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Testbericht AVM Fritzbox 6842 LTE im Test

AVM Fritzbox 6842 LTE
Die neue LTE-Box AVM 6842 surft im Test flott übers Mobilfunktnetz. Sie beherrscht aber auch Telefonie via LTE. Damit kann der Festnetzanschluss komplett entfallen.

Pünktlich zum LTE-Durchbruch bringt nun auch die Berliner Routerschmiede AVM ihre Fritzbox 6842 LTE auf den Markt. Und die versteht sich im Gegensatz zu vielen anderen LTE-Geräten aus aller Welt mit allen drei in Deutschland verwendeten LTE-Frequenzen .

LTE ist nicht gleich LTE: In Deutschland etwa funkt der schnelle UMTS-Nachfolger in drei Bändern bei 800, 1800 und 2600 MHz. Diese drei Frequenzbereiche haben in der Praxis sehr unterschiedliche Bedeutung: Das großzellige und reichweitenstarke LTE 800 wird von der Telekom und Vodafone großflächig, von O2 weniger engagiert ausgerollt – zuerst auf dem flachen Land, jetzt sind die Städte dran.

Mit einer Telekom-SIM-Karte verspricht sie dank LTE 1800 bis zu 100 Mbit/s beim Surfen über die LTE-Luftstrecke. Mit einer Vodafone-SIM kann der Nutzer dank LTE 800 in der Praxis zwar „nur“ bis Tempo 50 Mbit/s surfen, aber zusätzlich auf zwei LTE-Leitungen in hoher Sprachqualität mit Festnetzkomfort telefonieren. Mit dieser Lösung braucht der LTE-Kunde also keinen extra Festnetzanschluss mehr zum Telefonieren.

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Daneben vereint die neue Fritzbox viele weitere Kommunikationsfunktionen für die Heimvernetzung in einem einzigen Gerät: vier LAN-Anschlüsse, WLAN-11a/b/g/n, eine Telefonanlage mit komfortabler Fritz-Bedienoberfläche, eine DECT-Basisstation für sechs digitale Schnurlostelefone sowie zwei analoge Buchsen für ältere Telefone und Faxgeräte.

Im Gegensatz zur ersten, flunderflachen AVM-LTE-Box 6840 steht der elegante Alleskönner Fritzbox 6842 LTE nun aufrecht und passt so auch in kleine Lücken auf der Fensterbank.

Fritzbox 6842 LTE

Die große LTE-Fritzbox 6842 kommt im ersten Quartal 2013, die kleinere 6810 (rechts) ist bereits seit Ende 2012 zu haben. Mit einer passenden Vodafone-SIMKarte kann der User über beide Boxen nicht nur surfen, sondern sogar auf zwei LTE-Leitungen telefonieren.

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Das macht nicht nur ästhetisch Sinn, am Fenster herrscht meist bessere LTE-Versorgung als in der Mitte eines Hauses. Die via LTE empfangenen digitalen Sprach- und Datenpakete reicht die Box per DECT-Funk an Schnurlostelefone sowie per WLAN an Rechner, Smartphones und andere kompatible Geräte im Haushalt oder Büro weiter. Funkmodule für ältere 2G-/ 3G-Funkarten wie GPRS, EDGE, UMTS und HSPA sind in der AVM 6842 allerdings nicht eingebaut, auch nicht in den Schwestermodellen 6840 und 6810.

Somit beherrschen die LTE-Fritzboxen zwar weniger Funksorten als der 1000-Euro-LTE-Business-Router Lancom 1781-4G, aber weit mehr als etwa die Huawei-B390-Router-Varianten von O2, Telekom und Vodafone, die allesamt nur LTE 800 verstehen. Weiterer Pluspunkt: Wie beim kleineren Modell 6810 sind auch bei der Fritzbox 6842 LTE die LTE-Antennen im Inneren des Routers versteckt; bei der ersten AVM-LTE-Box 6840 ragten die langen Lauscher noch hinten heraus.

Einfache Installation

Die Ersteinrichtung der Fritzbox 6842 LTE ist ausgesprochen einfach: Zuerst steckt man die LTE-SIM-Karte von unten in den Router. Dann verbindet man ihn per WLAN oder LAN-Kabel mit einem Rechner. Tippt man jetzt die Adresse „fritz.box“ in den Internetbrowser des Rechners, landet man auf dem Webserver des Routers. Dort wählt man das LTE-Zugangsprofil von 1&1, O2, Telekom oder Vodafone und tippt die vierstellige PIN der SIM-Karte ein.

Nach ein paar weiteren Klicks steht die Verbindung, sofern ein passendes LTE-Netz verfügbar ist. Danach kann man schon surfen, aber noch nicht telefonieren. Für den Telefoniecheck hat der Münchener Tester drei Berliner Festnetznummern und ein Vodafone-Sprachpasswort von AVM bekommen. Auch diese Daten waren ruck, zuck in die Fritzbox eingetippt und die LTE-Telefonie über das Vodafone-Netz funktionierte in tadelloser Qualität.

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Der Rest der Installation hängt stark von den Wünschen und den zu vernetzenden Geräten des Anwenders ab. Wer jemals eine Fritzbox jüngeren Datums in Betrieb genommen hat, wird sich im Webserver der Fritzbox 6842 LTE sofort heimisch fühlen. Die Einstellmöglichkeiten der Software sind schier uferlos und lassen kaum Wünsche offen. Trotzdem bleibt das Feature-Monster aus Berlin seit Jahren immer noch schön übersichtlich.

Die Router-Software dürfte Fritzbox-Nutzern sehr bekannt vorkommen.
Die Router-Software dürfte Fritzbox-Nutzern sehr bekannt vorkommen. ©

LTE 1800 der Telekom

Ähnlich wie bei WLAN ist auch bei LTE die Funkverbindung hinter dicken Stahlbetonwänden meist schwächer als bei freier Sicht zwischen Basis und Endgerät. Also messen wir beide Situationen: Zunächst den LTE-Indoor-Durchsatz in einem mittelprächtig versorgten Gebäude unweit der Münchner Messe an der A94. Danach stellen wir den LTE-Router auf das Armaturenbrett eines Autos mit 230-Volt-Versorgung in der Nähe einer starken LTE-Basis und messen den Outdoor-Durchsatz direkt unter der flachen Windschutzscheibe.

Mit einer SIM-Karte der Deutschen Telekom und dem schnellsten mobilen LTE-Tarif „Mobile Data“ findet die AVM Fritzbox 6842 LTE im geschlossenen Büro spontan eine LTE-1800-Indoor-Versorgung mit einer schwachen Signalstärke von -104 dBm. Die ausgesprochen schöne Software der AVM 6842 meldet eine nominelle Downloadrate von 102 Mbit/s und eine Uploadrate von 51 Mbit/s. Der tatsächlich gemessene Netto-Download dagegen pendelt sich im Schnitt bei 32 Mbit/s, der Upload bei 10 Mbit/s ein. Die Ping-Zeiten schwanken um 43 Millisekunden.

Das Surfen auf dem Testrechner fühlt sich damit genauso flott an wie in einem guten WLAN-Hotspot, der an einem schnellen VDSL-Anschluss hängt. Im Auto findet die AVM Fritzbox 6842 LTE unweit der A94 eine bessere LTE-1800-Outdoor-Versorgung mit einer recht guten Signalstärke von -78 dBm. (-78 dBm ist besser als -104 dBm, weil ein Minuszeichen davor steht).

Der Netto-Download pendelt sich auf dem Armaturenbrett im Schnitt bei 75 Mbit/s, der Upload bei 8 Mbit/s ein. Die Ping- Zeiten bewegen sich um 35 Millisekunden. Der Download läuft an diesem Outdoor-Messpunkt somit viel schneller als bei VDSL 50, der Upload etwa gleich fix. Die Ping- Zeiten zeigen sich ein bisschen langsamer als bei einem sehr guten VDSL-Anschluss.

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Um noch bessere Werte aus der AVM Fritzbox 6842 LTE herauszukitzeln, fahren wir kreuz und quer durch München. Den besten Download messen wir mit 84,44 Mbit/s auf der Münchener Ludwigstraße 2, zwischen dem Bayerischen Finanz- und dem Landwirtschaftsministerium; die beste Ping-Zeit liegt dort bei 26 Millisekunden. Kein anderer LTE-Router hat in unseren Praxismessungen bislang eine derart hohe Downloadrate erreicht – auch nicht der 1000-Euro-4G-Router von Lancom Systems.

Das neue Apple iPhone 5 zog an gleicher Stelle maximal 77 Mbit/s aus dem Münchener LTE-1800-Netz. Lediglich der 2500 Euro teure LTE-Laptop Sony Vaio S13A vom Sommer 2012 kann dem neuen AVM-Router mit einem gemessenen Praxiswert von 87 Mbit/s das Wasser reichen.

In diesem Laptop ist das LTE-Modem von Sierra Wireless allerdings von äußerst schnellen Komponenten umgeben, die den LTE-Traffic ruck, zuck abtransportieren: Intel-Core-i7-Prozessor, 12 GB Hauptspeicher, zwei schnelle SSDs im RAID-0-Verbund sowie USB 3.0. So rasante Komponenten verbaut man üblicherweise nur in High-Speed-Laptops, aber in keinem LTE-Router. Das wäre zu teuer.

LTE 800 von Vodafone

Beim nächsten Test steckt eine auf 21 Mbit/s gedeckelte SIM-Karte von Vodafone in der 6842-Box; beide Teile wurden von AVM leihweise zur Verfügung gestellt. Im geschlossenen Büro findet dieses Gespann ein LTE-800-Netz von Vodafone bei einer brauchbaren Signalstärke von -89 dBm.

Die LTE-Software der Fritzbox meldet erwartungsgemäß eine nominelle Downloadrate von 21 Mbit/s und eine Uploadrate von 5,7 Mbit/s. Der gemessene Download hingegen pendelt sich im Durchschnitt bei knapp 11 Mbit/s, der Netto-Upload bei gut 4 Mbit/s ein. Die Ping-Zeiten schwanken um 58 Millisekunden. Diese Werte können zwar nicht mit VDSL, aber mit einem Standard-DSL-Anschluss konkurrieren. Klar, dass mit dem 21-Mbit/s-Tarif nicht die vollen 50 Mbit/s kommen, die das LTE-800-Netz von Vodafone ansonsten ebenfalls leisten kann, was wir durch andere Messungen überprüft haben.

Beim Outdoor-Check an der A94 bekommen die LTE-Antennen der Fritzbox 6842 LTE via Vodafone eine Signalstärke von sehr guten -49 dBm. Damit klettert der gemessene Netto-Download tatsächlich auf 21,1 Mbit/s; der Upload bleibt dagegen mit 5 Mbit/s knapp unter der nominalen Deckelung von 5,7 Mbit/s.

Die 6842 war schon perfekt auf die LTE-SIM-Karten von Telekom, Vodafone und O2 vorkonfiguriert.
Die 6842 war schon perfekt auf die LTE-SIM-Karten von Telekom, Vodafone und O2 vorkonfiguriert. ©

LTE 800 von O2

Beim letzten Speedtest steckt eine auf 7,4 Mbit/s begrenzte SIM-Karte von O2 in der Fritzbox. Im geschlossenen Büro findet dieses Gespann eine LTE-800-Indoor-Versorgung mit einer brauchbaren Signalstärke von -99 dBm. Die Fritzbox meldet eine offizielle Downloadrate von 7,42 Mbit/s und eine Uploadrate von 6,14 Mbit/s. Der gemessene Download beläuft sich im Schnitt auf 7,3 Mbit/s, der Upload auf 4,7 Mbit/s. Die Ping-Zeiten schwanken um 35 Millisekunden. Diese Werte können mit einem einfachen Standard-DSL-Anschluss konkurrieren, die Ping- Zeiten sind sogar besser.

Die besten O2-Outdoor-Werte erzielen wir aber nicht an der gut versorgten Messeautobahn A94, sondern in der Nähe des Olympiaparks, in Sichtweite zum O2-Verwaltungstower: Download 7,3 Mbit/s, Upload 5,77 Mbit/s sowie sehr stabile Ping-Zeiten von 25 Millisekunden. Durch diese flinken Reaktionszeiten fühlt sich das Surfen viel schneller an, als man es bei einem 7-Mbit/s-Anschluss ansonsten vermuten würde.

An dieser Stelle ein Lob an die AVM-Programmierer: Die drei wichtigsten deutschen LTE-Datenprofile, sprich Telekom Mobile Data LTE 1800, Vodafone LTE 800 und O2 LTE 800, waren beim Test bereits fehlerfrei in der Fritzbox hinterlegt. Das ist nicht selbstverständlich. Solche Sorgfalt hilft am Ende auch den Herstellern, Supportanrufe und Rücklaufquoten niedrig zu halten, spart also Frust und Kosten bei allen Beteiligten.

Voice-over-LTE

Neben dem flotten Datendurchsatz verspricht die AVM Fritzbox 6842 LTE auch LTE-Telefonie, allerdings funktioniert dieser innovative Dienst bislang nur über das Vodafone-Mobilfunknetz.

Um Voice-Over-LTE zu testen, stecken wir die von AVM geliehene Vodafone-SIM-Karte in den Fuß des Routers und tippen die drei 030-Festnetznummern samt Sprachpasswort in die Bedien-Software der Fritzbox 6842 LTE. Danach melden wir ein DECT-Handtelefon AVM MF-T an der Fritzbox an. Ein paar Sekunden später funktioniert die LTE-to-DECT-Telefonie schon mal im Münchener Testbüro – und später auch im fahrenden Auto: Die Telefonate zwischen dem AVM-DECT und einem Apple iPhone 5 klingen auf Anhieb einwandfrei.

Verbindungstests mit einem HTC Velocity 4G und einem HTC One XL lassen ebenfalls keine Kritik aufkommen. Diese drei teuren Smartphones beherrschen zwar ebenfalls schon LTE-Datendienste, allerdings läuft die Sprachtelefonie bei den Edelhandys noch immer über 2G/3G und nicht über LTE: Alle drei schalten bei einem Anruf noch von 4G auf 2G/3G herunter. In Sachen Voice-over-LTE ist der neue Router von AVM also schon weiter als die aktuelle LTE-Smartphone-Riege.

Fazit: Klare Kaufempfehlung

Die 6842 beherrscht als erster AVM-Router alle drei deutschen LTE-Bänder bei 800, 1800 und 2600 MHz und lieferte im Test auf Anhieb eindrucksvolle Datenraten im LTE-800-Netz von Vodafone und ganz besonders im rasanten LTE-1800-Netz der Telekom.

Auch die LTE-Telefonie übers Vodafone-Netz war schnell konfiguriert und überzeugte im Test mit tadellosem Klang. Der restliche, gewaltige Funktionsumfang der neuen 6842 hat große Ähnlichkeit mit anderen High-End-Boxen von AVM: Sie bieten allesamt sehr umfangreiche Router- und Vernetzungsmöglichkeiten fürs private Heim, aber auch für kleinere Büros, Niederlassungen und Betriebe.

Kaufberatung: 10 AVM Fritzboxen im Vergleich

Der große Unterschied liegt nur im WAN-Modul der Boxen: Die AVM Fritzbox 7390 etwa zieht sich das Internet idealerweise aus einem VDSL-50-Anschluss, die AVM Fritzbox 6840 holt sich ihre WAN-Fernverbindungen bis dato „nur“ aus LTE 800 oder 2600. Erst die allerjüngste AVM Fritzbox 6842 versteht sich endlich auf alle inländischen LTE-Bänder samt der Frequenz 1800 – und verdient sich damit eine klare Kaufempfehlung.

Autor: Harald Karcher

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