Testbericht

CD-Player Advance Acoustic MCD 203 II

Nicht kleckern, sondern klotzen heißt es bei dem in Frankreich konzipierten und in China gefertigten Advance Acoustic MCD 203 II. Obwohl er nur 700 Euro kostet, ließen die Entwickler praktisch nichts aus.

  1. CD-Player Advance Acoustic MCD 203 II
  2. Datenblatt
Advance Acoustic MCD 203 II

© Archiv

Advance Acoustic MCD 203 II

Sogar an einen rückseitigen Schalter zur kompletten Trennung vom Netz dachten sie. Bevor der Strom den Ringkern-Umspanner beschäftigt, wird er erst mal säuberlich gefiltert. Die Netzteilkammer ist prall gefüllt mit Stabilisatoren, unzähligen Kondensatoren, Widerständen und Dioden.

Innenansicht Advance Acoustic MCD 203 II

© Julian Bauer

Wichtiger Unterschied zum MCD 203: Die Mk-II-Version besitzt höher taktende Konverter, die jetzt in der Laufwerkskammer beheimatet sind.

Der Mittelbau - sauber durch Stahlwände und einen Deckel abgeschottet - beherbergt das DVD-Laufwerk und die gesamten Digitalsignal-Verarbeitungsstufen inklusive des Stereo-Konverters AD 1955 der amerikanischen Analog Devices. Er könnte theoretisch auch den Datenstrom von SACDs konvertieren. Die französischen Generalimporteure hielten jedoch MP3 und  WMA für angesagter. Deren Reduktions-Algorithmen dechiffriert mit höchster Präzision der große DVD-Prozessor MT 1389 der taiwanesischen MediaTec. Richtig gefordert wird dieser Chip eigentlich erst in DVD-Spielern, wo er Progressive Scan und DivX berechnet.

Den rechten Seitenflügel des MCD 203 II bewohnen die Röhren-Ausgangsstufen. Advance Acoustic macht sich die Tatsache zunutze, dass die Konverter die Signale für den rechten und linken Stereokanal invertiert und nichtinvertiert anbieten: Ab den Wandlern verarbeitet der MCD 203 II das Analog-Signal konsequent symmetrisch mit Röhren. Je eine Doppeltriode chinesischer Herkunft vom Typ 12AX7 verstärkt, im Differenzmodus betrieben, die zarten Signale vom Wandler.

Anschlüsse MCD 203 II

© Julian Bauer

Der MCD 203 II glänzt wie der Vorgänger mit vollsymmetrischer Signalverarbeitung. Der Neue gibt auch MP3- und WMA-CDs wieder.

Für die eingleisigen Cinch-Ausgänge legt der Advance Acoustic nicht etwa einen Bypass von den XLR- Ausgängen, sondern addiert invertiertes und nichtinvertiertes Signal mit einem Operationsverstärker auf. Dass dieser Op-Amp JRC 5532 vielleicht den Klang  der Röhren schmälert, ist kein Beinbruch: Wer die Röhren pur genießen will, besorgt sich Adapter von XLR auf Cinch.

Im Messlabor hinterließ der MCD 203 II einen zwiespältigen Eindruck: Er klirrte wie erwartet röhrentypisch harmonisch mit erster und zweiter Oberwelle. Der Pegel der Harmonischen zeigt nach stereoplay-Erkenntnissen die optimale Höhe. Der leichte Bassabfall resultiert aus Koppelkondensatoren im Signalweg zur Unterdrückung von Gleichspannung.

Nicht ideal ist das pegelabhängige Verhalten: Wie ein Motor produzierte der MCD 203 II mit zunehmender Lautstärke Feinstaub in Form von nicht zum Signal gehörenden  Verzerrungen. Und die registrierte das Messprogramm als ungebührlichen Jitter. Ein zur Kontrolle besorgter zweiter Spieler legte dasselbe Verhalten an den Tag. Vermutlich resultiert der mit wachsendem Pegel ansteigende Störgrund aus einer unglücklichen Verkopplung von Massen.

Zum Glück reagiert das Ohr weit weniger empfindlich auf diese Art von Verzerrungen als die Messgeräte. Denn im Hörraum gab der Advance Acoustic einen überzeugenden Einstand. Fantastisch, wie luftig der MCD 203 II die Schwebungen und das Flirren der Zungen von einer Mundharmonika (Abi  Wallenstein, siehe "Damit wurde gehört") herausarbeitete. Bei den Stimmen der Alt-Blueser unterstrich er jede Emotion, sie erzeugten eine Gänsehaut.

Die Röhren setzten strahlende und üppige Farbtupfer. Klavierläufe perlten, Becken zingerten und zeigten ihr charakteristisches metallisches Funkeln.Auch an der Abbildung gab es wenig zu meckern. Der Advance Acoustic fokussierte Instrumente nicht ganz messerscharf, bildete die Interpreten aber schön kompakt ab. Die einzige echte Kritik galt dem Bassbereich: Wenn der Solo-Bassist Ralf Gauck mit seinem Akustikbass etwa das Stück von Sting "Every Breath You Take" zupfte, ging es der MCD 203 II etwas kraftlos an, ließ etwas Zeichnung und Präzision vermissen. Summa summarum erreichte er nicht ganz das Niveau des (teureren) Vincent CD S 2 Mk II (12/03), behauptete sich aber in seiner Klasse als sehr "analog" klingende Alternative.

Advance Acoustic MCD 203 II

HerstellerAdvance Acoustic
Preis700.00 €
Wertung54.0 Punkte
Testverfahren1.0

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