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Standbox

B&M BM Line 15 im Test

Die BM Line 15 von Backes & Müller spielt extrem zackig und präzise. Vor allem Audio-Experten kommen bei dieser massiven Standbox auf ihre Kosten.

B&M BM Line 15

© B&M

Die neue BM 15 hat Mitteltöner mit je 13 cm Durchmesser, die den 3-cm-Gewebehochtöner des virtuellen Koax enger einsäumen können.

Pro

  • sehr temperamentvoll mit superbem Timing
  • neutral und breitbandig
  • knackiger Bass
  • große Abbildung

Contra

  • volles Potenzial mit parametrischem 6-Band-EQ erschließt sich nur dem versierten Tüftler
  • Stimmen würden einen Tick Wärme vertragen

Fazit

AUDIO Klangurteil: 103 Punkte; Preis/Leistung: überragend
Hervorragend

Die meisten High-End-Lautsprecher haben etwas von Dinosauriern: Viel Masse, wenig Gehirn. Wenn es einen Hersteller gibt, der schon immer gegen den Strom schwamm, dann Backes & Müller. Die Lautsprecher- Manufaktur aus Saarbrücken setzte bereits auf elektronisch geregelte Aktivtechnik, als für die meisten die Essenz von HiFi noch darin bestand, möglichst imposante Endstufen anzuhimmeln. 

Doch die Aktivierung war für die Saarländer niemals Selbstzweck, sondern die einzige Möglichkeit, der seinerzeit noch nicht durch CAD-Entwicklung beflügelten Chassis-Technik durch allerlei elektronische Korrekturen nicht nur im Frequenzgang, sondern auch im Klirr- und Impulsverhalten auf die Sprünge zu helfen. 

Der aktiven Grundeinstellung blieb B&M auch unter Firmenchef Johannes Siegler treu, der die Geschicke seit 2000 lenkt. Doch sonst blieb kein Stein mehr auf dem anderen, was die Lautsprecher von der Saar betrifft. Das finde ich offen gesagt auch gut so, schließlich spielte mir die sagenumwobene BM 20 zu streng. Zu allem Überfluss, endete vor gut 30 Jahren der Versuch, von meiner Hörtestscheibe der Thom Rotella Band den Titel „Friends“ mit Schmackes zu hören damit, dass die durch Sensoren geregelte Mittel-Hochtonsektion über den sphärischen Synthieklängen am Anfang dieses E-Bass-Tracks ins Schwingen kam. Nein, ich war kein Freund der ewigen Referenz.

Perfektes Impulsverhalten

Unter Siegler fand ein massiver Technologie-Transfer aus dem Studiobereich vom Schwester-Unternehmen KSdigital statt, der mit einer weitgehenden Digitalisierung der Aktivboxen einherging. Dabei bewies Siegler das nötige Augenmaß, statt sich dem Fortschrittsglauben zu unterwerfen. Deshalb verzichtet er auch auf die wenig zielführende Sensorregelung der Mittel- und Hochtöner, während er den drei Bässen der gerade überarbeiteten BM Line 15 durch lückenlose Überwachung ihrer Membranpositionen durch DMC 2.0 zu perfektem Impulsverhalten verhilft. Das ergänzt sich optimal mit der geschlossenen Bauweise der 3-Wege-Box, die staubtrockene Bässe erwarten lässt.

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Ihren Namen verdankt die BM-Line-Serie allerdings der als Line Source oder auf gut Deutsch als Zeilenstrahler ausgelegten Mittel-Hochton-Sektion. So sicher wie der prominenteste Saarbrücker Oskar Lafontaine seinen Marx wohl im Schlaf zitieren könnte, so akribisch hat sich die Konstruktionsabteilung von Backes & Müller mit den Arbeiten von Altmeister Joseph D’Appolito auseinandergesetzt, dem wohl am meisten fehlinterpretierten HiFi-Guru. Ein Satz des Meisters reicht aus, um die meisten D’Appolito-Look-alikes unter den Boxen – Sie wissen schon, die mit dem Hochtöner im Sandwich zwischen zwei Mitteltönern – als Blender zu entlarven.

B&M BM Line 15 Elektronik-Modul

© B&M

Equalizing via Ethernet: Das Elektronik- Modul beherbergt nicht nur Endstufen und Aktivweichen der 3-Wege-Box, sondern den DSP plus einen 24/192-DAC.

Wenn die Wellenlänge im Übergang zum Hochtöner zwei Drittel des Abstands der Zentren der in einer Linie angeordneten Mitteltöner übersteigt, funktioniert die Sache nicht mehr richtig. Statt der gewünschten Bündelung in der Vertikalen zur Vermeidung von Boden- und Deckenreflexionen, gibt es dann allerlei unerschwünschte Überlagerungen. 

Deshalb baute Backes & Müller eine möglichst knappe Treiber-Peripherie um die immerhin 3 cm große Gewebekalotte, damit die beiden 13-cm-Mitteltöner ganz dicht zusammenrücken können, um einen virtuellen Koax zu bilden. Trotzdem bleibt der Hochtöner ein Kostenkompromiss. Mit dem AMT der größeren BM Line 20, der vertikal bündelt, während die Kalotte ihre Schallerenergie in alle Richtungen gleichmäßig verteilt, lassen sich auch Überlagerungen zwischen der Hoch- und Mitteltönern vermeiden.

B&M BM Line 15 Pegel-Programmier-Gerät

© B&M

Und ist sie nicht willig, so gebrauchst du das optionale B&M Pegel-Programmier-Gerät, 1500 Euro mit sechs parmetrischen Equalizern als Waffe gegen Raum-Moden. Damit lässt sich sogar der Q-Faktor beeinflussen.

Hintereingang für Profis

Einen Bogen machen sollten alle, die nicht mit Thiele und Small auf Du und Du sind, um den kleinen Zauberkasten PPG. Mit dem optionalen Pegel-Programmier- Gerät lassen sich via Ethernet-Verbindung die Raum-Moden zähmen, wenn man sie denn kennt und wenn man mit Werten wie dem Q-Faktor für die Filtergüte etwas anzufangen weiß. Wer sich ganz sicher ist, was er tut, der kann auch gleich mit dem Laptop auf den leistungsfähigen von einem „Field Programable Gate Array“ (FPGA) ausgeführten Software- DSP zugreifen. Schließlich ist die 51 Kilo schwere Säule so etwas wie die Bulthaup-Küche unter den High-End-Boxen, für Experten, die sich ihr Gourmet- Menü selbst zubereiten wollen, statt es sich im Sterne-Restaurant fertig servieren zu lassen. 

Für Professional-Audioaffine Cracks, die selbstverständlich eine digtale Quelle mit AES-EBU-Digital- Ausgang besitzen, um das Signal mit einer maximalen Auflösung von 24 Bit/196 kHz in der B&M-Box wandeln zu lassen. Wer mag, kann einfach seinen analogen Vorverstärker über die symmetrischen XLR-Buchsen anschließen und sich die neue Line pur reinziehen. Die BM Line 15 kam von der Saar und siegte mit ihrer zackig vorgetragenen Attacke über den mitunter drögen Tester-Alltag. 

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Diese Hi-Tech-Superbox fegte mit Verve den Staub von den Hörtest-CDs und den Hörtest-Floskeln: Was ein Speed! Wer wie ich ab einer gewissen Ausgewogenheit vor allem auf Drive und noch mehr Drive aus ist, der kann sich mit dieser gerade in zeitlicher Hinsicht extrem präzisen Box den Kick geben. Die Line 15 stellte ein gut aufgenommenes Schlagzeug in den Dimensionen 1:1 in den Hörraum, der Punch wurde nicht herunterskaliert. Angesichts dieser von 2 x 800 Watt befeuerten Performance kostete es mich ein Lächeln, auf das Einfordern etwas wärmerer Stimmen zu verzichten. Fest steht: Im Saarland gibt es nicht nur äußert erfolgreiche Karren-, sondern auch Boxenbauer mit riesigem Potenzial.

Fazit

Bald 30 Jahre liegen zwischen meiner ersten Begegnung mit einer Box von Backes & Müller und dem Test der BM Line 15. Es war etwas wie Liebe im zweiten Anlauf. Das kongeniale Timing dieser geradezu nach Impulsen und komplexen Musikpassagen gierenden akustischen Vulkane kann süchtig machen. Sie begeistern analytische Hörer wie alle, die eine ultimative Spaßpackung wünschen. Den Hauch von Nüchternheit kann man als Nebenwirkung des Speeds ausblenden.

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