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Bowers & Wilkins CM8 S2 im Test

Die schlanke Bowers & Wilkins CM8 S2 findet auch in der kleinsten Hütte Platz. Doch kann die zierliche Standbox im Test auch klanglich überzeugen?

Bowers & Wilkins CM8 S2

© Bowers & Wilkins

Bowers & Wilkins CM8 S2

Pro

  • schmale Silhouette
  • Kevlarmembran mit Phase-Plug
  • Langzeithören möglich

Contra

  • zurückhaltende Höhen

Fazit

AUDIO-Klangurteil: 89 Punkte; Verarbeitung: Überragend; Preis/Leistung: Überragend

Für mich war es immer etwas Besonderes, eine Bowers & Wilkins zu testen. Das hängt mit einem positiven Einkaufserlebnis zusammen, das schon 20 Jahre zurückliegen dürfte. Damals stand im Schaufenster eines Münchner HiFi-Ladens die B&W DM601 S1 zu einem verlockenden Preis. Immer wieder schlich ich an dem Laden vorbei, bis ich eines Tages hineinging. 

Heraus kam ich mit einem Pärchen DM601 S1, einem neuen Vollverstärker, Lautsprecherständern und schicken Lautsprecherkabeln. Das Besondere an der Geschichte war, dass die Besitzer des HiFi-Ladens trotz der Aussichten, „nur“ eine günstige B&W zu verkaufen, mich so behandelte, als wäre ich ihr bester Kunde. Das machte das Einkaufserlebnis sehr erfreulich und trug mit Sicherheit dazu bei, dass ich jahrelang Freude an dieser Kombi hatte.​

B&W_CM8_S2_Tieftöner

© B&W

Pappe und Kevlar finden bei den Tieftönern zueinander. Das Ergebnis ist eine hochfeste Membran mit sehr geringem Gewicht.

Entschuldigen Sie den kurzen Ausflug in meine HiFi-Vergangenheit, aber sobald ich eine gelbe Kevlar-Membran sehe, erinnert das mich an meine erste B&W. In der Topserie ist das gelbe Kevlar dem silberfarbenen Continuum-Material gewichen. Klanglich ein Fortschritt, optisch für viele auch, aber trotzdem freue ich mich immer noch über die goldgelbe Membran der CM8 S2, die hier im Hörraum vor mir steht. 

Die Box ist eine elegante Erscheinung; gegenüber der 802 D3, die ebenfalls als Referenz im Hörraum steht, wirkt sie grazil, nahezu zerbrechlich. Die Verarbeitung ist ausgezeichnet: Wohin das Auge blickt, jedes Detail ist sauber und ästhetisch ausgeführt. Kein einziges Schräubchen lässt sich entdecken. Die CM8 S2 ist auch kein Lautsprecher, der sich hinter einer Abdeckung verstecken will. 

Zwar sind Abdeckungen in Schwarz (Grau bei​ der weißen Variante) mit dabei und finden elegant per Magnet Halt an der Front, aber Kenner sorgen für einen unverbauten Blick auf das goldgelbe Kevlargewebe und den markanten Phaseplug des Mitteltöners. Darüber befindet sich der Hochtöner mit seiner doppelwandigen und besonders steifen Aluminiumkalotte, die hinter einem eigenen Schutzgitter sitzt.

Im Basement sorgen zwei 130-mm-Basschassis für Schub bei den tiefen Tönen. Hier kommt ebenfalls Kevlar zum Einsatz, kombiniert mit Pappe. Leichte und steife Membranen sind die positiven Folgen dieser Liaison aus Einfach und Hightech.​

B&W_CM8_S2_Bassreflexport

© B&W

Der Bassreflexport der SM8 S2 hat eine spezielle Oberflächenstruktur, die Strömungsgeräusche minimieren soll.

Auf der Rückseite befindet sich ein Terminal mit stabilen Schraubklemmen, die auch Bi-Wiring und -Amping ermöglichen. Für den Single-Betrieb sind stabile Blechbrücken verschraubt. Der Bassreflex-Port zeigt ein interessantes Muster: Wie bei einem Golfball hilft es, die Aerodynamik zu verbessern und in diesem Fall Strömungsgeräusche wirkungsvoll zu unterbinden. 

Hörtest

Im Ayre-Player rotierte schon die CD mit dem Soundtrack zu „Koyannisqatsi“ von Philip Glass. Schon bei den ersten Tönen fiel auf, wie tiefenentspannt die CM8 S2 zu Werke ging. Vollkommen unaufgeregt und souverän präsentierte sie den Titel „Prophecies“.

Ihre leichte Zurückhaltung in den Höhen ergibt eine kompakte Darbietung, der man stundelang lauschen kann, ohne dass die Ohren ermüden. Das Bassfundament ist für die Größe der Box erstaunlich, auch wenn es nicht ganz so tief reicht.​

B&W_CM8_S2_Elektronik

© B&W

Die hochwertige Verarbeitung endet nicht an der Oberfläche. Stabile Steckverbindungen machen die Elektronik servicefreundlich.

Komischerweise wirkte bei der CM8 S2 das Glass-Stück gar nicht so beklemmend wir bei einer ihren großen Schwestern, sondern erzeugte eine eher zuversichtliche Stimmung. Von der letzten Audiophile Pearls Vol. 18 lauschten wir dem Track 8, The Divine Comedy mit „How Can You Leave Me On My Own“. 

Auch hier war eine gewisse Zurückhaltung in den allerhöchsten Höhen zu vernehmen, allerdings fiel gleichzeitig die feine Auflösung und tolle Differenzierung beim Schlagzeug auf, vor allem bei Hi-Hat und Becken – das klang schon sehr, sehr fein. Wir sprangen zwei Tracks zurück zu Madeleine Peyroux mit „Everything I do Gonna Be Funky“. Den Titel nahm die B&W sofort wörtlich und swingte funky los. Perfektes Timing lud zum Mitschnipsen ein. Die Stimme von Frau Peyroux besaß Substanz, dazu ein wenig Rauch, das klang betörend.​

​Die Ortbarkeit war bei allen Stücken sehr gut, die Bühne wurde dabei nie zu tief oder zu breit gebaut – was sich schlagartig bei Erich Kunzels „Time Warp“ mit dem Cincinnati Pops Orchestra änderte. Don Dorseys „Ascent“ mit den vielen kleinen Synthi-Effekten und den riesigen Dynamiksprüngen holten einiges an Raum und Bühne aus der kleinen CM8 heraus.​

Fazit

Die CM8 S2 von Bowers & Wilkins ist die Lösung für alle, die einen schlanken Lautsprecher suchen, der im Wohnzimmer nicht dick aufträgt, bezahlbar ist, gut aussieht und auch noch toll klingt. Der eine oder andere mag den letzten Glanz in den Höhen vermissen, auf der anderen Seite ist die kleine Britin dafür nie anstrengend. Ihre Verarbeitung ist top, die hochwertigen Chassis mit Kevlar sind in dieser Preisklasse nicht unbedingt üblich.​

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