Vollverstärker

Creek Evolution 50 A im Test

Bei den sogenannten "Kleinen" erfreuen sich die preisgünstigen Vollverstärker von Creek seit eh und je größter Zuneigung. Um so spannender ist da die Frage, ob ein brandneuer Evolution 50 A für angenehme 845 Euro die Liebe noch steigern kann.

Creek Evolution 50 A

© MPS, Archiv

Creek Evolution 50 A
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EUR 1.125,00

Pro

  • für die Preisklasse hervorragende Agilität und Höhenauflösung

Contra

  • relativ schlanker, zurückhaltender Bass
Vielversprechend

Auch wenn Michael Creek zweifelsohne viel von Verstärkern versteht, hat sich der Engländer immer gern mit weiteren Gurus umgeben. Zum Beispiel mit Alex Niktitin, der die legendäre Endstufenschaltung des 5350 SE entwarf (mit in Serie geschalteten MOSFETs). Oder jetzt mit David Gamble, der bei der Konzeption des neuen Evolution 50 A eine besonders mutige Philosophie vertrat. Geht alle Welt in die andere Richtung, strebte Gamble eine extra hohe Leerlaufverstärkung an. Indem eine Gegenkopplung diese umso heftiger reduziert, bringt sie auch umso mehr Korrekturen an.

Viel Ausstattung für wenig Geld

"Interessiert mich nicht groß, aber wird schon recht sein", folgert der moderne Musikfreund, der für 845 Euro bereits einen omnipotenten Verstärker verlangt. Und selbstredend einen, der - in eine dicke, sauber gebürstete Alu-Front eingepasst - ein Panel besitzt, das diverse Menüs offerieren kann. Im Falle des neuen Evolution 50 A eines, das die Brightness der Leuchtbuchstaben variiert, den Auch- oder Nur-Kopfhörerbetrieb befiehlt oder einfach nur an der Balance oder an den Klangreglern spielt.

Im Zuge dieser Bedienmöglichkeiten reagiert der linke Quellen-Drehknopf auch auf Druck. Per Tipp auf den rechten Lautstärke-Dreher wird Mute hergestellt. Dass der neue Creek nicht nur optionalen Phonoteilen (Sequel 40 MM, 130 Euro; Sequel 54 MC, 185 Euro), sondern auch einem Radioteil für 135 Euro eine Heimat bietet, erfreut. Zumal die Briten ein gutes altes UKW-Teil und nicht etwa ein Modul für das auf der Insel angeblich so beliebte DAB offerieren - oder gar für das komplett schwachsinninge deutsche DAB+ mit lausiger Sprechfunkqualität. Für die Preisklasse bietet der neue Creek auch eine enorme Anschlussvielfalt.

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Creek Evolution 50 A
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Die sechs braunen Endstufen-Elkolein von Su'scoon haben zusammen 20.000 Mikrofarad Kapazität. Der pfundige Netztrafo überträgt locker 200 Watt. In…

Creek Evolution 50 A: Anschlüsse

Bei Bedarf dürfen gleich zwei Eingänge direkt mit der Endstufe korrespondieren: nicht nur für den Surroundfan, der die Front-Signale einfädeln will, sondern auch für den angehenden Highender ein ganz wichtiges Feature. Creek hat den passenden Player Evolution 50 D mit einer extra verlustarmen Lautstärkeregelung und mit ambitionierten Class-A-Ausgangsstufen ausgestattet. Ergo besteht die Wahrscheinlichkeit, dass die Creek-Kombi - unter Umgehung der Vorverstärkerstufen und der Regel-ICs im 50 A - ganz besonders vorzüglich klingt. Und fast schon übertrieben: dass der Besitzer zu alledem einen koaxialen und einen symmetrischen Brückenschlag ausprobieren und beim besseren bleiben kann.

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Wer möchte, macht es gerade umgekehrt. Der 50 A besitzt Pre-Outs, so dass er gerne auch als Vorstufe herhält und mit einem externen Endverstärker anbandeln kann. Muss er aber nicht, dem 200-Watt-Netztrafo des Creek-Amps traut AUDIO durchaus eigene, umfängliche Kompetenzen zu. Ebenso den sechs 3300-Mikrofarad-Elkos, die sich wegen ihrer Kleinheit nicht schämen müssen. Ganz im Gegenteil, dank der mehrfach parallel geschalteten Anschlüsse erleichtern sie - im Vergleich zu Groß-Ko's - sogar den Strom-Umschlag.

Wie auch immer fließen ihre Ergüsse dann nicht irgendwelchen, sondern - pro Kanal - zwei erlesenen Gegentakt-Endtransistoren von Sanken zu. Und zwar solchen, die in ihrem Gehäuse die Treibertransistoren gleich im "Darlington"-Huckepack enthalten (STD 03 N und P). Um diese standesgemäß anzusteuern, genügte Gamble eine Vortreiber- und eine Differenz-Gegentaktstufe im Eingang. Letztere stattete er jedoch mit zahlreichen Transistorhelfern aus. Also mit reichlich sprudelnden sogenannten Stromquellen, die einerseits die Verstärkung kräftig erhöhen und andererseits dafür sorgen, dass die mit Signalweg arbeitenden Halbleiter trotzdem nicht ins Schwitzen kommen.

Begeisterung im Hörraum

Naja, bei der Vorstufe musste Gamble dann doch einerseits an das Budget und andererseits - der flotten Bedienung zuliebe - an eine nicht allzu aufwendige Programmierbarkeit denken. Deswegen vertraute er die Eingangsverstärkung, die Lautstärke- und die Klangregelung einem einzigen Baustein (NJW1194V) an, der von Haus aus die nötigen Steuerkontakte besitzt. Dabei gilt es nicht zu vergessen, dass dieses Konstrukt der Firma New Japan Radio (die immerhin auch die höchst highendigen Muses-Pegelregler baut!) im Falle des neuen Creek-Players komplett umgangen werden kann. Und siehe da: Um die Line- und den symmetrischen Eingang zur Endstufe durchzuschalten, setzt Creek dann doch lieber gekapselte Goldkontakt-Relais ein.

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An den Messgeräten schlug sich der 50 A aber auch im Vollverstärker-Normalbetrieb wacker. Der Line-Störbstand von über 90 Dezibel passt, mit 2 x 87 Watt Sinusleistung kann sich der Engländer sehen lassen, der Klirr blieb - bis auf eine dezente Neigung bei höheren Frequenzen zuzunehmen - im Rahmen. Kein Wunder also, dass der neue Creek auch im Hörraum begeisterten Zuspruch bekam.

Hörtest

Vor allem für die Kunst, etwa Klavierläufe nicht nur wie frisch poliert und blitzblank, sondern außerordentlich flink und behende darzustellen. Egal ob mit 12-saitiger-, Nylon- oder Elektrogitarre, die Kunst eines Virtuosen wie Dominic Miller stellte der 50 A - bis hin zu zartesten Verästelungen und Korpus-Nachschwingungen - mit für die Preisklasse fantastischer Feinnervigkeit dar. Da musste selbst das bis dato strahlendste Glanzlicht dieser Verstärkerklasse passen. Creeks formidabler Evo 2 (780 Euro) mochte sich drehen und wenden wie er wollte, an den noch agileren und detailversesseneren Newcomer kam er nicht ran.

Allerdings auch deswegen, weil er die Töne nicht nur aus Jux und Dollerei "schwerer" sah, er fasste sie auch in ein ruhigeres Fluidum, versah sie mit mehr Nachdruck und mehr gewichtiger Fülle im Raum. Und so kamen bald auch Scheiben dran, bei denen die Jury eher den altvorderen Creek präferierte. So riss Angelique Kidjo bei "Voodoo Child" vom Album "Oremi" die Hörer über beide Verstärker gleichermaßen hin - beim 50 A besaß die Stimme mehr Atem, beim Evo 2 mehr Mumm. Als dann die Fußtrommel-Punches einschlugen und der fast subsonische Bass weit ausgreifend dahinwaberte, wich der neue Evo 50 A eher ängstlich zurück, während der Oldie immer noch größten Gefallen an diesem Treiben fand. Satter, kräftiger, gesetzter der Alte, frischer, flinker und glanzvoller der Neue: Mit seinem 50 A bietet Creek keinen in jeder Weise durchschlagenden Nachfolger an - wohl aber eine fast highendige Alternative.

Fazit

Es kam, wie's kommen musste. Creek hatte bei den preisgünstigen Vollverstärkern schon vor Jahr und Tag den Olymp erklommen. Und bot trotzdem von Version zu Version Verbesserungen. Weil sich Wunder nicht unendlich wiederholen lassen, markiert der neue 50 A keinen wirklichen Schritt nach vorn. Oder? Mit dem passenden CD-Player darf der 50 A ein zweites Mal auftreten - die Kombi-Konstellation könnte die Sache in neuem Licht erscheinen lassen.

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