI-Konvertierung an. Auf der Habenseite steht ein optischer Digital-Out. Der Netzanschluss akzeptiert kein Edel-FLAC-Format.

Danach greift der Nutzer doch lieber zur Fernbedienung, um über "AVR" (nicht über Menü) in das buntschöne Bildschirm-Menu zu gelangen. Mit etwas Akribie wird dort "Assign 1, 2 oder 3" zum CD-Eingang ernannt. Klingt's immer noch seltsam? Dann gilt es, die Funktionen namens Dolby Leveller und Modeller aufzusuchen - diese auf "Off" gestellt, haben wir es endlich geschafft.

Harman AVR 365

© stereoplay

Recht günstig verlaufende Klirrkomponenten k2 und k3 (rot) mit akzeptablem Lastwechselverhalten

Bei solchen Streifzügen wird der Fan aber durchaus mit Wohlgefallen registrieren, dass er mit dem Harman nicht nur vorher A/D-gewandeltes, sondern auch per HDMI empfangenes Video feintunen kann. Und zwar dank des edlen Faroudja-Genesis-Prozessors in einer ganzen Reihe von Punkten - von Brightness bis Overscan. Damit lässt sich Justage-unwilligen Monitoren unter Umständen doch noch das rechte Bild abringen. Insofern ist der 365 dem weniger vielseitigen Denon überlegen. Bei der Videowertung kam es nur deshalb zum Patt, weil der Denon um einen Tick sauberer de-interlacen, also unter Bewegung berücksichtigender Linienverdopplung Vollzeilenbilder herstellen kann.

Äußerst schwungvoll, bassfreudig, kernig - auch im CD-Vorspiel -, kam der AVR 365 bei der Jury bestens an. Wenn es sehr laut herging, drohte er sich vor lauter Temperament schier zu überschlagen. Dann neigte der Harman da und dort zu kleinen rauen Strähnen, während der Konkurrent von Denon gekämmt blieb.

Bei Surround protzte der Harman ebenfalls mit seiner rockigen Natur. Mit eindringlichen Stimmen schuf er in Filmen besondere Spannung. Der Denon wie der Marantz lieferten dafür die bessere Übersicht. Egal, mit noch mehr Feuer bei HD-Titeln empfahl sich der Harman endgültig für den Fan, der es fetzig mag.

Harman / Kardon AVR 365

HerstellerHarman / Kardon
Preis850.00 €
Wertung48.0 Punkte
Testverfahren1.0

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