Praxistest

Blu-ray-Player/Receiver Denon S-5 BD "Cara"

Wer es gerne effizient und einfach mag, sollte sich die adrette S-5 BD Cara (2000 Euro) von Denon ins Wohnzimmer holen. Der Blu-ray-Receiver mit dem italienischen Spitznamen kann weit mehr als nur hübsch aussehen.

Blu-ray-Player/Receiver Denon S-5 BD

© Herbert Härle

Blu-ray-Player/Receiver Denon S-5 BD "Cara"
image.jpg

© Archiv

Aufgedeckt: Links die Digital-Platine, rechts die Schaltendstufen, gut verborgen unter den Kühlrippen. Der Lüfter ist übrigens nur äußerlich prägnant - im Betrieb ist er kaum wahrnehmbar.

 Es ist so eine Sache mit der Effizienz. Einerseits verführt sie den modernen Homo Sapiens zu absurden Zeitsparmanövern, lässt ihn etwa Botschaften an Freunde und Familie auf SMS-kompatible 160 Zeichen komprimieren, Kaffee nur noch im Gehen trinken und frisches Gemüse im Internet bestellen. Andererseits hilft sie aber enorm dabei, die kostbare Freizeit nicht sinnlos zu vergeuden, zum Beispiel mit dem Suchen nach geeigneten Aufstellungsflächen für großformatige AV-Geräte und den dabei zwangsläufig entstehenden Diskussionen mit Mitbewohnern. Oder dem Verzweifeln an den Verständigungsproblemen per HDMI verkabelter Komponenten.

Effizienz kommt im diesem Falle in der mattschwarzen Form des Denon-Blu-ray-Receivers S-5BD, Kosename Cara, ins Spiel. Leichter kann Heimkino eigentlich nicht sein: einfach auspacken, aufstellen, einstecken, anmachen, schon sind Blu-ray Disc-Player samt Fünf-Kanal-Receiver im Einsatz. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Das spart Platz, Kabel, Ärger mit eventuellen HDMI-Problemen, langwierige Einstellungsprozeduren, Fernbedienungen - und sieht auch noch gut aus.

Offenherzig

Dabei ist die schöne Cara keineswegs schüchtern und steht anderen andockwilligen Gerätschaften aufgeschlossen gegenüber. Drei HDMI-Eingänge zeugen von guten digitalen Umgangsformen, einer davon ist manierlich an der Front unter der Seitenklappe verborgen. Im selben Geheimversteck sitzt auch der USB-Anschluss, zuständig für Daten vom Speicherstick und iPod. Über das Apple-USB-Kabel gelangen nicht nur dessen Audiosignale auf direktem Wege zum DSP-Herz der Cara (und können dort bei einer Komprimierungsstufe unter 192 Kilobit/s mit dem "Audio Restorer" akustisch aufgebretzelt werden) - der iPod überlässt ihr sogar die komplette Kontrolle über seine Musikbibliothek, reagiert artig auf die Befehle der Denon-Fernbedienung und tankt nebenbei gemütlich seinen Akku auf.

image.jpg

© Archiv

Gut versteckt: Unter den raffinierten Abdeckung an den Seitenfronten sitzen einige digitale Schnittstellen wie SD-Kartenleser, USB oder ein dritter HDMI-Eingang.

Überhaupt versucht Cara stets, ihrem Besitzer das Leben so einfach wie möglich zu gestalten. Das fängt mit dem gut strukturierten Benutzerhandbuch an und führt über das grafische On-Screen-Display zum einfachen Setup. Ganz pragmatische Zeitgenossen schließen schlicht ihre Lautsprecher an und starten dann die Einmessautomatik von Audyssey, die nebenbei noch akustische Unebenheiten im Raum auszugleichen sucht. Bis zu fünf Boxen samt Subwoofer vermag der Receiver mit seinen Schaltendstufen selbst anzusteuern; eventuell erwünschte Surround-Back-Kanäle hinter dem Sofa oder momentan heiß gehandelte "Front Height"-Bühnenerweiterungen brauchen einen externen Amp.

Übrigens muss man als Heimkinofan nicht zwangsweise viele Boxen im Wohnzimmer unterbringen - Cara bietet der Zweikanal-Fraktion mit Dolby Virtual Speaker einen bewährten Algorithmus für die überzeugende Surround-Illusion. Besonders Filme profitieren von den knackigeren Effekten und den exakt mittig projizierten Dialogen. Puristisch, ohne virtuelles Beiwerk, darf es dann wieder bei der Musikwiedergabe zugehen, entweder mit der vorhandenen Stereo-Spur auf der Disc (Blu-ray) oder gar mit einem von Cara selbst gemischten Downmix des Mehrkanal-Tracks (öfter bei Musik-DVDs zu empfehlen).

Auch hier verschwendet Cara übrigens keine Ressourcen, schlägt die nicht benötigten Surround-Kanäle auf Wunsch einfach im "Dynamic Play Mode" den Stereo-Endstufen zu. Ob's besser klingt, lässt sich mit einem Tastendruck auf der Fernbedienung ausprobieren.

Bildschön

image.jpg

© Archiv

Angedockt: Denon ASW-51N/w, ab 250 Euro: Das wahlweise nur Ethernet-fähige (N) oder in der 50 Euro teureren Variante auch kabellos funkende Dock (W) verleiht AV- und Blu-ray-Receivern lang ersehnte Streaming-Fähigkeiten und eine Heimat für iPods. Angeschlossen wird es digital über Coax oder analog, Videos und Fotos nehmen den Weg über die Hosiden-Schnittstelle. Das Dock kommuniziert mit UPnP-kompatiblen Medien-Servern auf Computer oder NAS (etwa mit Windows Media Player oder Twonky) und holt Internetradio aus dem weltweiten Netz. Das Scrollen durch große Verzeichnisstrukturen wird durch eine Blätterfunktion erleichtert. Es spielt alle gängigen Formate, aber kein HD.

Natürlich versteht sich Cara dank eingebautem Blu-ray-Disc-Laufwerk auch auf visuelle Reize in der vollen HD-Auflösung. Selbst DVDs oder analoge Videoquellen kommen in den Genuss der Pixelveredelung auf 1080 progressive Zeilen. Als interessierter Heimkinofreund sollte man bei der Videoeinstellung im Setup je nach eingelegter Bildquelle auf den richtigen Progressive-Modus achten: Zeigt das hochskalierte DVD-Bild in eigentlich gerade verlaufenden Kanten leichte Sägezähne  (sogenannte Jaggies), einfach mal den Modus von "automatisch" auf "Video 1" oder "Video 2" wechseln. Beim BD-Bild dagegen wird auch das geübteste Auge kaum Schwächen ausmachen können. Verwirrende Einstellungsorgien gibt es ohnehin nicht, die Rauschunterdrückung beispielsweise übernimmt Cara ganz eigenverantwortlich, ohne ihre menschlichen Mitbewohner zu behelligen.

Im Blu-ray-Disc-Paket inklusive ist auch ein BD-Live-fähiger Ethernet-Anschluss, um weitere Inhalte zur eingelegten Disc aus dem Internet zu fischen. Leider wurden dem Netzwerk-Client keine weiteren Fähigkeiten anvertraut - um Cara in eine effektive Streaming-Lösung zu verwandeln, braucht es externe Hilfsmittel wie das Dock ASW-51W.

HD-Ton wiederum gibt es frei Haus, aufbereitet von einem bewährten Sharc-DSP von Analog Devices mit 32-Bit Rechenpower. Jener zeichnet auch für Bassmanagement, Laufzeitenkorrektur und filigrane Audio-Delay-Korrekturen verantwortlich, falls die Bildwiedergabe im Fernseher dem Ton hinterher hinken sollte. A propos Fernseher: Wer ein brandneues Modell mit brandneuer HDMI-1.4-Schnittstelle sein Eigen nennt, kann den über Sat-Receiver oder Kabel empfangenen TV-Ton einfach über das HDMI-Kabel per "Audio Back Channel" zu Cara weiterleiten. Dort wird er auf Wunsch per "Audyssey Dynamic Volume" aufbereitet und über die angeschlossenen Lautsprecher anstatt magerer Fernseh-Böxchen ausgegeben.

Überhaupt der Ton: Cara macht genau das, was sie tun soll - nämlich ausgezeichnet unterhalten. Allen Unkenrufen über Schaltendstufen zum Trotz wirkte sie weder kühl noch zu hell, gab sich zwar im Tiefbass etwas zurückhaltend, verschaffte aber mit einem wohlig-warmen Oberbass und seidigen Grundton sowohl Stimmen als auch Instrumentenkörpern den richtigen Raum und stimmiges Timbre. So swingte Jane Monheit genau so überzeugend kokett-samtig mit John Pizzarelli zu "They Can't Take That Away From Me" wie den Western-Helden in "3:10 To Yuma" beeindruckend die Kugeln um die Ohren flogen. Perfekt für den Heimkino-Abend mit anschließendem Musik-Ausklang.

Fazit

Kein Geräteturm, kein Kabelsalat, kein Ärger: Cara ist der wohl schönste Kompromiss, dem man beim Heimkino eingehen kann. Dabei erhebt sie nicht den Anspruch der audiophilen Musikkunst, sondern ist das perfekte Showtalent. Vollblut-Entertainerin statt sensibler Diva.

Mehr lesen

Wer ist die Nummer eins? -

Mehr zum Thema

Cambridge CXN
Netzwerkplayer

Der Netzwerkplayer Cambridge CXN bietet eine reiche Ausstattung und praktische Funktionen. Wie der Player klingt, zeigt der Test.
KEF Blade Two
Standlautsprecher

Die Blade Two von KEF soll das Ideal der perfekten Punktschallquelle erreicht haben. Wie nah die Standbox dieser hifidelen Perfektion kommt, zeigt der…
image.jpg
Plattenspieler

Der SME Model 15 tritt dezent auf. Doch im AUDIO-Test wird deutlich: Hier handelt es sich um einen der perfektesten Plattenspieler des Universums.
Plattenspieler Opera Audio LP 6.3 im Test
Plattenspieler

Der Opera Audio LP 6.3 ist ein klassisches Analog-Laufwerk mit puristischem Design. Bringt die Reduzierung auf das Nötigste einen höheren…
Focal Sopra
Kompaktbox

Auch das Konzept der Zwei-Wege-Box kann man weiterentwickeln. Die Sopra 1 ist eine der wohlklingendsten Kompaktboxen. Wie schlägt sie sich im Test?
Alle Testberichte
Acer Switch Alpha 12
Detachable
75,4%
Das Acer Switch Alpha 12 ist das erste lüfterlose 2-in-1-Gerät mit Core-i-Prozessor. Im Test hinterlässt es einen…
Huawei P9 Plus
5,5-Zoll-Smartphone
88,0%
Huawei optimiert das P9 und heraus kommt ein echter Überflieger: Wir haben das Huawei P9 Plus getestet.
Samsung Galaxy A3 rosa
Testberichte
Alle Tests von Smartphones, Handys, Tablets, Navis, Notebooks und Ultrabooks, DECT-Telefonen und DSL-Routern in der Übersicht.