Testbericht

AV-Receiver Onkyo TX NR 905

Damit ihr großer neuer Surrounder ganz oben mitspielen kann, hat Onkyo den TX NR 905 (2000 Euro) gut gefüttert. Nur mit Masse oder auch mit feinen Vitaminen?

  1. AV-Receiver Onkyo TX NR 905
  2. Datenblatt
Onkyo TX NR 905

© Archiv

Onkyo TX NR 905

An der praktischen Tastenreihe für die Quellenwahl lässt sich schnell abzählen, dass der TX NR 905 für 2000 Euro mit bis zu 11 Quellen anbandelt. Streng genommen stellt der Tipper "Audio Select" eine noch größere Vielfalt her, weil er insgesamt vier der Eingänge wahlweise auf HDMI-digitale oder auf analoge Lieferanten umswitchen kann.

Wie gehabt beruhigt das Klangregel- und Video-Kreise außer Funktion setzende "Pure Audio" wieder den Puristen. Den umtriebigen Surroundfan freut's, dass er bei dem Onkyo, beispielsweise um fünf auf sieben Hauptkanäle zu vermehren, nicht nur Pro Logic 2x, sondern auch das amtliche THX Ultra2 hernehmen darf.

Drei Großprozessoren des Typs Aureus von Texas Instruments bedeuten, dass der TX NR 905 derlei Nachbehandlungen ebenso mit links erledigt wie eine hochkomplexe Audyssey-Selbsteinmessung mit mehreren Raum-Bezugspunkten. Selbstredend decodiert er die neuen Multikanal-HD-Formate von Dolby und DTS, wobei die in allen Kanälen eingesetzten formidablen D/A-Wandler PCM 1796 von Burr-Brown für den nötigen Störabstand bürgen.

Onkyo TX NR 905

© Julian Bauer, Jan Winkler

Surrounder TX NR 905 von Onkyo

Zudem können die sieben Endstufen des TX NR 905 - jetzt kommt der absolute Knackpunkt - allem Anschein nach eine beliebige Dynamik umsetzen. Setzt Onkyo schon extra habhafte Treibertransistoren ein, schuften im Ausgang nicht die gängigen 14, sondern 28 dicke Kollegen, sprich pro Kanal nicht zwei, sondern vier. Diese Vielzahl gab es auch schon bei dem in Heft 9/07 getesteten, günstigeren TX SR 805. Nun unterstreicht aber ein wahrlich urgewaltiger, Abschirmblech-gewandeter und im äußersten (!) Notfall von zwei Ventilatoren gekühlter Ringkerntransformator, dass die Endstufen-Halbleiterbande ad ultimo aus dem Vollen schöpft. Zumal der Kawentsmann die Ernährung der Eingangs- und Digitalsektionen einem stattlichen Zweit- und Dritt-Umspanner überlässt.

Wer in Stereo Kraft ohne jegliches Ende braucht, kann beim TX NR 905 - ein Novum bei Surroundreceivern - die Möglichkeit zur Brückenschaltung zweier Endverstärker nutzen. Die Leistungsausbeute liegt dann bei 2 x 540 Watt!

Eine weitere 905-Exklusivität findet sich auf der Digitalvideo-Platine. Als Video-Formatwandler dient dort der Audio-Devices-Chip 7401 wie in anderen Receivern auch. Die Kärrner-Arbeit des De-Interlacing (wandelt Halb- zu Vollbilder unter Bewegungsberücksichtigung) und des Skalierens (stellt höhere Zeilenzahlen her) überließ Onkyo nun aber nicht einem gängigen IC etwa von Genesis-Faroudja. Die Japaner stellten stattdessen den viel teueren, in Receivern bis dato noch nicht gesehenen Baustein namens Reon-VX von Silicon Optix ein. Umso schöner, dass der Onkyo das Digital-Video über zwei Transmitter und zwei HDMI-Outs offeriert.

Rückansicht TX NR 905

© Julian Bauer, Jan Winkler

Der Onkyo erlaubt es, je einen Front- und einen Surround-Back-Amp in Brückenschaltung zu fahren. Dann darf je eine Box an die Pluspole dieser Verstärker ran.

Bot der TX NR 905 bei der Bildverarbeitung die erwartete Ruckelarmut und Feinheit, ließ er sich akustisch ganz und gar nicht auf reine Kraftmeierei ein. Er bot stattdessen bei der CD-Wiedergabe besonders viel Seele. Eher auf Contenance bedacht und nie ruppig ging er die Bässe an. Nie zu direkt, sondern eher mit vornehmem Abstand übertrug er Stimmen; Höhen drohten nie zu beißen. Auf eine relativ milde Weise, quasi mit Wachstumsklima, offerierte er bei alledem besonders viel Klangfarbenfreude und heiter-wohlige Lebendigkeit.

Bei den klassischen Surround-Formaten blieb er diesem Charakter treu, wobei er sich fast schon zu spielerisch gab. So rackerte etwa Yamahas RX V 3800 (12/07) vernehmlich verbissener, um mehr Tiefton-Substanz in die Filmtracks und um Details noch genauer auf den Punkt zu bringen. Ein Denon AVR 3808 (11/07) brachte die Höhen fleißiger auf Vordermann. "Macht doch, was ihr wollt", schien der TX NR 905 zu bedeuten, "ich bleibe auf meine Weise locker, flockig und angenehm."

Doch seltsam, bei den neuen Surround-Königsdisziplinen, der Blu-ray-Wiedergabe von Dolby True HD und DTS HD Master, drehte sich der Spieß um. Nun gab sich der Onkyo als der besonders strenge. So zelebrierte er bei der "Legends of Jazz" (LRSmedia) zwar jeden einzelnen Piano-Ton intensiv, Jane Monheits Stimme bei "They Can't Take That Away From Me" wirkte nun aber etwas zu nüchtern und sachlich. Was die Fans, die neben gutem Klang auch noch die Video-Finesse mitnehmen wollen, vom Kauf des TX NR 905 in keiner Weise abhalten soll.

Onkyo TX-NR 905

HerstellerOnkyo
Preis2000.00 €
Wertung46.0 Punkte
Testverfahren1.0

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