Standboxen

Canton Reference 3K im Test

Beryllium, Diamant, Alu-Keramik - mit High Tech versuchen die Lautsprecher-Hersteller, sich an der Weltspitze den entscheidenden Vorteil zu verschaffen. Canton eröffnet jetzt eine neue Runde – mit Wolfram-Keramik-Membranen in den Canton Reference 3K. Wir haben die Standboxen im Test.

Canton Reference 3K

© Canton

Herausragend transparente, tiefräumlich und entspannt spielende Box, die auch nach Stunden noch dem Ohr schmeichelt, ohne dem Hörer etwas vorzuenthalten.

Pro

  • Herausragend transparente, tiefräumlich und entspannt spielende Box
  • auch bassdynamisch ein Spaßbringer

Contra

  • Etwas raumkritisch im Bass

Fazit

stereoplay Testurteil: sehr gut; Klang: absolute Spitzenklasse; Preis/Leistung: überragend
87,0%

Teuer muss eine Membran für einen Flaggschiff-High-End-Lautsprecher sein, selten und möglichst kompliziert zu verarbeiten? Den Eindruck könnte man gewinnen, wenn man das Wettrennen zwischen Diamant, Beryllium und Co. verfolgt. Doch eigentlich geht es beim perfekten Membranmaterial um ziemlich einfache technische Eigenschaften: Leicht soll die Membran sein, steif, doch mit hoher innerer Dämpfung und möglichst frei von Eigenresonanzen im Nutzbereich.

Bei Cantons neuer Reference-K-Serie - hier die Canton Reference 3K im Test (Preis: 10.400 Euro) - kam noch eine weitere Forderung von Chefentwickler Frank Göbl dazu: Hinsichtlich Material und innerem Aufbau sollten alle Membranen vom kleinen Hochtöner bis zu gewaltigen Bässen identisch sein, um einen möglichst homogenen Klang über alle Frequenzbereiche zu ermöglichen.

Keramische Abteilung

Mit Keramik-Chassis hatte man schon in der Vorgängerserie erfolgreich gearbeitet, allerdings nur im Hochton - weshalb nur das geschulte Auge bemerkte, dass die Membran nicht weiß war, sondern einen bräunlich-grauen Schleier aufwies. Der Grund: Hier spielt neben Aluminium noch schwerere und steifere Keramik des Metalls Wolfram eine Rolle. Mit der Reference 3K stand nun zum ersten Mal im stereoplay-Hörraum eine Canton-Box, die durchgehend in allen drei Wegen mit dieser Wunderkeramik ausgestattet war; entsprechend setzen sich alle drei Töner farblich von den üblicherweise schlohweißen Keramikchassis ab.

Canton Refrence 3K Gehäuse

© Canton

Das Gehäuse ist im oberen Bereich verjüngt und angeschrägt und sanft zulaufend, um Kantenreflexionen im Mittelhochton zu minimieren. Die mit 22 Zentimetern recht großen Bässe sitzen im unteren Teil, sie sind in puncto Membrangeometrie, Material und Aufbau dem Mitteltöner (links) recht ähnlich, aber für deutlich höhere Hübe optimiert.

Chassisdurchmesser, Gehäusedimensionierung und das grundsätzliche Konzept der 3K sind an die limitierte Version Jubilee der alten Serie angelehnt: eine Drei-Wege-Bestückung mit einem Paar parallel geschalteter 22er-Bässe, einem 18er-Mitteltöner und einer 2,5-cm-Kalotte

Dem Mitteltöner, der aus Gründen der Laufzeit- und Phasenoptimierung im Kopf der Box sitzt, kommt dabei die Hauptaufgabe zu, wandelt er doch alle Töne zwischen 200 und 3000 Hz und damit quasi den gesamten Stimm- und Formantbereich (Obertöne der Vokale) aus einem Guss. Seine Membran soll gegenüber den Vorgängermodellen am meisten von der ultraharten Wolfram-Keramik profitieren. Weil er steif und leicht zugleich ist, kann er auch größer ausgelegt werden als andere Mitteltöner und im Grundton damit tiefer hinabsteigen.

Harte Membran und großer Durchmesser - das produziert nach den Gesetzen der Akustik zum oberen Einsatzbereich hin ein merkliches Bündlungsverhalten, was von den Canton-Entwicklern auch gewollt ist. Sollen doch die Spitzenmodelle der neuen Reference-K-Serie auch in größeren Hörabständen und entsprechend schwierigeren Räumen noch reüssieren können.

Damit es von der Directivity her nicht zum Bruch kommt, passt sich der Hochtöner im Abstrahlwinkel an den Mitteltöner an. Eine Kombination aus einer etwas engeren Schallführung und einer Schall verteilenden Linse vor der Keramikmembran homogenisiert eben diesen Winkel: im Bereich 3 bis 7 kHz etwas enger, im Bereich über 12 kHz deutlich breiter als bei einer Montage der Kalotte plan auf der Schallwand.

Canton Reference 3K schwarz Anschlüsse

© Canton

Der Reflex spielt über den Sockel – Tiefbass wird nur vorne und hinten aus der verrundeten Struktur abgegeben, Kantengeräusche und Kompression haben keine Chance.Das Terminal (links) enthält neben Bi-Wiring-Anschlüssen Pegelsteller für den Hochton- und den Übergangsbereich des Mitteltöners – zur Anpassung an die Raumakustik.

Deren Kantenreflexionen haben damit kaum noch tonale Bedeutung. Zugunsten einer besseren Abbildungsschärfe entschieden sich die Canton-Mannen aber dennoch für eine schmale Schallwand im Mittelhochton, die sich nach unten aufweitet, um die beiden Bässe aufzunehmen.

Die arbeiten auf ein eigenes, vom Mitteltöner abgetrenntes Gehäuse, das im Fuß der Canton Reference 3K auf einen Bassreflex mündet. Um Strömungsgeräusche und Kompressionen zu verringern und zugleich die Longitudinalresonanzen des Raumes möglichst wenig anzuregen, wurde der Kanal des Reflexes im Sockel der Box weitergeführt und endet trompetenförmig aufgeweitet nach vorne und nach hinten.

Versuch's mal mit...

Der alten Reference-Serie wurden ja schon exzellente Noten für Neutralität, Bass, Timing und Auflösung erteilt - was soll die neue da noch substanziell besser machen? Bei Richard Strauss' "Rosenkavalier-Suite" (Guschlbauer) aus der Sicht des Musik-Analytikers nicht viel. Und so bot auch die Canton Reference 3K eine perfekte, weitgefächerte Klangfarbendarstellung, viel musikalischen Schwung und einen kraftvoll satten, doch rhythmisch hervorragend eingebundenen Bass.

Wo genau liegen jetzt die klanglich neuen Welten, die das Wundermaterial erobern soll? Als Hörer entdeckt man sie - mit der Zeit. Je länger die schwungvollen Walzer und die Musik des Schlussterzettes erklangen, desto entspannter, homogener und räumlich tiefer wirkte das Klangbild über die Canton Reference 3K. Gewiss, den Vorgängermodellen 3 und Jubilee ließ sich objektiv auch kein Wiedergabefehler nachsagen, doch die gewisse Strenge bei aufnahmetechnischen Nachlässigkeiten und eine sehr auf Hörer zuspielende Vorgehensweise werden sicher nicht jedem gefallen haben.

CantonReference 3K schwarz

© Canton

Etwas raumkritisch im Bass, ist sie auch bassdynamisch ein Spaßbringer.

Die Canton Reference 3K baut das Klangbild dagegen mehr von hinten und aus den Raumecken auf und sorgte damit selbst bei diffizil aufgenommen Live-Scheiben (wie Tri-Band live auf Schloss Elmau) für eine entspanntere, atmosphärische Grundhaltung. Aber erst, als eine gute Position etwa 1,2 Meter von der Wand entfernt gefunden war, bei der der Bass nicht aufdickte.

Ist sie damit weniger genau und weniger Monitor als die gewohnten Reference? Ja und nein. Auflösung, Neutralität und Transparenz suchen nach wie vor ihresgleichen, die hyperkomplexen des "Agnus Dei" aus Dvoraks Requiem (RCO) stellte sie in voller Pracht und Genauigkeit dar, die jeden Tonmeister zu Freudensprüngen veranlasst hätte. Auf der anderen Seite wurden die Details aber nicht mehr auf dem Silbertablett aufgedrängt, sondern eher mit Lässigkeit und Gelassenheit vorgetragen. Passend zur Interpretation des Altmeisters Mariss Jansons, der dem Werk eher seine spirituelle Seite mit ätherischen Klangfarben abringt als die sinfonische Komplexität und extreme Dynamik zu betonen.

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...Gelassenheit!

Dass diese etwas seidigere und distanziertere Abstimmung nicht in Langsamkeit und Langeweile umschlug, bewiesen zum Abschluss mehrere Live- Scheiben: "Stop Those Bells" von Sara K swingte und groovte, dass es eine Freude war, und "Millionen Legionen" vom "Unplugged"-Album der Fantastischen 4 hämmerte mit einem unbändig tiefem, raumfüllendem Rhythmus in den Hörraum, der keinen im Hörraum ruhig auf dem Sofa sitzen ließ und zu spontanen Hiphop- Tanzeinlagen animierte. Selbst Madonnas nicht eben audiophilem "Material Girl" trotzte die Canton noch sprühenden 1980er Charme und Spielfreude ab.

Den Namen Reference trägt die Canton Reference 3K zu Recht. Stellt sie doch für moderate gute 10 Kilo Euro nicht nur Präzisionsrekorde auf, sondern könnte mit ihrer überragenden Homogenität, Entspanntheit und Räumlichkeit auch bisher Canton-skeptischen High-Endern eine Sünde wert sein.

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