Standbox

Burmester BA 31 im Test

Nicht nur bei Burmester geht der Trend zum Zweit-Hochtöner. Die neue BA 31 bekam einen zweites AMT für die Rückseite, um in Verbindung mit einer Lautstärkeanpassung Luftigkeit, Räumlichkeit und die Anbindung an den Raum zu verbessern. Kann die ambitionierte Ambience-Serie damit auch auf Purismus bedachte Audiophile fesseln?

Burmester BA31

© Burmester

Burmester BA31

Burmesters neue BA 31 für fast 18.000 Euro, der Einstieg in die Welt der Ambience-Serie, hat einen zweiten, vollwertigen AMT (Air-Motion-Transformer) auf der Rückseite, der im Idealfall den durch einen etwas zu stark in den Höhen gedämpften Raum und die Bündelungseffekte des vorderen AMT bedingten Energiemangel an höchsten Höhen ausgleicht.

Die Idee mit dem hinteren Hochtöner, der den Raum aufmacht und wie ein Dipol die Anbindung ans Ambiente verbessern kann, ist an sich simpel und zum Beispiel schon von Firmen wie Ascendo aufgegriffen worden. Doch es ist das Wie, das den Reiz ausmacht. Der Metall-Lautstärkeknopf läuft satt wie bei einem Vorverstärker der Berliner Marke, die Wirkung hat durchaus Charme. Vor allem stimmt die Basis. Das von einem starken Neodymmagneten angetriebene Hochtonbändchen der 2,5-Wege-Bassreflex-Konstruktion erhält Unterstützung von einem Mitteltöner und einem Tief-Mitteltöner mit 17-Zentimeter-Glasfaser-Papiermembran.

Design

Wenn man die mit entkoppelten Alufronten in drei unterschiedlichen Farben lieferbare Standsäule in ihrem raffinierten, aber keinesfalls protzigen Styling im Hörraum sieht, durchläuft man eine Verwandlung. Normalerweise, wenn man eine High-End-Box mag, stellt man sie sich in einem schalldichten, ausgebauten Keller oder Studio vor. Doch dieses Prachtstück in Echtholz-Makassar schreit förmlich nach einem angemessenen Ambiente wie aus einem Lifestyle-Magazin mit ausgesuchten Möbeln und kostbaren Gemälden. Während man sich üblicherweise Nachbarn wegdenkt, sehnt man sich hier die Anwesenheit eines Innenarchitekten herbei.

Burmester Anschlüsse

© Burmester

Aus der Klemme geholfen: Wer kennt nicht die Luxussorgen, sich zwischen WBT- und Burmester-Anschlüssen zu entscheiden? Die BA 31 besitzt beide Boxenklemmen-Familien in Bi-Amping-Konfiguration. Denn Erstere haben sich besonders bei Bananensteckern bewährt, Letztere bei Kabelschuhen.

Klang

Und die BA 31 klingt auch noch so gut, dass man sie wahrscheinlich selbst in Kastenform mit Schrumpflack verehren würde. Sie spielt nicht nur so gut, wie sie aussieht, sie tönt sogar noch weit spektakulärer. Ob Pop, Rock oder Klassik, sie macht alles mit, was ihr der stolze Besitzer abverlangt. Und wie! Die Standbox ging immer zur Sache, als sei sie genau für diese Musikrichtung geschaffen worden. Als Freund will man jemanden wie die Burmester BA 31 kaum haben: Sie gibt immer das von sich, was man gerade hören will. Aber als HiFi-Box bekommt sie die volle Punktzahl.

Wenn sich ein Lautsprecher wie dieser den hohen Frequenzen nicht verschließt, muss man bei Streichern immer aufpassen, dass er es nicht übertreibt und Schärfe ins Spiel bringt. Das passiert mit der BA 31 nicht einmal, wenn es der Besitzer am Hochtonregler etwas übertreibt. Dann weicht zwar die Abbildung auf, aber die Berlinerin wird nicht aggressiv. Gefühlvoll eingepegelt, lässt sie vielmehr die Saiten atmen und kommt erstaunlich dicht an das Live-Gefühl einer Geige heran. Das Gleiche gilt für Holzbläser, die frisch und frei aufspielen, aber im Test nie penetrant wurden.

Big Data: Der gläserne Lautsprecher ist Realität

Burmester pflegt die Tradition, eine möglichst große Fertigungstiefe zu erzielen. Selbst Bauteile wie die Frequenzweiche der BA 31 werden im Haus bestückt und in einem Lötbad für die Ewigkeit fixiert. Interne Verkabelungen bestehen aus den gleichen Drähten, die auch als Lautsprecherkabel im Zubehörprogramm erhältlich sind.

Burmster BA 31 Manufaktur

© Burmster

Das Ziel dahinter ist kompromisslose Qualität. Nur durch diese Fertigungstiefe kann die Berliner Traditionsmarke ein Maximum an Kontrolle über die Fertigungspräzision behalten. Außerdem erfordert die aufwendige Konstruktionsweise viel Handarbeit. Zum Beispiel wird das Bassreflexrohr nicht einfach nur ins Lautsprecher-Gehäuse eingebaut, sondern an beiden Enden mit Dämmwolle umwickelt, um der Musik keine Colorationen hinzuzufügen.

Erheblichen Aufwand hat Burmester auch bei der Auswahl von wichtigen Bauteilen betrieben. Die Lautsprecher-Chassis werden zunächst sieben Tage lang ununterbrochen belastet, erst dann werden sie gemessen und paarweise selektiert. Das dient nicht nur der Langzeit-Qualität, die Boxen brauchen auch nicht die übliche Einspielzeit. Und sollte nachher irgendwo auf der Welt etwas zu Bruch gehen, kann Burmester anhand der Seriennummer in den archivierten Messwerten einen perfekt gematchten Ersatz heraussuchen. So bleibt die Freude erhalten.

Das neue Schnell

Ähnlich verhielt es sich im Bass. Hier gelang der BA 31 eine Gratwanderung zwischen saftigem Punch und angemessen langem Ausschwingen mit Elektrobeats wie denen von der "Yello" gewidmeten stereoplay-Heft-CD und kurzen, trockenen Einsätzen. Diesem Lautsprecher gelang, was bei der Mischung unterschiedlicher Wandler-Prinzipien häufig danebengeht: Das Tempo der beiden nicht zu klein und nicht zu groß gewählten Tieftöner fügte sich harmonisch mit dem trägheitslos wirkenden Air Motion Transformer (AMT) zusammen.

Air Motion Tranformer (AMT)

© Burmster

Auf der Rückseite des hinteren Air Motion Transformers sitzt eine Frequenzweiche samt Lautstärkeregelung, mit der sich der Ambiente-freundliche Dipol-Effekt im Hochtonbereich ganz abdrehen lässt. Die Übergangsfrequenzen der 2,5-Wege-Bassreflex-Box liegen bei 400 und 3000 Hz, die restlichen Sektionen werden mit einer XXL-Weiche im Fuß abgefertigt.

Dieses Timing machte einfach an. Es sorgte dafür, dass es schwer fiel, vor dem Ende jedes einzelnen Songs auf einen neuen Test-Track zu wechseln. So zog sich der Hörtest weit mehr in die Länge, als es zur reinen Urteilsfindung nötig gewesen wäre. Denn wenn ein Lautsprecher tonal und vom Timing so auf dem Punkt ist, hört und spürt man das sofort.

Trotzdem gab es immer wieder kleine Überraschungen. Für einen derart schnellen Lautsprecher, der sich der ungestümen Attacke verschrieben hat, bot die BA 31 im Tiefbass ein bemerkenswert solides Fundament. Wer damit Orgel hört, dürfte staunen, was unterhalb von Bassdrums noch kommt und wie souverän die BA 31 mit tiefen Tönen klarkommt, die länger stehen bleiben.

Schön, wenn ein Lautsprecher dermaßen Spaß macht und dabei auch noch keinerlei Zweifel lässt, dass es genau so richtig ist. Und wenn er dazu so universell mit allen Musikrichtungen funktioniert. Wenn er so messerscharf abbildet und genial auflöst. Und wenn er dann auch noch so verdammt gut aussieht, dabei aber nicht mal dick aufträgt ...

Dann will man eigentlich gar nicht nach Schwächen suchen. Aber wir müssen das tun, es ist schließlich unser Job. Zumal man über das einzige kleine Manko mehr oder weniger stolpert: Diese Luxusbox besitzt zwei Hochtöner, aber nur einen besonders privilegierten Sitzplatz.

Die goldene Mitte

Doch wir jammern gerade auf verdammt hohem Niveau. Da hört man eine halbe Stunde lang von leicht seitlich und alles ist bestens. Doch dann lassen einen die Kollegen allein und man rückt exakt in die Mitte - genau gesagt, in die goldene Mitte. Das ist so, als ob die räumliche Abbildung satt einrastet wie der Lautstärkeregler am Burmester 808. Der Fokus ist dann nicht mehr sehr gut, sondern kosmisch. Der Raum öffnet sich akustisch so weit nach hinten, dass wir den benachbarten Kollegen der video bei der Arbeit zuschauen könnten, wenn es sich um ein optisches und nicht um ein akustisches Phänomen handelte. Das Gute ist: Wenn Sie es Ihrem Lebenspartner nicht verraten, kommt von allein niemand darauf welche Bezirzung im Sweet Spot wartet.

Hier wird die Floskel mehr oder weniger zu unserem Schlusswort. Das war's. Man soll ja immer aufhören, wenn es am schönsten ist...

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