Testbericht

CD-Player Moon 750D

An den großen CD-Spieler 750D (9450 Euro) des kanadischen Herstellers Moon gewöhnt man sich schnell: Sein Klang ist so völlig frei von jeder Künstlichkeit, dass man sehr schnell aufhört, darüber nachzudenken. Wenn man ihn wieder hergeben muss, droht jedoch Entzug.

  1. CD-Player Moon 750D
  2. Datenblatt
CD-Player Moon 750D

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Signalwirkung: Das Moon-Logo prangt nicht nur über der CD-Lade, sondern in XXL auch auf der Motorhaube. Es zeigt kein indianisches Schriftzeichen, sondern entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als Ausschnitt aus dem Mittelteil eines (um 45 Grad gekippten) Notenschlüssels.
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Sanft entkoppelt Das Moon-Laufwerk steht auf vier Gel-Kissen, von den Kanadiern liebevoll "M-Quattro Suspension" getauft. Der Antrieb, dessen Herkunft Moon mit "proprietary" umschreibt, lieferte minimal höhere Jitterwerte als externe Top-Laufwerke via Digitaleingang, klang aber im direkten Hörvergleich mindestens genauso gut.

Ausgerechnet jetzt, da Harddisk-basierte Spieler ihm zunehmend an den Kragen wollen, beginnen viele High-Ender den klassischen CD-Player richtig ins Herz zu schließen - und könnten gerade teuren Modellen eine neue Blütezeit bescheren. Ein Indiz für diese These liefert Audio Components: Der traditionell mit gutem Trend-Gespür gesegnete Vertrieb hat Moon ins Programm genommen, eine kanadische Marke, die vor allem mit ihren Digitalplayern einen Platz in der Weltelite beansprucht.

Wobei die "neue Marke" aus deutlich mehr besteht als den berüchtigten drei B (Bankkonto, Briefkasten, Büro): Moon, beziehungsweise die Mutterfirma Simaudio, gibt es tatsächlich, in Boucherville in der kanadischen Provinz Quebec, und das schon seit beruhigenden 30 Jahren. Die gefrästen Alu-Teile, die es an jeder Moon-Komponente zu bestaunen gibt, stammen aus hauseigenen CNC-Maschinen, die Bestückungsautomaten für die vierlagigen, extradick kupferkaschierten Leiterplatten stehen nur ein paar Hallen weiter. Diese Fertigungstiefe erlaubt Simaudio nebenbei eine akribische Qualitätskontrolle und Bauteilselektion, was nicht nur - zum Beispiel in den toleranzkritischen symmetrischen Ausgangsstufen des Testgeräts - konstante klangliche Ergebnisse garantiert, sondern auch die Ausfallrate gering hält. Die Auslegung der Schaltungen auf niedrige Betriebstemperatur dürfte ein Übriges tun - ausfallen kann hier eigentlich nur noch das Laufwerk.

Im 750D wird der CD-Drive aber eh nicht ständig arbeiten, denn er ist nur eine von fünf Möglichkeiten, den Wandler des Spielers mit Daten zu beliefern. Moon verkauft den 750D nicht mal als CD-Spieler, sondern nennt ihn "DAC/CD Transport", sinngemäß Wandler-mit-integriertem-Laufwerk, und verliert über letzteres nicht allzuviele Worte.

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Stromturbo: Zwei Buchsen ermöglichen Klangtuning per Zusatz-Netzteil (Pfeil).

Umso ausführlicher würdigt der Hersteller den Wandlerpart, und der ist tatsächlich bemerkenswert, mit seinen insgesamt 16 32-Bit-DACs und einer raffinierten Jitterunterdrückungs-Strategie "Moon Asynchronous Jitter Control" oder kurz - Tusch! - M-AJiC32 getauft. Die 16 DACs finden sich freilich nicht einzeln auf der Platine, sondern gehören zu einem Mehrkanal-Wandler namens ESS 9018S. Das ist keine Schande, denn der Chip kostet auch glatt das Zehnfache anderer hochwertiger DACs. Der 30-Dollar-"Säbel", (Rufname Sabre32), kann acht diskrete Spuren jeweils differenziell-symmetrisch ausgeben, aber auch im Stereo-Modus je vier Züge parallelschalten. Genau in letzterer Konfiguration läuft er im 750D. Auch die Jitter-Eliminierung inklusive

Abtastratenwandlung übernimmt der Wunderchip weitestgehend selbst. Moon musste ihm lediglich eine möglichst präzise Taktreferenz spendieren und ihn mit Spannung versorgen - was dann auch nach allen Regeln der Kunst geschieht.

Der Sabre kann sogar DSD-Signale verarbeiten, darf dieses Talent im Moon-Player aber nicht nutzen, da dessen Laufwerk keine SACDs abspielt. PCM-Ton dagegen nimmt er liebend gern über vier Digitaleingänge entgegen: USB, optisch, Koax und AES/EBU.für (fast) alle Quellen  Der symmetrische AES/EBU-Input und die Cinch-Koaxbuchse vertragen dabei bis zu 192 Kilohertz Abtastrate, etwa von Netzwerkplayern mit entsprechend hochauflösenden Studio-Master-Files - was im Hörtest göttlich klang. Die Samplingfrequenz zeigt der 750D auf einem roten Punktmatrix-Display an, das im CD-Betrieb für Tracknummer und Zeit zuständig ist, und das in Größe und Helligkeit auch vorn an einen Omnibus passen würde. Natürlich ist es abblend- und abschaltbar.

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Super-DAC: Der ESS-Chip braucht kaum externe Hilfe. Im Vordergrund sieht man den Takt-Quarz, drumherum mehrere ultragenaue Spannungs-Regelstufen.

Im Hörraum zeigte sich der Moon als wuchtig-körperhaft abgestimmter Player, der auch ohne tiefere Hörerfahrung mühelos als ein "ganz Großer" zu erkennen war. Etwa beim Akustikgitarre-Intro von "Drum Roll" (Tom Brosseau "Posthumous Success", Fat Cat), das mit jenem seltenen Nachdruck aus den Boxen kam, der die Größe und das Mitschwingen des Holzkorpus regelrecht spürbar macht. Auch die zweite Gitarre, das mit Besen gespielte Schlagzeug, E-Bass und -Piano, die sukzessive hinzukommen, schienen über den 750D besonderes Gewicht zu besitzen, das aber nicht einfach aus viel Bass resultierte, sondern aus einer harmonischen Vollständigkeit, die jeden Ton hundertprozentig "richtig" wirken ließ. Die Elemente der Aufnahme griffen mit Präzision und Macht ineinander wie die polierten Zahnräder einer Turmuhr.

Der Linn Akurate DS, Angstgegner für die meisten CD-Spieler, wirkte im direkten Vergleich (gefüttert mit einem Bit-perfekten Rip derselben CD) eher wie ein Taschenchronometer: Die trockene, aber räumlich großzügige Studioakustik der Aufnahme zog sich etwas zusammen, die Abbildung wanderte kompakter vor die Boxenebene, und das zuvor warme Timbre hellte sich etwas auf. Dafür hatte man nun den Eindruck, um die Instrumente herum, manchmal gar durch sie hindurch hören zu können - und noch mehr jene atmosphärischen Winzigkeiten im Ein- und Ausklingen der Töne wahrzunehmen, die letztlich über das subjektive Tempogefühl entscheiden: Der Linn wirkte zwar agiler, der Moon trotzdem spannender.

Viele weitere CDs wanderten in die schlanke Lade des 750D - und meist erst nach überdurchschnittlich langer Verweilzeit wieder heraus: Stets reizte ein anderer Wow-Effekt den Tester, weiterzuhören, aufzudrehen und die schwere (und, klar, von Simaudio selbst gefräste) Fernbedienung wegzulegen: Wow, was für satte Toms, was für eine druckvolle Kontrolle über den krachigen 70er-Jahre-Analogsound von Siena Roots Psychedelic-Rock-Album "Different Realities" (Transubstans Records). Was für ein Kontrast, danach Architecture In Helsinkis "In Case We Die" (V2) zu hören - blitzblank, ätherisch und explosionsartig raumfüllend, als hätte jemand aus Versehen Wasabi in die Haschpfeife gestopft. Ganz zu schweigen vom knarzigen Steve Earle: "Townes", seine Hommage an den verstorbenen Kollegen van Zandt, bekam via Moon so viel Leidenschaft, dass man unwillkürlich, ob man ihn kannte oder nicht, um den Songwriter-Heiligen trauerte - und Cowboystiefel mit einem Mal als würdevolles, korrektes Männer-Schuhwerk empfand. Zumindest, solange die Musik spielte.

Fazit

Fast 10000 Euro für einen CD-Spieler auszugeben hat nichts mit Vernunft zu tun. Aber immerhin tut der Moon 750D alles, um das schlechte Gewissen möglichst schnell verblassen zu lassen. Und wenn die CDs einmal weniger werden sollten, stehen immer noch vier hervorragend klingende, Jitter-unempfindliche Digitaleingänge bereit, um zukünftige Daten zu veredeln.

Moon 750 D

HerstellerMoon
Preis0.00 €
Wertung135.0 Punkte
Testverfahren1.0

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