Testbericht

AV-Receiver Pioneer VSX LX 60

Geht es nach den Vorstellungen von Pioneer sollte nach dem Aufstellen des VSX LX 60 für 1400 Euro erst einmal die Einmessautomatik rotieren.

  1. AV-Receiver Pioneer VSX LX 60
  2. Datenblatt
Pioneer VSX LX 60

© Archiv

Pioneer VSX LX 60

Die "Multi Channel Acoustic Calibration" des Pioneer analysiert mit sagenhafter Präzision die Frequenzgang-Veränderungen im Millisekunden-Zeitbereich. Die Gegenmaßnahmen sollen jegliches Dröhnen unterbinden. Der Multikanaler traut sich auch die Aufgabe zu, Boxen, die unter einem Phasenversatz ihrer Chassis leiden, elektronisch zum Gleichschritt zu zwingen.

Trotzdem beließen die Tester sie aber tunlichst in der Flat-Position. Sie schauten sich statt dessen lieber die bis knapp 100 Kilohertz reichenden, schnurgeraden Verstärker-Frequenzgäng des VSX LX 60 an. Und freuten sich, dass es nun mit Dolby True HD und DTS HD Formate gibt, die diesen Frequenz- und Dynamikbereich von ganz unten bis ganz oben mit akustischem Leben füllen.Zumal sich jetzt Blu-ray-Player mit HDMI-1.3-Ausgängen anbieten, welche die neuen Tonformate nicht nur in PCM umgewandelt, sondern als Original-Stream offerieren, den die mit entsprechenden Eingängen ausgestatteten Receiver nun naturbelassen annehmen und decodieren dürfen. Fünf oder gar sieben Hauptkanäle mit der gigantischen Auflösung von 24 Bit und rasenden Taktraten von bis zu 192 Kilohertz - bei diesen Aussichten muss die weitere Mitgift fast verblassen.

VSX LX 60 Innenansicht

© Julian Bauer

Nicht ganz wegzudiskutieren: Der Ventilator des Pioneer springt zwar erst bei Furore an, wenn diese plötzlich endet, surrt er eine Weile nach.

Aber nein, Pioneer will auch mit schönen Bildern entzücken. Deshalb vermag er via HDMI-In und -Out mühelos HD-Video mit 1080 Zeilen, mit Vollbildern (1080p) und im 1:1-Filmformat  durchzureichen. Mit digitaler Präzision spannt der Receiver auch analoge Bildformate auf HDMI hoch, wobei er "deinterlacen" kann. Das heißt, er stellt unter kunstvoller, bewegungs-orientierter Zeilen-Neuverknüpfung aus Halbbildern volle her. Um Alt-Video aufzupeppen, gestattet er auch noch ein Video-Feintuning in puncto Helligkeit, Kontrast und Farben. Souverän rechnet er zudem die Zeilenzahl hoch, etwa die 576i vom Standard-TV auf den Monitor-Schokoladenwert - bei Bedarf bis auf 1080p.

Zurück zum Ton, den der Pioneer mit einer Buchse auch von USB-Speichern akzeptiert. Mit dem Pioneer BDP LX 70 A als Stream-Lieferant erschien es bald schwarz auf weiß: Jawoll, bei Dolby True HD gibt der Multikanaler von Pioneer, tatsächlich Frequenzen bis 96 Kilohertz aus. Weil diese Marke naturgesetzlich der halben Abtastfrequenz entspricht, folgt, dass seine Prozessoren und D/A-Wandler pro Sekunde tatsächlich 192 000 Datenworte umsetzen können.

Bei DTS HD blieb es vorläufig jedoch nur bei der Hälfte und der Höhengrenze von 48 Kilohertz - was aber wahrscheinlich nicht an den Decodern, sondern an Unwägbarkeiten beim DTS-Authoring liegt. Da im übrigen Stör- und Verzerrungsabstände der Blu-ray-Tracks generell weit unterhalb der Verstärker-Werte blieben, ergo unmessbar, stand jetzt so oder so ein Hörfest an.

Beziehungsweise erst mal die redaktionelle Ächtung der alten, reduzierten Formate: "Wie konnten wir nur so lange mit ihnen leben. Die Wahrheit hört sich nicht etwa nur einen Tick, sondern um eine Welt besser an!" Das belegte bereits die DTS-HD-Tonspur von "Königreich der Himmel" (Panasonic-Blu-ray) höchst eindrucksvoll. Da unterhalten sich beispielsweise zwei Ritter in einer Berglandschaft. Via DTS-Kern zwei leicht flaue Stimmen mit ein paar zugemischten Einzelgeräuschen drumrum. Und DTS HD? Wow, jetzt öffnete sich wahrlich ein akustisch zusammenhängendes Himmelsgewölbe, das eindeutig nicht künstlich erzeugt, sondern von Mikrofonen eingefangen worden war. Nun erst passten die viel besser artikulierten, kernig-männlichen Stimmen zu den rauhen Gestalten auf der Leinwand.

VSX LX 60 Rückseite

© Julian Bauer

Der Verbund von RS 232 unbd PC strebt der Pioneer hauptsächlich deswegen an, damit der User sich in Einmess-Spiele vertiefen kann. Fürs iPod-Dock gibt's einen eigene Buchse.

Erstmals zu vernehmen und Lossless hin oder her: Wenn der Player statt der Streams die PCM-Version übergab, verlor der Ton etwas an Glanz und Strahlungskraft. Die Receiver kamen mit der eigenen, kürzer angebundenen Wandlung eindeutig besser zurecht. Es galt aber so oder so, dass HD-Video ohne HD-Ton nicht die Hälfte des Erlebnisses ausmacht.

Während das HD-Bild bei der Musik-Blu-ray "Legends of Jazz" (LRS-Media) schon beinahe nicht mehr nötig war. Auch bei den True-HD-Titeln dieser Platte brachte der Stream-Verbund die noch prächtigeren Ergebnisse als die PCM-Übertragung. Insbesondere via Denon AVR 3808 und Pioneer VSX LX 60, wobei sich die Grundcharaktere der beiden Multikanaler offenbarten. Nicht dass sich der Denon fürchtete, wenn Marcus Millers kräftige Pranke bei "The Panther" in die dicken E-Bass-Saiten hieb. Der Pioneer freute sich aber anscheinend auf die abartigen Pulse. Er liebte es geradezu, sich in dem ihnen folgenden Knurren und Brummen zu aalen; er dröselte mit noch mehr Hingabe die dunklen Klanggeflechte auf. Unterm Strich herrschte Einigkeit: Die beiden spielen erstens super und zweitens auf gleichem Niveau.

Beim Pflichtprogramm Normal-Dolby-Digital und DTS vergben sich der nach wie vor elegante und spritzige Denon und der besonders sensibel-aufrechte Pioneer sich wieder nichts, sodass es zum allgemeinen Gleichstand kam. Und der lag, weil sich der Denon-Vorgänger AVR 3806 - nicht gar so elegant, dafür etwas beherzter-ordentlicher als die aktuelle Version - partout nicht geschlagen geben wollte, bei 46 Punkten.

Pioneer VSX LX 60

HerstellerPioneer
Preis1400.00 €
Wertung50.0 Punkte
Testverfahren1.0

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