Aktiver Lautsprecher

Avantgarde Acoustic Zero 1 XD im Test

Avantgarde Acoustic hat die Zero 1 in einer vollaktiven digitalen Variante neu aufgelegt. Wir testen, wie viel Klang aus dem schmalen Gehäuse des Hornlautsprechers Zero 1 XD kommen kann.

  1. Avantgarde Acoustic Zero 1 XD im Test
  2. Avantgarde Acoustic Zero 1 XD: Anschlüsse und Hörtest
Avantgarde Acoustic Zero 1 XD

© Avantgarde Acoustic

Rein äußerlich sieht man der etwa ein Meter hohen und einen halben Meter breiten Zero 1 XD nicht an, welche Kräfte sie entfesseln kann.

Pro

  • extreme Dynamik
  • extrem hoher unverzerrter Pegel
  • detailreiche und unverfärbte Wiedergabe
  • exzellente Präzision und Räumlichkeit

Contra

  • kabellose Ansteuerung nur optional
  • kein analoger Cinch-Eingang

Fazit

Audio-Klangurteil: 105 Punkte; Preis/Leistung: überragend
Hervorragend

Die Hornlautsprecher Avantgarde Acoustic Zero 1 bieten ein Erlebnis der besonderen Art. Avantgarde Acoustic Chef Holger Fromme hatte ein Paar dieses für seine Verhältnisse geradezu winzigen Lautsprechers für den AUDIO-Hörraum abgestellt, in der neuesten Inkarnation, der XD-Version. XD wie extreme digital, mit neuer Firmware und aktualisiertem Processing.

Denn die Zero 1 XD sind komplett digital kontrollierte, vollaktive Lautsprecher. All-In-One-Systeme, die nur noch eine Quelle brauchen. Dennoch: Wer etwa Avantgarde Acoustics gewaltige Trio kennt, dem kommen die 104 Zentimeter, mit denen sich die Zero knapp über Hüfthöhe reckt, doch irgendwie zierlich vor.

Design

Einer der Gründe für den vergleichsweise zarten Wuchs ist, dass die Zero 1 XD kein Vollbereichs-Hornlautsprecher ist. Den Bass übernimmt ein "normaler" Konus, der direkt in die Schallwand montiert ist. Aber schon hört die profane Parallele zu gewöhnlichen Lautsprechern auf.

Den Mittel- und Hochtonzweig tragen die AA-DNA quasi vor sich her: in Form präzise berechneter, sphärischer Kugelwellenhörner. Die brauchen nur kleine, sprich: masseärmere, sprich: schnellere Treiber, um dennoch immensen Schalldruck zu erzeugen. Und schon fängt die Kunst an: Nicht nur die Größen- und Formberechnung ist eine für sich, auch die Fertigung und das Finish müssen den extrem hohen Ansprüchen von Fromme genügen. Nicht umsonst gehört der Lautertaler Mittelständler seit November 2015 dem renommierten "Deutschen Rat für Formgebung" an.

Avantgarde Acoustik zero 1 Detail

© Avantgarde Acoustik

Bodenkontakt hat die Zero 1 XD nur über die beigepackten Ständer. Die ihrerseits die Berührung zur Standfläche auf ein Minimum reduzieren. Ein weiteres Detail, welches das bis ins Kleinste durchdachte Design belegt.

Das Gehäuse der Zero 1 XD besteht nicht aus Holz oder Metall, sondern aus Polyurethan Integralhartschaum, kurz PUR genannt. Dieser Kunststoff lässt sich sehr präzise formen und hat doch eine immense Innensteifigkeit bei vergleichsweise niedrigem Gewicht, was ihn als Boxen-Baustoff prädestiniert. So man ihn sich leisten will.

Digitale Technik

Fromme aber wollte mehr. Er wollte den nächsten Schritt gehen, eine "neue Ära im High-End-Audio" einläuten, den "Ur-High-End-Gedanken Klang, Klang und nochmal Klang verbinden mit neuester Technik". Denn nur mit voller digitaler Kontrolle kann die Interaktion zwischen Raum und Lautsprecher wirklich optimiert werden. Schließlich steht am Ende, so Frommes Schluss, wieder ein analoger Vorgang, das menschliche Hören. "Und diese analoge Schnittstelle ändert sich nicht."

Aber vorher geht, davon ist Fromme auch für die Zukunft überzeugt, "kein Weg vorbei an digitaler, aktiver Entzerrung". Dafür packte er in die Zero 1 XD Prozessortechnik, die in der High Fidelity ihresgleichen sucht. Für Normalsterbliche kaum mehr verständlich ist, was denn nun in den "Field Programmable Gate Arrays" mit deren Rechentiefe von 66 Bit genau passiert. Grob gesagt, teilen die FPGAs erst einmal den Übertragungsbereich in die drei klassischen Bereiche Tief-Mittel- und Hochton auf. Das aber bereits mit progressiven dynamischen FIR-Filtern.

Die ewige Krux analoger Filter: Phasenprobleme. Digitale FIR-Filter können, richtig programmiert, diese ersparen und trotzdem viel schärfer trennen, bei AA werden dabei bis zu 100 Dezibel pro Oktave erreicht. So rigoros wird auch der Basstreiber "nach unten" ausgeblendet, damit der auf ein abgestimmtes Bassreflexgehäuse arbeitende Treiber nur ja nicht in präzisionsmordendes Taumeln gerät. Dann aber greifen die AAFPGA an über 16.000 Punkten im Frequenzgang nochmals zu, um die einzelnen Chassis zu entzerren.

Avantgarde Acoustik

© Avantgarde Acoustik

Die Elektronik der Master-Box birgt Software, Weiche, Equalizer, sechs Endstufen und die Anschlüsse.

Amplituden- und Phasengang sind also linearisiert, doch die Optimierung geht weiter. Um winzige Laufzeitunterschiede zwischen den so hart abgegrenzten Chassis auszugleichen, berechnet die Elektronik auch genau das Zeitverhalten. Fromme: "Die Zeitmaschine - wir haben sie erfunden". Dass die Über-Alles-Pegel für Tief- sowie Mittel- und Hochtonzweig penibel angeglichen sind, versteht sich von selbst.

Soweit die automatischen Funktionen. Die Kunden können noch eine so genannte Ortsentzerrung im Bassbereich vornehmen. Per DIP-Schalter (Mäuseklavier) lässt sich der Tieftonanteil um +/- vier Dezibel manipulieren. Die höhere Schule beginnt, nachdem man sich auf der Website die Software (nur für Windows) heruntergeladen hat und die Anpassung an die eigenen Räumlichkeiten selber vornehmen will. AUDIO empfiehlt, das als Premium-Service von den AA-Fachhändlern in Anspruch zu nehmen.

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