Röhrenverstärker

Cayin MT-12 N im Test

Kleine Röhrenvollverstärker versprühen einen ganz besonderen Charme. Es hapert nur meist an komplexer Leistung. Doch oft genug ist man erstaunt, was ein paar Röhrenwatt aus einer passenden Box an Klangkultur zaubern.

Cayin MT-12 N

© Hersteller/Archiv

Cayin MT-12 N

Pro

  • Vollverstärker für kleine Boxen mit hohem Wirkungsgrad
  • erzeugt frische klare und wohlig weite Klangbilder
  • fährt bei erhöhtem Pegel sehr sanft in die Sättigung

Contra

Der MT-12 N arbeitet in Class A/B und verwendet in der Sockelschaltungsvariante eine 12AX7, zwei 6N1 und vier 6P1- Endröhren im Push-Pull-Betrieb. Als etwas kleinerer Ableger der russischen 6P1P kam die 6P1 früher in Röhrenradios und TVs zum Einsatz.  

Seine sieben Röhrenzwerge setzt Cayin in ein edles Materialkleid aus Echtholz, Chrom und Messing. Immerhin drei Analogeingänge und ein paar Cayin MT-12 N 4-/8-Ohm-Lautsprecherklemmen haben noch ins kleine Gehäuse gepasst.

Cayin MT-12 N: Hörtest

Mit zweimal neun Röhrenwatt geht es nun in den Wirkungsgradmeister JBL 4365. Yellos "Oh Yeah" zeigt gleich einen wesentlichen Unterschied zu den Ayon-Monos Vulcan II. Im Tiefbass wird jetzt nur noch getupft, dafür im Oberbass nuancierter und farbiger gezupft. Schön griffig ist der ganze Grundtonbereich, während das restliche Frequenzspektrum unauffällig bleibt.

Test: Ayon Crossfire III

Die ätherische Abbildung macht an: Wabernde Synth-Bässe breiten sich im Hörraum aus. An der JBL bleibt der MT-12 N überraschend lange konstant. Wenn auf Track 2 "The Expert" den Stimmen-Monolog beginnt und man bis über 40 Prozent der Lautstärke hochdreht, setzt sich doch eine kehlige Note durch. Auch die Phaseneffekte auf "The Race" wirken dann verwischt und die Klangbühne trübt weiter ein.

Eine perfekte Paarung ist hingegen die Kombination mit der Cabasse Bora. Jetzt reaktiviert der Cayin auch die tieferen Frequenzen und macht aus dem vormaligen Brachland ein Gebirge. Keine alpinen Landschaften, eher ein sanftes Mittelgebirge mit weiten Ausblicken auf die Mitteldeutsche Tiefebene. Dabei setzt der Koax die ankommende Röhrenflut präzise in die Klanglandschaft. Wandert der Messingregler bis über 12 Uhr, wird das Bild konstant vergrößert und als Zuhörer taucht man tief in diesen Rahmen ein. Trommelschläge setzen nicht brachial tief an, aber mit wohlig rundem Kick. Der kleine Cayin ist ein superber Einstieg in die zauberhafte Welt des Röhrenklangs.

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