Android-Smartphone mit Qwertz-Tastatur

Blackberry Priv im Test

Ist ein Blackberry mit Android so überflüssig wie ein Kropf? Oder ist er die Lösung, auf die Fans des mobilen E-Mail-Pioniers gewartet haben? Das muss der neue Priv im Labortest zeigen.

Blackberry Priv

© Blackberry

In neun Millimeter Bauhöhe bringt Blackberry eine ausschiebbare mechanische Tastatur und eine 18-Megapixel-Kamera unter.

EUR 589,09

Pro

  • Blackberry Hub zur angenehm effizienten Kommunikation
  • ergonomische Tastatur
  • großes, hochwertiges OLED-Display
  • 32 GB Speicher plus Micro-SD-Slot
  • exzellentes Funk-Interface
  • großes Software-Angebot dank Google Play
  • Tastatur arbeitet auch als Touchpad
  • sehr gute 18-Megapixel-Kamera

Contra

  • groß und schwer
  • Betriebssystem unter Kontrolle von Google
  • etwas hoher Preis

Fazit

Connect-Urteil: gut (423 von 500 Punkten)
84,6%

Blackberry-Besitzer wussten schon immer, was sie hatten: Das ausgefuchsteste System zur schriftlichen Kommunikation, das auf einem Smartphone zu bekommen ist. Schon bei der Organisation von E-Mails, Messages und Anrufen ist der Blackberry Hub anderen Mail-Apps haushoch überlegen. Auch beim Schreiben zeigt sich der Hub mit lernfähiger, mehrsprachiger Wortvorschlagshilfe als perfektes Tool zur formvollendeten Mail. Hinzu kommt die bei den meisten Blackberrys vorhandene ergonomische, mechanische Tastatur, die eine viel höhere Treffsicherheit bietet als die Touchscreen-Keyboards anderer Smartphones.

Ausziebare Tastatur

Beim Priv ist die Tastatur sogar ausschiebbar und lässt sich bei Nichtgebrauch hinter dem großen Display verstecken. Zudem ist sie als Touchscreen ausgeführt, mit dem sich etwa durch die lange Liste der Inbox scrollen lässt. Soweit und soviel des Lobes. Geht es aber darum, das ganze Potenzial eines Smartphones auszuschöpfen, zeigt das exklusive Blackberry- Betriebssystem auch Schwächen. Sich etwa in einer fremden Stadt zurechtzufinden ist mit der vorinstallierten Navigation höchstens für Autofahrer mit einigen Abstrichen zu empfehlen.

Fußgänger sollten tunlichst zu anderen Hilfsmitteln greifen. Auch der öffentliche Nahverkehr wird mit dem Blackberry zur Schicksalsfrage. Für den Stuttgarter VVS gibt es eine App, für den gewiss nicht weniger wichtigen Münchner MVV nicht. Die App-Versorgung ist zwar unterm Strich in vielen Kernbereichen ausgezeichnet. Sie trifft aber auch schnell auf Grenzen, etwa bei der Steuerung von Sonos- oder Bose-Multiroom-Systemen.

Screenshots: Blackberry Priv

© Weka/ Archiv

Etablierter Standard: Der Blackberry Hub setzt weiterhin Maß-stäbe in der Kommunikation.Kontrolle ist besser: Die DTEK-App zeigt, wo die Sicherheit des Android-Blackberrys Lücken aufweist.Scharf: Mit der 18-Megapixel- Kamera rückt der Priv auch foto-technisch zur Elite auf.

Ein neues Zeitalter

Hier bringt der neue Priv einen entscheidenden Vorteil. Er kehrt Blackberry OS 10 den Rücken und arbeitet mit Android 5.1 als Betriebssystem. Damit ist erstmals Google Maps auf einem Blackberry zu Hause, und auch sonst steht die unübertroffene Auswahl des Google Play Stores bereit. Die Zeiten, in denen die Entscheidung für einen Mail-Profi von Blackberry mit weitreichenden Einschränkungen in der sonstigen Funktionalität verbunden war, sind damit vorbei.

Doch dafür betritt der Priv die Welt der Datensammler von Google, statt im als vertrauenswürdig geltenden Kosmos des Herstellers zu bleiben. Immerhin: Blackberry hat eine DTEK genannte App auf dem Priv installiert, mit der es neben der Steuerung diverser Sicherheitsaspekte möglich ist, zu überwachen, welche heruntergeladene App auf welche Daten und Gerätefunktionen zugreift. So lässt sich leichter abwägen, ob eine Anwendung mehr Daten abzieht, als sie für ihre Dienste braucht und ob ihr Vorteil im Verhältnis zu dem durch sie bedingten Risiko steht.

Starke Hardware

Bei der Hardware zeigt Blackberry erneut höchste Könnerschaft. Der Auszugsmechanismus der Tastatur läuft leichtgängig und satt und ist verwindungssteif wie ein guter Rennwagen. Der Priv trägt im unteren Teil die bereits erwähnte, exzellente Qwertz-Tastatur, darüber kommt ein mit 450 cd/m² sehr helles OLED-Display mit großzügigen 5,4 Zoll und satten 2560 x 1440 Pixeln zum Einsatz. Den Eindruck höchster Qualität vervollständigen die seitlichen Kanten des Displays, die großzügig verrundet und in einen stabilisierenden Metallrahmen gefasst sind.

Blackberry Priv: Seitenansicht

© Blackberry

In neun Millimeter Bauhöhe bringt Blackberry eine ausschiebbare mechanische Tastatur und eine 18-Megapixel-Kamera unter.

Schneller Chip, guter Empfang

Wer von einem älteren Top- Android-Smartphone auf den Priv umsteigt, wird von der Arbeitsgeschwindigkeit des von 3 Gigabyte Arbeitsspeicher befeuerten Snapdragon-808-Prozessors überrascht sein. Dieser Eindruck wird im mobilen Interneteinsatz unterstrichen. Dank Funkeigenschaften an den Grenzen des Machbaren holt der Blackberry zudem das Beste aus UMTS- und LTE-Netzen. Einzig aus den Akkus kitzeln andere Hersteller noch mehr, ein "Gut" verdient aber auch die Ausdauer des Priv. Und bei der Kamera braucht sich der neue BB schon gar nicht vor der aktuellen Smartphone-Elite zu verstecken: Der 18-Megapixel-Sensor liefert auch bei schwierigeren Lichtverhältnissen Bilder von hoher Natürlichkeit und beeindruckender Feinzeichnung.

Das Beste aus zwei Welten

Wer mit Android als Betriebssystem leben kann, bekommt mit dem Blackberry Priv nun das Beste aus zwei Welten. Eine so starke Kommunikationsmaschine in Verbindung mit dem größten vorstellbaren App-Angebot war bisher für Geld und gute Worte nicht zu bekommen. Die Größe und das Gewicht sind angesichts der Tastatur und des superben Displays verschmerzbar, und der geforderte Preis von 779 Euro wird durch Qualität und Ausstattung voll gerechtfertigt. Der Priv ist ein Blackberry, der Begehrlichkeiten weckt.

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