Testbericht

Canton Chrono SL 520

Nicht jeder, der Wert auf äußerste klangliche Natürlichkeit und ein sattes Bassfundament legt, hat auch den nötigen Platz, um sich in der gehobenen Preisklasse bis 700 Euro einen Standlautsprecher ins Wohnzimmer zu stellen. Manch anderer mag auch partout in seinem Allerheiligsten nicht auf große Kisten schauen.

  1. Canton Chrono SL 520
  2. Datenblatt
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© Archiv

Canton machte im eigenen Angebot tatsächlich noch eine Lücke aus, die es zu schließen galt: Zwischen den Modellreihen Karat und Chrono positionierten die Hessen die neue Serie Chrono SL. Die durch ihre kompakte Frontplatte sehr zierlich wirkende Chrono SL 520 holt ihr Volumen nicht aus der Breite, sondern aus der vergleichsweise großen Tiefe, die immerhin 29 Zentimeter beträgt. Damit steht die Schallwand dem Rundstrahlverhalten nicht im Wege.

Überhaupt widmeten die Entwickler der Richtcharakteristik ihrer Metall-Treiber einige Aufmerksamkeit. Die von Antrieb und Schwingsystem aus den Karat- und Vento-Serien bekannte Alu-Mangan-Kalotte bekam eine konkave Transmission-Frontplatte, die mehrere Aufgaben erfüllt. Sie bündelt im Bereich der Übernahmefrequenz bei 3 Kilohertz und passt damit die Abstrahlcharakteristik des Hochtöners der des Tief-Mitteltöners an. Der mit seinem gegenüber der Reference-Serie durch zusätzliche Wicklungen zu größerem Hub befähigte 16-cm-Konus beginnt in diesem Bereich nämlich ebenfalls, den Schall zu bündeln. Zudem bringt der hornähnliche Vorsatz im unteren Wirkungsbereich der Kalotte bei identischem Hub 3 Dezibel mehr Schalldruck, was wiederum die Verzerrungen minimiert.

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© Archiv

Canton überarbeitete für die SL 520 bewährte Treiber für mehr Drive: Der Hochtöner bekam einen Transmission-Vorsatz, der Tieftöner eine größere Schwingspule.
Die durch Computer-Simulation und umfangreiche Messungen ermittelte Frontplattenform verhilft außerdem der Kalotte bei 20 Kilohertz zu einem verbesserten Rundstrahlverhalten. Das pikobello verarbeitete Hochglanzlack-Gehäuse wirkt wertiger als die Lack-Folien-Kombinationen der Chrono-Serie und hilft damit, das Netz, mit dem die Traditionsmarke auf Kundenfang geht, noch feinmaschiger zu weben.

Im Hörraum zeigte sich schon nach dem ersten Durchgang, dass es sich in diesem Test um ein sehr homogenes Feld mit knappen Abständen zwischen den einzelnen Probanden handelte. Auch wenn die Canton mit ihrer schmalen Frontansicht optisch leichter wirkt als die Nubert, warf sie im Bass nicht weniger Gewicht in die Waagschale. Kaum zu glauben, wie tief und satt der Chrono die Tieftonwiedergabe gelang. Abgrundtiefe elektronische Bassläufe wie etwa auf dem Album "Touch" von Yello (Universal) kamen sehr trocken und präzise. Pop-Musik besaß ungeheuren Kick und perfektes Timing.

Dazu präsentierte die SL 520 die Höhen sehr differenziert und feinzeichnend, ohne vorwitzig oder gar hart zu wirken. Ihr schlanker Grundtonbereich war die einzige Eigenart, bei der sich die Canton ertappen ließ. Immerhin kam diese Abstimmung der Durchhörbarkeit der Wiedergabe entgegen und half der Canton, ungewöhnlich viele Details zu enthüllen. Der Klang löste sich völlig von den Boxen. Das Oscar Peterson Trio schien frei im Raum zu stehen, der in allen drei Dimensionen weit über die Boxen hinauswächst.

Gegenüber der zum Direktvergleich herangezogenen Chrono 502 (Test: 8/2007, 71 Klangpunkte, 580 Euro) wirkte die SL 520 weniger quengelig und damit insgesamt einfach eine Spur packender und natürlicher. Der moderate Aufpreis der Chrono SL 520 lohnt sich also ganz eindeutig.

Canton Chrono SL 520

HerstellerCanton
Preis640.00 €
Wertung74.0 Punkte
Testverfahren1.0

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