Testbericht

Cabasse MC 40 Minorca

Die franzöische Boxenmanufaktur Cabasse existiert bereits seit 59 Jahren, und doch blieb wenig wie früher, als Gründer Georges Cabasse noch das alleinige Sagen hatte. Die Fertigung lagerten die Franzosen aus, selbst die eigenwilligen Chassis werden inzwischen von Canon hergestellt, dem japanischen Konzern, zu dem die Boxen-Bauer aus Brest inzwischen gehören. Das aber immerhin in Frankreich.

  1. Cabasse MC 40 Minorca
  2. Datenblatt
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© Archiv

Je näher man sich mit den drei, aus der Distanz unscheinbaren Kompaktboxen beschäftigt, desto mehr Interesse weckt deren ausgeklügelte Technik. Das gilt ganz besonders für die Cabasse MC 40 Minorca, die in dunkel oder auch in etwas medizinisch ausschauendem Beige erhältlich ist. Wer hinter die Blende blickt, entdeckt eine französische Spezialität, die exklusiven Genuss verheißt. Cabasse kommt in dieser Klasse mit einer echten 3-Wege-Konstruktion.

Damit nicht genug: Den Mittelhochtonbereich verarbeitet ein Koaxial-Chassis, dessen Mitteltonkonus ohne die üblicherweise angeklebte Sicke auskommt. Ein kleiner Falz im ultraleichten Kunststoffkonus sorgt für die nötige Bewegungsfreiheit unter Wahrung von Stabilität über einen langen Zeitraum.

Die Membranen bestehen, mit Ausnahme des Hochtöners, aus dem Kunststoff Duocell - einer thermoplastisch verformten Rohacell-Schaummasse, der Toni Überacher vom deutschen Audiotrade-Vertrieb attestiert, sie sei "so leicht wie eine Feder und so stabil wie Knäckebrot." Der Stabilisierungseffekt basiert auf ungleich großen Lufteinschlüssen, wie im menschlichen Knochen. Das Basismaterial Rohacell kommt wegen seiner vorbildlichen Eigenschaften im KFZ- und Flugzeugbau, etwa in den Tragflächen des Airbus A 340, zum Einsatz.

Die Herstellung einer einzigen Membrane dauert 15 Minuten, beschert Cabasse allerdings einen massearmen und dennoch belastbaren Werkstoff, der gemeinsam mit ebenso effizienten wie robusten Antrieben eine Brücke zu den professionellen Systemen der Marke schlägt. Mit den breitbandigen Hornlautsprechern für den französischen Flugzeugträger "Charles de Gaulle" setzte die Firma aus Brest schließlich Maßstäbe für Lautheit und Wirkungsgrad.

2003 baute Cabasse in Brest ein Akustik-Forschungszentrum unter Einbeziehung von Hochschulen und Universitäten auf, wo man sich auch der Optimierung des Übergangs zwischen Hoch- und Mitteltöner am Koaxial-Chassis annahm. Die Form der Montageplatte des Hochtöners minimiert in Verbindung mit den geringen Auslenkungen des Mitteltöners die gegenseitige Beeinflussung der beiden auf Achse montierten Chassis. So will Cabasse in der MC-40-Serie Frequenzgang und Abstrahlverhalten seiner Punktschallquelle verfeinern.

Die äußerlich eher unscheinbare Cabasse konnte noch die eindrucksvollen Stärken der Rivalen toppen und Feininformationen wie Nachhall noch prägnanter herausarbeiten. Mit ihr bauten sich Töne noch blitzartiger auf und schwangen noch realistischer aus. Dadurch erzeugte die Französin ein scharfes Bild vom jeweiligen Aufnahmeraum. Und das Beste daran: Die Minorca trug alles mühelos und völlig unverkrampft vor. Mit der gleichen Lässigkeit, mit der ihre Landsleute Gauloises paffen, zeichnete die Cabasse Instrumente nach.

Ihre Ehrlichkeit erinnerte in räumlicher und tonaler Hinsicht wie im exzellenten Auflösungsvermögen unweigerlich an Studiomonitore, die ein Vielfaches kosten. Die Darbietung gelang so mitreißend und authentisch, dass sie sich rasch an die Spitze dieses starken Testfeldes setzte.

Einzig im Tiefbass konnte die Heco mehr Substanz in die Waagschale werfen. Doch die Minorca überspielte ihr einziges Manko charmant mit Konzentration auf ihre dynamischen Kerntugenden. Sie gab das Einschwingen tiefer Töne zwar etwas schlanker, aber äußerst präzise und knackig wieder. In der Praxis unterstützte diese, auf perfektem Timing basierende Abstimmung das emotionale Erleben der Musik. Die Performance zog einen noch mehr in ihren Bann, ganz gleich, ob Klassik oder Pop auf dem Programm standen.

Ein sprichwörtliches Feuerwerk hatte im Hörraum schon so manche Cabasse entfacht, die Mittelhochtoneinheit der Minorca tönte aber freier und offener und legte den leicht strengen Beigeschmack früherer Jahrgänge vollständig ab. Diese Kombination sicherte ihr den Testsieg.

Zudem erfüllt diese räumlich besonders breit und hoch über die Boxen hinausreichende, von den Schallwandlern gelöste Wiedergabe höchste Anforderungen in Sachen Klangfarbentreue und Auflösungsvermögen. In Verbindung mit einer in dieser Klasse einzigartigen Spritzigkeit machen diese Tugenden die 3-Wegebox nicht nur zum Sieger nach Punkten. Mit der Cabasse Minorca gieren selbst gut gesättigte Zeitgenossen danach, aktiv Musik zu hören, Konzerte zu Hause nachzuleben. Letztlich gewinnt die Botschaft der Musik, die sich im MP3-Zeitalter gegen Umweltgeräusche und optische Reizüberflutung durchsetzen muss. 

Cabasse Minorca

HerstellerCabasse
Preis800.00 €
Wertung79.0 Punkte
Testverfahren1.0

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