Testbericht

AV-Receiver Harman AVR 745

Klanglich will dieser neue Harman Surround-Receiver Harman AVR 745 (2500 €) wie immer der Hammer und nun auch noch ein virtuoser Videokünstler sein.

  1. AV-Receiver Harman AVR 745
  2. Datenblatt
Surround-Receiver Harman AVR 745

© Archiv

Surround-Receiver Harman AVR 745
Prozessor und A/D Wandler

© Tilman Schreiber

Der Surroundprozessor, ein Riesenchip von Texas Instruments (1), decodiert nicht nur diverse Formate, sondern gönnt in Zusammenarbeit mit vier A/D Wandlern (2) auch analogen Multikanal-Ankömmlingen ein Bassmanagement inklusive Aufteilung auf zwei Subwoofer.

Statt "was kann er?" sollte man beim neuen 20-Kilo-Harman für 2500 Euro fragen, was er nicht kann, denn das ist wenig. Seine HDMI-1.1-Elektronik versteht zwar mit 96 Kilohertz taktendes 8-Kanal-PCM, das HD-DVD-Spieler anliefern werden; SACD-Bitstreams schluckt sie hingegen nicht, was allerdings harmlos erscheint, weil Spieler mit entsprechenden HDMI-Digital-Outs nach wie vor auf sich warten lassen.

Zwei weitere Mankos: Der USB-Anschluss des AVR 745 mag keinen Porti-Kleinkram, sondern einen ordentlichen PC als Musikzuspieler sehen. Außerdem gibt der Harman im Falle des 5.1-Gebrauchs seine Verstärker Nummer sechs und sieben nicht für das aktuelle Bi-Amping, sondern nur für die schnöde Stereo-Separee-Beschallung her.

Dazu wählt er gern eine unabhängige Quelle an. Wenn es sein muss, stellt er aus Surround einen Zweikanal-Downmix her. Wobei wir uns bereits auf der Habenseite befinden und bald einräumen müssen, dass der Harman praktisch so gut wie alles kann.

Für die Verräumlichung von CD-Musik offeriert er nicht nur feinst justierbares Pro Logic IIx, sondern die Eigenkreation Logic 7, das nun auch 5.1 auf 7.1 extendiert.

Rückansicht

© Julian Bauer

Neben einer USB-PC- (1) und iPod-Dock-Schnittstelle (2) besitzt der AVR 745 eine A-Bus-Buchse (3) zur Verbindung mit Harman-Unterputz- Verstärkermodulen (AB 1, je 170 Euro) in Multiroom-Anlagen.

Wer sich ein paar Wochenenden Zeit nimmt, darf sich auf die Einmess-Funktionen des Receivers einlassen, genauer auf die von Harman vorgeschlagenen, zum Teil automatischen, teils manuellen Prozeduren, die in der Abspeicherung dreier Profile münden, die sogar einen zweiten Subwoofers in die Justage integrieren können. Besitzer von Kompromiss-Boxensets werden sich auf jeden Fall freuen, dass der Harman den Front-, dem Center sowie den Surround- und Back-Surround-Posten jeweils eigene Bass-Trennfrequenzen zuweisen kann, um die eine oder andere Gruppe zu entlasten.

Nicht minder wichtig: Glauben die meisten Receiver-Hersteller offenbar immer noch, dass der HiFiist bei der Benutzung des analogen Multikanaleingangs auf jegliches Receiver-Bassmanagement gern verzichtet, mutet Harman seinen Kunden diesen Unfug nicht mehr zu. Damit der Prozessor ordnend eingreifen kann, setzen vier Zweikanal-A/D-Wandler des AKM-Typs AD 1852 eine komplette 7.1-Mischpoke ins Digitale um. Die gesamte Verarbeitung läuft bei der schnellen Taktfrequenz von 96 Kilohertz, sodass der Frequenzgang nicht nur bis zirka 20, sondern bis (zur halben Taktfrequenz von) knapp 50 Kilohertz reicht.

Der AVR 745 bittet nur eines zu beachten: Da im A/D-Fall die Eingangs-Übersteuerungsgrenze bei knappen 2 Volt liegt und da es auch keinen Eingangs-Abschwächer gibt, lehnt er den Analog-Anschluss allzu vorlauter Player ab.

geöffnetes Gerät

© Julian Bauer

Auf der dem Trafo zugewandten Seite der ab und zu Ventilator-gekühlten Alu-Turbine sitzen die Endtransistoren des Center- und der Back-Amps. Gegenüber schwitzen Front und Surround Rechts und Links.

Ansonsten scheint der Harman Leisetreterei eher zu verachten. Der Receiver bekam nicht umsonst einen gigantischen Netztrafo und zwecks Endstufen-Stromspeicherung nicht nur die üblichen zwei, sondern vier fette Speicherelkos; zwei mit je 10000 Mikrofarad Kapazität dienen exklusiv dem Center- und dem rechten und linken Back-Kanal, zwei 15000er dem Rest. Da ist es umso erfreulicher, dass der AVR 745 die Boxenströme über ordentliche Buchsen/Klemmen aus Vollmetall entlässt.

Das Feinste auch bei der Video-Ausrüstung: Neben dem ADV 7401 zum Format-Konvertieren bietet der Harman den 208-beinigen FLI 2300 von Genesis-Faroudja zum De-Interlacen und Skalieren an. Kein anderer bezahlbarer Chip kann die Bewegung jedes einzelnen Pixels so sauber abschätzen und berechnen; bei keinem ist die Gefahr so gering, dass auf Grund unzureichend kalkulierter Neuzeilen Ruckelbilder und Fransen entstehen.

Ganz reizte Harman den FLI allerdings nicht aus. Statt zukünftiger Progressive-Vollbilder (1080p) gibt er nur 1080i (Interlaced) her. Von diesem Format ließ sich das Testmuster auch nur ungern abbringen. Erst wenn in den verzwickten Bedien-Menüs "HDMI Auto" auf "Off" stand und nach manueller Anwahl von 720p, gab der konstruktive Dialoge mit dem Test-Plasma und -Beamer via "Auto" noch ablehnende Receiver tatsächlich die derzeit meist geforderte Progressive-Zeilenzahl her.

Harman AVR 745

© Julian Bauer

Surround-Receiver Harman AVR 745

Danach stimmte der AVR 745 die Tester wieder versöhnlich, weil er sich komfortabler Weise für jede Videoquelle eine optimale Einstellung inklusive Feintuning merkt. Gelangen ihm schlussendlich alle Bild-Operationen in Faroudja-Perfektion, wischte er beim Hörtest sowieso alle Bedenken vom Tisch. "Sagenhaft", hieß es, als der AVR 745 rabenschwarz-abgründige Bässe und völlig unerschütterliche Fundamente in den Hörraum hievte und darüber herrlich weite, völlig klare Perspektiven öffnete. Da wirkten die Räume preiswerterer Receiver ja fast wie wackelige Puppenstuben!

Der Harman fand erst in Sonys STR DA 7100 (9/05, 2500 Euro) den probaten Gegner. Der wirkte zwar untenrum deutlich dünner, dafür aber in den Höhen eleganter und feiner, insbesondere bei Stereo. Bei Surroundern findet der herzhafte Harman, der nebenbei einen Top-Tuner mitbringt, aber sicher mehr Symphatie.

Harman / Kardon AVR 745

HerstellerHarman / Kardon
Preis2500.00 €
Wertung50.0 Punkte
Testverfahren1.0

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Wer ist die Nummer eins? -

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